Karl Moik im Jahr 2011 auf einer Pressekonferenz Foto: dpa

Als das Markenbewusstsein in der Welt noch nicht so ausgeprägt war wie heute, war er, der Erfinder des „Musikantenstadls“, längst eine Marke. Jetzt ist der ehemalige Volksmusikmoderator Karl Moik mit 76 Jahren gestorben.

Stuttgart/Salzburg - Es gibt manches, was man von dem österreichischen Fernsehmoderator und Entertainer Karl Moik hätte lernen können. Wenn du Quote willst, lautete seine Maxime, dann vergiss die Zote. Zumindest in der Hochzeit des Karl Moik, in den achtziger und neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, konnte man es mit dieser Faustregel im Fernsehen zu etwas bringen. Damals gelang Karl ­Moik etwas, was bis dato noch keiner geschafft hatte: Er holte die krachlederne Trachtenshow aus dem Dunstkreis der ­Festzelte ins Fernsehen – auf den ersten ­Sendeplatz im Ersten, versteht sich. Moik war ein 20.15-Uhr-Mann. In den besten Zeiten verfolgten bis zu 20 Millionen Menschen die Schunkel-Show.

In Wahrheit war das Erfolgsrezept des stets gut gelaunt wirkenden Österreichers etwas vielfaltiger, als nur auf Zoten zu verzichten. Moik konnte schunkeln, plaudern, singen, kurzum: Er gehörte zu jenen Unterhaltern, die Leute, die es gern gemütlich und harmonisch vor der Glotze mögen, gern in ihr Wohnzimmer ließen. Karl Moik war der „Musikantenstadl“, der „Musikantenstadl“ war Karl Moik. Sendung und Moderator waren gut ein Vierteljahrhundert untrennbar miteinander verbunden.

Aber nicht überall kamen die zünftige Show für die Massen und dessen Aushängeschild an. In den Feuilletons wurde Moik als Repräsentant „spießiger Schunkelseligkeit“ verhöhnt. Statt volkstümlicher Musik werde volkstümelnde Musik geboten. Als wahrer Unterhalter der Massen pflegte Moik nach derlei Anfeindungen stets auf die „vielen Millionen Fans“ zu verweisen, „die sich nicht irren können“. Wenn er gut drauf war, was er meist war, konterte er: „Ohne mich mit dem lieben Gott vergleichen zu wollen – aber auch der hatte Gegner.“

Der „Stadl“ war so erfolgreich, dass irgendwann deutsche, österreichische und Schweizer Mehrzweckhallen als Plattform nicht mehr genügten. Der „Musikantenstadl“ wurde zum weltweit erfolgreichen Exportschlager, zum Global-Volksmusik-Player: ­Moiks Tross gastierte in Melbourne, in Moskau, in Toronto, bei Mickey Maus in Orlando und bei Nelson Mandela in Kapstadt. Mehr als 800 Millionen Chinesen sollen die Erstausgabe der Show aus Peking gesehen haben. „Aber die wenigsten davon habe ich gekannt“, sagte Karl Moik einmal im Interview mit dieser Zeitung.

Moik und sein musikalisches Gefolge ­jetteten nicht allein um den Globus – auf ihren Dienstreisen wurden sie von Zigtausend „Stadl“-Fans aus der Schweiz, Österreich und Deutschland begleitet. Nicht ohne Stolz sagte dazu Moik: „Man kann sagen, Europa fährt mit uns.“

Vermutlich wäre der „Stadl“-Erfinder noch ein paar Jährchen weitergereist, wenn ihm die ARD und der ORF 2005 nicht den Stuhl vor die Tür gesetzt hätten. So etwas ging ­natürlich nicht ohne mediales Getöse vonstatten. Die Senioren-Union der CDU geißelte den „Jugendwahn“ bei den Sendern, Moik selbst wurmte es, dass man ihm die „dritte Generation“ geschickt hatte, um ihm die schlechte Botschaft zu überbringen.

Vielleicht hätte man bei der ARD und beim ORF einfach mal etwas Ahnenforschung betreiben sollen. Dann wäre schnell klar geworden, dass man so einen wie den Moik nicht lautlos vor die Tür setzen konnte. „Ich habe nichts geschenkt bekommen“ heißt Karl Moiks 1997 erschienene Autobiografie – das kann auch als Drohung verstanden werden.

In bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen, lernte Karl Moik seinen Vater, „ein Musiker, ein Hallodri, ein Windhund“, erst mit fünf Jahren kennen. Die Mutter, Sekretärin in einer Papierfabrik, brachte die ­Familie alleine durch. Karl Moik machte eine Lehre als Werkzeugmacher, bestritt ­seinen Lebensunterhalt als Vertreter für Öfen, Kopiergeräte und Fernsehantennen. Nebenbei tingelte der sendungsbewusste junge Mann mit einem Jazz-Trio namens ­Jolly Austrians durch Europa. Fürs öffentlich-rechtliche Show-Gewerbe entdeckt wurde Karl Moik, weil er sich als launiger Ansager für ein Fußballspiel hervortat.

In den vergangenen Jahren zog sich Moik mit seiner Familie in Oberalm bei Salzburg zurück. Seine Frau Edith, mit der Moik seit 1964 verheiratet war, managte nicht nur das Familienleben, sondern auch die Karriere ihres „Karli-Buam“. Moik hatte mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Bereits 2004 hatte er während einer Karnevalsfeier in Köln einen Herzinfarkt. Genau zehn Jahre später erlitt er am Rosenmontag wiederum in Köln einen weiteren Herzinfarkt, von dem er sich nicht mehr erholte.

Moik mag im „Stadl“ kein Freund von ­Zoten gewesen sein, aber Humor war dem Österreicher keinesfalls fremd. Sonst hätte er kaum Stefan Raab in der Krachledernen durch die Sendung turnen und singen lassen: „Der Karl, der Karl, der Moik, Moik, Moik / der kifft das schärfste Zeug, Zeug, Zeug.“ Es spricht wohl für das „Stadl“-Publikum, dass es auch bei dieser Nummer kaum auf den Bänken zu halten war.

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