Wer heute baut oder renoviert, kann das eigene Haus mit kleinem Geld „Smart Home Ready“ ausrüsten. Foto: SYS.TEC

Beim Neubau an die Zukunft denken: Warum es sinnvoll ist, die eigenen vier Wände auf die spätere Nutzung als Smart Home vorzubereiten. Plus drei Wege für die praktische Umsetzung.

Stuttgart - Wir leben in einer digitalen Welt – und bauen oftmals noch auf dem technischen Standard der 1960er Jahre. Das liegt zum Teil an der Skepsis gegenüber smarter Technik. In den meisten Fällen liegt es jedoch am Geld. Schließlich ist das Budget beim Hausbau begrenzt – im Wettbewerb mit Küche, Gartengestaltung und Co. zieht das Smart Home oft den Kürzeren. Die gute Nachricht: Wer heute baut oder renoviert, kann das eigene Haus mit kleinem Geld „Smart Home Ready“ ausrüsten. Das heißt, beim Bau neben der herkömmlichen Installation unter anderem ein Buskabel vorsehen, damit die smarte Technik später direkt einziehen kann.

Das Interesse an Smart Living steigt

Energie intelligent steuern, Einbrecher abschrecken, Verbraucher automatisch abschalten, Routineaufgaben automatisiert erledigen – solche Funktionen werden immer stärker nachgefragt. Die Akzeptanz für Smart Home Technik steigt: Laut einer Umfrage der Wirtschaftsinitiative Smart Living nahm das Interesse 2020 trotz Corona stark zu. Früher oder später wird die Technik auch dort Einzug halten, wo wir es uns im Moment noch gar nicht vorstellen können. Daher ist es gut, sich alle Möglichkeiten offenzuhalten. Ein weiterer Anreiz sind die umfangreichen staatlichen Fördermaßnahmen.

Vorteile Smart Home Ready:

  1. Ihr Haus ist für die Zukunft gerüstet
  2. Ihre Anfangsinvestition beträgt lediglich 500 bis 1000 Euro
  3. Das Haus hat das Zeug zum Energiemanager
  4. Die Technik ist einfach erweiterbar, umständliches Nachrüsten entfällt
  5. Der Wert Ihrer Immobilie steigt
  6. Sie können kostengünstig neue smarte Funktionen einbinden
  7. Sie nutzen ein durchgängiges System statt Insellösungen

Vorausschauend bauen und Optionen offenhalten

Wer heute baut, weiß in der Regel nicht, wie sich die eigenen Bedürfnisse in den kommenden Jahrzehnten ändern werden. Zum Glück lassen sich mit etwas Vorbereitung sämtliche Funktionen nachrüsten. Ein Bussystem ist die Basis, auf der einzelne Gewerke oder Geräte nach und nach eingebunden und vernetzt werden können. Egal von welchem Hersteller – denn alle „sprechen“ dieselbe digitale Sprache, und das ganz ohne Cloud. Der erste Schritt kann sein, Jalousien und Rollläden je nach Sonnenstand zu automatisieren. Oder den Stromverbrauch des Gebäudes zu visualisieren und Stromfresser zu entlarven. Das Haus erkennt, wenn Fenster geöffnet sind und regelt die Heizung automatisch. So entsteht mit der Zeit das eigene, smarte Zuhause.

Bereiche, die häufig automatisiert werden:

  • Zutritt und Sicherheit
  • Sicht- und Sonnenschutz
  • Klimatisierung
  • Heizung
  • Beleuchtung
  • Fenster
  • Multimedia

Drei Wege, das Smart Home vorzubereiten

„Was will ich eigentlich?“ Diese Frage hilft, den eigenen Weg hin zum Smart Home von morgen zu erkennen. In jedem Fall gilt: Eine Bus-Verkabelung lässt sich in bewohnten Immobilien später so gut wie nicht mehr nachrüsten, daher lohnt es sich rechtzeitig darüber nachzudenken. Gibt es schon konkrete Wünsche – wie z.B. eine intelligente Verbrauchsdatenerfassung und Heizungsteuerung oder automatisierte Jalousien – fließen diese bereits in die spätere Systemarchitektur ein. In allen anderen Bereichen werden lediglich die Leitungen vorbereitet.

1. Mix

Gewisse Smart Home Funktionen sollen auf jeden Fall einziehen? Dann ist „Mix“ der richtige Weg: Er verbindet leitungsgebundene zentrale und dezentrale Komponenten. Die gewünschten Smart Home Funktionen wie zum Beispiel automatisierte Jalousien werden bereits zentral im Verteiler angelegt. Dafür installiert der Elektriker Mehrfach-Aktoren zentral in der Unterverteilung mit jeweils sternförmiger Verkabelung in die Räume. Für alles, was später vielleicht auch smart funktionieren soll, werden busbasierte Sensoren dezentral in den Räumen vorgesehen.

2. Dezentral

Das Smart Home ist lediglich eine Option für die Zukunft? In diesem Fall empfiehlt es sich, beim Bau eine dezentrale, kabelgebundene Variante zu wählen. Sie ermöglicht später die durchgängige Nutzung von dezentralen Sensoren und Aktoren in allen Räumen mit Verbindung über eine Bus-Leitung. Sprich das Kabel liegt und die Bewohnenden können sich jederzeit entscheiden, es zu nutzen.

3. Funk

Werden beim Bau nicht bereits die Voraussetzungen für ein Smart Home gelegt, bleibt meist nur die funkbasierte Variante. Was gern verschwiegen wird: Auch ein funkbasiertes System benötigt meist eine „Backbone-Verkabelung“, mit einem zentralen Controller und Funkantennen auf jedem Stockwerk. Um Sensoren und Aktoren in den Räumen zu platzieren, braucht es außerdem ausreichend Platz in den Unterputzdosen. Müssen nachträglich neue Unterputzdosen gesetzt werden, summiert sich der Aufwand enorm. Hinzu kommt: Eine funkbasierte Steuerung funktioniert nie so zuverlässig wie eine kabelgebundene.

Ob Leerrohre, Unterputzdosen oder LAN-Anschlüsse: Für Laien sind die Anforderungen oftmals schwer zu überblicken. Daher ist es eine gute Idee, rechtzeitig mit einem Systemintegrator zu sprechen und sich in einem Smart Home Showroom umzusehen.

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