Die Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch (gelbes Jackett) nahm sich Zeit für die Schüler. Zu ihrer Linken: die Initiatorinnen Ranja, Marta und Anina. Foto: Marta Popowska

Fleisch essen: ja, aber nicht um jeden Preis. So lautet das Motto von drei Schülerinnen am Ferdinand Porsche Gymnasium Zuffenhausen. Mit einer Unterschriftenaktion für mehr Tierschutz in der Massentierhaltung wollen sie Mitschüler und Politiker überzeugen.

Zuffenhausen - Ein dickes Fell haben die drei Schülerinnen des Ferdinand Porsche Gymnasiums Zuffenhausen wahrlich gebraucht. Mit einem Stand haben sie Woche für Woche über die negativen Aspekte von Massentierhaltung informiert und Unterschriften gesammelt und dabei nicht nur Lob und Zustimmung erhalten. „Manche Schüler haben uns provoziert, mit Absicht billiges Fleisch gekauft und uns damit geärgert“, erinnert sich Marta (11). Doch sie, Anina (10) und Ranja (11) blieben dran. Die Ausdauer wurde nicht nur mit gut 450 Unterschriften belohnt, sondern auch mit einem Schulfest zu dem die Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch (CDU) erschien.

Sie waren in der vierten Klasse als Anina einmal mit Prospekten zu Massentierhaltung ankam. „Damals hat das keinen in der Schule interessiert“, sagt Marta. Auch für sie schien das Thema zunächst gegessen – bis sie sich ein Jahr später mit Ranja wieder darüber unterhielt. Kurzum: Die Mädchen, die mittlerweile zusammen die fünfte Klasse des Gymnasiums besuchen, holten Anina ins Boot und beschlossen, mit einer Plakataktion an der Schule über die Schattenseiten intensiver Tierhaltung aufzuklären. „Wir fragten bei Frau Blum im Sekretariat nach Klebeband“, berichtet Ranja. Die Schulsekretärin fand die Idee der Mädchen so gut, dass sie ihnen vorschlug, Unterschriften zu sammeln. Und so bekam ihr kleines Projekt ganz unvermittelt eine ganz andere Dimension.

Mehr Bewusstsein für einen ethischen Umgang mit Tieren

Die drei möchten niemanden vom Fleischessen abhalten, bei ihren Mitschülern wohl aber ein Bewusstsein für einen ethischen Umgang mit Tieren schaffen. Keine von ihnen ist zur Vegetarierin mutiert. Doch weder Schweine noch Rinder müssen leiden, finden sie. Es sei schlimm, dass Tiere auf zu engem Platz gehalten würden. „Ferkel werden von ihren Müttern zerquetscht, und ohne Betäubung kastriert“, sagt Marta. „Tiere haben oft keinen Platz, sich umzudrehen“, ergänzt Anina. Ranja war zudem überrascht, dass viele gar nicht wussten, was bio genau sei.

Nach einigen Wochen hatten sie 450 Unterschriften „gegen eine tierquälerische Massentierhaltung“ gesammelt und auch Friedlinde Gurr-Hirsch war ihrer Einladung gefolgt. Am vergangenen Donnerstag übergaben die Schülerinnen die Liste an die Staatssekretärin. Die stand eine Stunde lang Rede und Antwort, lobte das Engagement der Mädchen, musste die Kinder auf die Frage, was man mit den Unterschriften nun bewirken könne, jedoch enttäuschen: „Ich kann Landwirten nicht sagen, dass sie jetzt keine 1000 Schweine mehr halten dürfen.“ Sie wolle jedoch mehr biologischen Landbau fördern. „Dafür gibt es auch mehr Unterstützung. Wir können nur Anreize geben“, so die Politikerin. Gurr-Hirsch betonte: wenn die 90 Prozent der Bürger, die in Umfragen gegen Massentierhaltung seien, auch das teurere Fleisch aus besserer Haltung kaufen würden, sehe die Industrie anders aus. „Laut einer Studie machen das aber nur 19 Prozent“, sagt sie.

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