Ein Herz für Kinder: Michael „Mimi“ Kraus möchte nach seiner aktiven Karriere den Handball-Nachwuchs fördern. Foto: Baumann

Am 28. September wird Michael „Mimi“ Kraus 37 Jahre alt, die Familie steht im Vordergrund – aber sein Karriereende hat er noch nicht verkündet. Sportliche Pläne für die Zeit danach hat der Handball-Weltmeister aber schon jetzt.

Stuttgart - Weltmeister mit Deutschland 2007, deutscher Meister 2011 und Champions-League-Sieger 2013 mit dem HSV Hamburg, EHF-Pokal-Sieger mit Frisch Auf Göppingen 2016 – Michael „Mimi“ Kraus hat im Handball fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Demnächst wird er 37 Jahre alt, die Familie steht im Vordergrund – aber sein Karriereende hat der noch nicht verkündet. Sportliche Pläne hat der gebürtige Göppinger aber allemal.

Herr Kraus, mit etwas Abstand betrachtet, war die Auflösung Ihres Vertrags beim Zweitligisten SG BBM Bietigheim die richtige Entscheidung?

Absolut. Das war ja keine Kurzschlussreaktion, sondern eine wohl überlegte Entscheidung. Ich konnte einfach nicht das Pensum aufbringen, das meiner Verantwortung für die SG BBM gerecht wird.

Aber wussten Sie denn nicht schon vorher, dass es so kommen würde?

Neu ist, dass ich Anfang nächsten Jahres zum vierten Mal Papa werde. Ich kann meiner schwangeren Frau und meinen drei kleinen Kindern nicht zumuten, ständig auf Achse zu sein. Es blieb viel Zeit auf der Strecke von Göppingen nach Bietigheim. Und dann kamen meine unternehmerischen Aufgaben in meinem neu eröffneten Nice Athletic Club in Göppingen hinzu. Letztendlich war es auch gegenüber Mannschaft der SG BBM einfach nur fair und konsequent, sich so zu entscheiden.

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Ihr Karriereende haben Sie aber nicht verkündet, bestimmt flatterten schon Angebote ins Haus?

In der Tat, jede Menge Anfragen gab und gibt es. Und als Zweitligaspieler mit einem verpassten Aufstieg wollte ich eigentlich nicht aufhören. Das tut meinem Handball-Herz weh. Zumal ich mich körperlich fitter fühle, als mit 25.

Kommt ein unterklassiger Verein für Sie in Frage?

Ich möchte generell nichts ausschließen, es muss einfach mit der Familie vereinbar sein. Aber es ist schon schwer, nach fast 20 Jahren in der Bundesliga sich den unteren Ligen anzupassen. Hier wird einfach zum Teil ein anderer Handball gespielt. Ich will hier gar nicht in schlechter oder besser urteilen – einfach anders.

Höherklassig bleiben, wenn Sie nicht weit fahren wollen, gibt es bis auf Bundesligist Frisch Auf Göppingen wenig Alternativen.

Die Jungs von FA Göppingen trainieren bei mir im Club. Wir haben ein klasse Verhältnis, und natürlich wird da ab und zu mal gefrotzelt, aber das ist derzeit kein Thema.

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Was schwebt Ihnen nach der Karriere im Bereich Handball vor?

Ich würde gerne etwas an die Jugend zurückgeben. Mein Wunsch wäre es, eine Jugendmannschaft zu betreuen, oder Mimi-Kraus-Camps zu veranstalten – in Kombination mit meinem Gym. Gerne würde ich auch Tipps zur Ernährung und zur körperlichen Basis geben.

Weil das neben der technischen und taktischen Ausbildung besonders wichtig ist?

Ja, klar. Neben dem Spaß am Sport ist eine gute athletische Ausbildung extrem wichtig. Die Franzosen mit ihrer enormen Physis sind doch ein Paradebeispiel.

Zum Schluss noch Ihre Einschätzung: Schafft Ihr ehemaliger Club SG BBM den Aufstieg auch ohne Sie?

Dass in TuSEM Essen und dem HSC 2000 Coburg die zwei besten Mannschaften aufgestiegen sind und es aus der Bundesliga keine Absteiger gab, ist schon mal ein Vorteil. Dennoch wird es eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, den Sprung nach oben zu schaffen. Aber das Team ist intakt und in Hannes Jon Jonsson besitzt es einen erstklassigen Trainer.

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Und die beiden Bundesligisten, für die Sie schon gespielt haben, wo landen diese?

Bei Frisch Auf tu ich mich etwas schwer, die Mannschaft einzuschätzen. Das Hauptproblem ist das enorme Verletzungspech, das sich durch die gesamte Vorbereitung zieht. Werden die Rückraumspieler Sebastian Heymann, Janus Smarason und Nemanja Zelenovic fit und bleibt Tim Kneule gesund, dann ist im Optimalfall ein Platz im vorderen Drittel möglich.

Der TVB Stuttgart ...

... hat durch die Verpflichtung von Primoz Prost nun zwei erstklassige Torhüter. Wobei ich auch aus der Zeit beim HSV Hamburg weiß, dass sich Jogi Bitter oft leichter tut, wenn er die absolut unumstrittene Nummer eins ist. Mit dem Abstieg wird der TVB nichts zu tun bekommen, aber an einem Standort wie Stuttgart muss nun der nächste Schritt nach vorne kommen.

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