US-Soldaten entladen in Maputo Transportflugzeuge. Foto: US-Verteidigungsministerium

Das US-Militär hilft Opfern des Zyklons Idai in Mosambik. Eines der Drehkreuze für die Hilfslieferungen ist Stuttgart.

Maputo/Stuttgart - Das US-Militär hat Stuttgart zu einem Angelpunkt der internationalen Katastrophenhilfe für Mosambik gemacht. Als Reaktion auf den Zyklon Idai, der am 14. März vor allem die Mitte des südostafrikanischen Landes sowie Teile der Nachbarländer Malawi und Simbabwe mit brutaler Wucht getroffen hat, unterstützt Africom, das in Stuttgart stationierte Oberkommando der US-Streitkräfte für Afrika, die Hilfsbemühungen des US-Entwicklungsministeriums. Rund 90 Soldaten sind unter Führung des „Einsatzverbandes Horn von Afrika“ in Mosambik im Einsatz.

Die Operation ist eine rein amerikanische, ohne Unterstützung der Bundeswehr oder anderer europäischer Streitkräfte. Frankreichs Marine hat allerdings den Hubschrauberträger „Tonnerre“ in Begleitung einer Fregatte in das besonders schwer betroffene Beira entsandt. Beladen mit Hilfsgütern und mit Pionieren der Fremdenlegion an Bord erreichten beide Schiffe am Freitag die Stadt. Das berichtete das Internet-Journal African Military Blog. Auch mit dem Militär Chinas, das in vielen Ländern Afrikas aktiv ist, gibt es keine Zusammenarbeit. „Wir begrüßen aber ausdrücklich die Hilfe, die China in Mosambik leistet“, sagt Brigadegeneral Robert Huston, der stellvertretende Operationschef im Africom-Stab.

Noch immer sind im Katastrophengebiet viele Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten. Mehr als 2,6 Millionen Menschen benötigen Hilfe, allein 1,85 Millionen in Mosambik, wo der Sturm angeblich 100 000 Häuser und 500 000 Hektar fruchtbares Land zerstörte. Todesopfer wurden bisher 598 gezählt – eine Zahl, die noch steigen dürfte, da viele Leichen noch nicht geborgen sind.

Das Militär hilft mit Fähigkeiten, die andere nicht haben

Die Hilfe von Africom soll am 15. April enden. Ihr Schwerpunkt ist der Transport von Lebensmitteln, Notunterkünften, Medikamenten und Fahrzeugen in die mosambikanische Hauptstadt Maputo, und von dort in die Notstandsgebiete. Bis Donnerstag gab es 29 Flüge, die 251 Tonnen Hilfsgüter transportierten. „Nach Katastrophen dieser Art ist das Tempo der Hilfe entscheidend“, sagt Huston. Was die Aufgabe erschwere, sei die „Tyrannei der Entfernungen“. Mosambik ist mehr als doppelt so groß wie Deutschland, die Infrastruktur schwach.

Africoms Logistik-Chef Leonard Kosinski betont: „Wir helfen mit Fähigkeiten, die andere nicht haben.“ Dazu zählen die großen Transportflugzeuge vom Typ C-17, die Nahrungsmittel des Welternährungsprogramms der Uno aus dem italienischen Pisa nach Mosambik bringen. Oder die kleineren C-130 Transportmaschinen, die auf Behelfslandepisten starten und landen können.

Zu den einzigartigen Fähigkeiten des Militärs gehört auch das, was die Nationale Agentur für Geografische Aufklärung, die Informationen aus Satellitenbildern, Kartenmaterial und Vermessungen bündelt, von Stuttgart und Dschibuti aus beisteuert: „Wir haben dem Entwicklungs- und dem Außenministerium und unseren Kräften gezeigt, welche Straßen in Mosambik noch befahrbar sind. Das erleichtert die Einschätzung, wie Hilfsgüter tatsächlich zu den Betroffenen gelangen“, sagt Jean Donohue, bei Africom Vize-Direktorin der Agentur für Geografische Aufklärung. Informationen über Bevölkerungsverteilung oder Überflutungen kommen ebenfalls aus ihrer Abteilung.

Allein in Mosambik sind bereits 2100 Menschen an Cholera erkrankt

Die schnelle Verfügbarkeit von solchem Wissen hat nichts an Bedeutung verloren. Bis Freitag wurden in Mosambik 2100 Neu-Erkrankungen mit Cholera registriert, mehrere Menschen sind bereits daran gestorben. Dazu Bryan Hunt von der US-Botschaft in Maputo: „Bei unserer Hilfe geht es um mehr als den Transport von Cholera-Impfdosen. Es geht um den schnellen Wiederaufbau des Gesundheitssystems im Zentrum Mosambiks. Nur so ist sicherzustellen, dass die Opfer der Naturkatastrophe medizinische Versorgung in der ganzen Bandbreite bekommen, die sie brauchen.“ Zumal in den überfluteten Regionen täglich die Malaria-Gefahr wächst.

Deshalb engagieren sich auch viele zivile Hilfsorganisationen in Mosambik. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen teilte am Freitag mit, sie betreibe inzwischen fünf Cholera-Behandlungszentren in den Städten Beira und Dondo, dazu baue sie ähnliche Stationen in vier weiteren Städten auf. Allein in Beira habe sie bereits mehr als 1000 Cholera-Verdachtsfälle behandelt.

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