Landeswirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut ermuntert kleine und mittlere Unternehmen dazu, auf neue EU-Töpfe zuzugreifen. Foto: dpa

Das baden-württembergische Wirtschaftsministerium hat in Stuttgart Programme vorgestellt, die sich insbesondere auch an kleine und mittlere Firmen richten.

Stuttgart - Erfolg ist kein Selbstläufer“, sagte die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut zum Auftakt einer von ihrem Ministerium organisierten Veranstaltung, die in Stuttgart einen kompakten Überblick über die Innovationsförderung von Bund, Ländern und EU geben sollte. Rund 400 häufig jüngere Vertreter von Unternehmen und Start-ups waren dazu in die Wagenhallen gekommen. Schon der Titel umriss ehrgeizige Ziele. „Unicorn oder Transformer“ lautete das Motto. Ziel des Landes ist also, die Entstehung von neuen Firmen mit Milliardenbewertung (Unicorns) oder von Firmen mit dem Potenzial, ganze Branchen umzukrempeln, so genannten Transformern, zu fördern.

Neben den schon bekannten deutschen Förderprogrammen stellte der Direktor des neuen Europäischen Innovationsrats (EIC), Jean-David Malo, das neue Milliardenprogramm der EU vor. Bereits in diesem Jahr können kleine und mittlere Unternehmen von den neuen europäischen Förderangeboten profitieren. Bis zu 2,5 Millionen Euro können sie erhalten, um Innovationen zu marktfähigen Produkten zu machen. Darüber hinaus können Firmen aus dem EU-Topf bis zu 15 Millionen Euro an Beteiligungskapital erhalten. Christian Luft, Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, stellte zudem ein neues Projekt auf Bundesebene vor. Eine geplante „Agentur für Sprunginnovationen“ soll künftig ebenfalls dabei helfen, bahnbrechende Ideen in neue Geschäftsmodelle umzusetzen.

Bund startet „Agentur für Sprunginnovationen“

Es mangele in Deutschland, im speziellen in Baden-Württemberg, nicht an solchen Ideen, aber es bestünden immer noch Lücken im Übergang von Forschungsergebnissen zu Anwendungen. Die neue Agentur soll Unternehmen oder Start-ups in der Anfangsphase und bei der Forschung sowohl finanziell als auch beratend zur Seite zu stehen, ohne jedoch die unternehmerischen Freiheiten zu beschränken. Hierfür wird der Bund in einem Zeitraum von zehn Jahren eine Milliarde Euro zur Verfügung stellen. Schon von 2019 bis 2022 sollen Mittel von mehr als 150 Millionen Euro fließen.

Ingmar Hoerr, Mitgründer und Aufsichtsratsvorsitzender des Tübinger Biotechnologieunternehmens Curevac, betonte in seinem Vortrag über die Erfolgsgeschichte seines Unternehmens die Rolle des Staates: „Politik muss mitschwingen.“ Innovationen voranzubringen sei aber mehr als ein Job. Es sei ein Lebensentwurf. Genau deswegen solle man, anstatt Innovation nur als Projekt zu sehen, auch den Menschen dahinter wahrnehmen und unterstützen. Der EIC, den Hoerr berät, wolle deshalb in den kommenden Jahren auch Unternehmerpersönlichkeiten in den Mittelpunkt stellen.

EU plant eine Vielfalt von Fördermitteln

Das Besondere am EIC ist die Vielfalt an verschiedenen Förderprogrammen. Diese soll es möglich machen, dass neben großen Firmen auch kleine und mittelständische Unternehmen Anträge stellen können und damit Zugriff auf EU-Mittel bekommen. Petra Püchner, die Europabeauftragte des baden-württembergischen Wirtschaftsministeriums und Leiterin des Steinbeis-Europa-Zentrums, wies auf die entsprechenden Beratungsmöglichkeiten bei Steinbeis hin. Hier könne man bei der Formulierung des Förderantrags unterstützt werden.

Bei der Podiumsdiskussion zwischen Start-up-Geschäftsführern wurde insbesondere die Bedeutung von staatlicher Förderung bei der Technologieentwicklung hervorgehoben. Für Kai Klapdor, Geschäftsführer von Enit Energy IT Systems, einem Freiburger Start-up für Energiemanagement, hat neutrales staatliches Kapital vor allem dann eine Schlüsselfunktion, wenn ein Unternehmen mehr Zeit für weitere Entwicklungsarbeit brauche. Rückendeckung für die weitere Produktentwicklung nannte auch Johannes Haas vom Deizisauer Start-up Noonee als die wichtigste Funktion von Fördergeldern. Die Deizisauer haben einen „stuhllosen Stuhl“ entwickelt, eine anschnallbare und mobile Stehhilfe für den Arbeitsplatz.

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