Hannovers Torhüter Ron-Robert Zieler will seinem Ex-Club VfB Stuttgart einen Strich durch die Rechnung machen. Foto: dpa

Für viele Experten ist es die stärkste zweite Liga aller Zeiten. Mit wem bekommt es der VfB Stuttgart bei seinem neuerlichen Gastspiel in dieser Saison zu tun? Unsere Fotostrecke dokumentiert die ewige Zweitliga-Tabelle.

Stuttgart - Seit 1974 gibt es die zweite Fußball-Bundesliga, seit 1980 ist sie (mit kurzer Unterbrechung im Zuge der Wiedervereinigung) nicht mehr zwei-, sondern eingleisig. Deutschlands zweithöchste Spielklasse hat im Laufe der Jahrzehnte also schon so einiges erlebt – Christian Mathenia (28) legt sich aber bereits vor dem Anpfiff der 46. Saison fest: „In den vergangenen Jahren hieß es ja immer, dass das jetzt die stärkste zweite Liga aller Zeiten ist“, sagt der Torhüter des 1. FC Nürnberg: „Dieses Jahr glaube ich aber, dass es wirklich so ist.“

Hat Mathenia recht?

Vier Traditionsclubs wollen nach oben

Tatsache ist, dass es vier große Traditionsclubs gibt, die sich nur als vorübergehende Gäste im Unterhaus des deutschen Fußballs sehen und möglichst schnell wieder nach oben wollen: die Absteiger VfB Stuttgart, 1. FC Nürnberg und Hannover 96 sowie den einstigen Bundesligadino Hamburger SV, der nach dem verpassten Aufstieg eine Extrarunde drehen muss. „Alle vier Vereine haben sich die Rückkehr in die Bundesliga auf die Fahnen geschrieben – das macht es nicht einfacher“, sagt VfB-Sportdirektor Sven Mislintat.

Den Stuttgartern wird von allen Seiten die Rolle des Topfavoriten zugeschoben, zuletzt von Torwart Ron-Robert Zieler, der zum Saisonauftakt an diesem Freitag (20.30 Uhr) mit Hannover 96 in die Mercedes-Benz-Arena zurückkehrt. Auch Mislintat redet nicht drumherum. „Ganz klar: unser Ziel kann nur sein, wieder aufsteigen zu wollen.“ Damit der Druck nicht ganz so groß ist, unterscheidet der 46-Jährige allerdings zwischen ‚wollen’ und ‚müssen’. Aus wirtschaftlichen Gründen zum Aufstieg verdammt sei der VfB nicht: „Wenn die erste Saison nicht funktioniert, wollen wir auch im zweiten Jahr voll konkurrenzfähig sein, ohne abgeben zu müssen.“

Hecking sorgt beim HSV für neue Zuversicht

Ein Worst-Case-Szenario, das für den Hamburger SV zur Realität geworden ist. Nachdem Trainer Hannes Wolf (anders als zwei Jahre vorher beim VfB) an der Mission sofortiger Wiederaufstieg gescheitert ist, setzen die Hamburger nun auf die Erfahrung und Gelassenheit von Dieter Hecking. Mit dem 54-Jährigen ist neue Zuversicht in den Volkspark gekommen, die Stimmung hat sich gedreht. Doch garantieren kann auch der neue Trainer nichts.

„Ich weiß, dass die Leute mit mir Erwartungen verknüpfen“, sagt er, „wir wissen aber um die Schwierigkeit der Aufgabe. Das zweite Jahr in der zweiten Liga ist oft schwieriger als das erste.“ Zwar hat auch Hecking bei seinem Dienstantritt den Aufstieg als Ziel ausgerufen, doch will er sich künftig zurückhalten – bis Mai werde er das A-Wort nicht mehr in den Mund nehmen. „Es nützt nichts, wenn wir jeden Tag damit konfrontiert werden.“ Clubchef Bernd Hoffmann hat daher ein anderes Ziel definiert: „Wir wollen bis Ende der Saison das Antlitz eines normalen Vereins haben.“ Was nach den vielen Turbulenzen der vergangenen Jahre noch schwerer werden könnte als der Aufstieg.

Hier haben wir die 17 Zweitliga-Kollegen des VfB-Trainers Tim Walter porträtiert

Auch bei Hannover 96 ist es der Trainer, mit dem der Anhang die Hoffnung auf bessere Zeiten verknüpft. Mit Mirko Slomka sind die Niedersachsen zwischen 2010 und 2013 zweimal in die Europa League gestürmt, jetzt soll der 51-Jährige den Club zurück in die Bundesliga führen. „Perspektivisch“ will auch Slomka nach oben, doch ob das so schnell geht? „Wir sind in der Defensive personell zu dünn besetzt. Das wird nicht ausreichen, um in der zweiten Liga oben dabei zu sein.“ Tiefstapelei, der Ruf nach neuen Spielern – das kleine Einmaleins des Fußballs.

In Nürnberg wird einem Neuling vertraut

Und der 1. FC Nürnberg? Nach dem neunten (!) Abstieg hat auch der Club einen neuen Trainer engagiert – und sich für einen Neuling entschieden: den Österreicher Damir Canadi (49), zuvor beim griechischen Erstligisten Atromitos Athen. „Es war immer mein Ziel, einmal die Chance zu bekommen, in Deutschland zu arbeiten“, sagt der Wiener. Canadi weiß, dass von ihm der Aufstieg erwartet wird, doch bittet er um Geduld: „Wir haben dieses Projekt auf die nächsten zwei Jahre ausgelegt.“ Ob er so viel Zeit bekommt? Zeit ist ein rares Gut im Fußball, vor allem bei stolzen Traditionsclubs, die in der zweiten Liga gelandet sind.

Wer weiß, vielleicht wird es am Ende ja ein ganz anderer Verein sein, der vorne steht. Der 1. FC Heidenheim etwa oder der FC St. Pauli, der in Trainer Jos Luhukay einen Aufstiegsfachmann verpflichtet hat. Von den vier Schwergewichten lässt er sich nicht nervös machen. Die stärkste zweite Liga aller Zeiten? „Sehe ich nicht so“, sagt der Niederländer: „2007/2008, als ich mit Gladbach aufgestiegen bin, gab es Köln mit Christoph Daum, Mainz mit Jürgen Klopp, Freiburg mit Robin Dutt und Hoffenheim mit Ralf Rangnick.“

Erinnerungen an eine weit entfernte Fußballepoche, in der hieß der amtierende deutsche Meister – VfB Stuttgart!

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