Hersteller zahlen für Verpackungen bereits eine Gebühr an die Dualen Systeme, die etwa über gelbe oder orangene Tonne für die Entsorgung und das Recycling von Verpackungsmüll in Haushalten zuständig sind. Foto: dpa/Martin Gerten/Inga Kjer/Sebastian Gollnow/

Die Kommunen müssen für die Müllentsorgung immer mehr zahlen, kritisiert Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Sie will Hersteller von Einwegprodukten und Tabakindustrie deshalb zur Kasse bitten. Vor allem Zigarettenkippen sind hochgiftig und eine Hauptquelle für die Verschmutzung von Gewässern.

Berlin/Stuttgart - Hersteller von Wegwerfartikeln wie Zigaretten oder Kaffeebecher sollen in Zukunft die Kosten fürs Sauberhalten von Straßen und Parks mittragen. Bis 2021 sollen die gesetzlichen Grundlagen dafür fertig sein, kündigte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) am Montag in Berlin an. Ziel sei, die Kommunen finanziell zu entlasten und ein Umdenken in der Gesellschaft.

„Unachtsames Wegwerfen an öffentlichen Orten, das greift wieder mehr um sich“, sagte Schulze. Die Kosten müssten bisher die Kommunen und damit alle Bürger tragen. Nun solle es einen finanziellen Anreiz für die Hersteller geben, auf Mehrweg statt auf Wegwerf-Artikel zu setzen.

750 000 Tonnen weggeworfene Kippen weltweit

Schulze hatte bereits im vergangenen Dezember gefordert, die Tabakindustrie an den Kosten für die Beseitigung weggeworfener Zigarettenkippen zu beteiligen. Zigarettenstummel sind der häufigste Müll in der Landschaft. In Deutschland gibt es rund 22 Millionen Raucher.

Einer aktuellen Studie des Instituts für Landschaftsökologie und Ressourcenmanagement der Justus-Liebig-Universität Gießen zufolge werden jährlich weltweit 5,6 Billionen Zigaretten geraucht und etwa 4,5 Billionen davon unsachgemäß entsorgt. Das summiert sich zu einem gigantischen Müllberg, der rund 750 000 Tonnen wiegt.

In der Untersuchung „Tobacco and its environmental impact“ der Weltgesundheitsorganisation (WHO) heißt es, dass Zigarettenfilter durchschnittlich 30 bis 40 Prozent des Gesamtmülls ausmachen, der in Städten und an Stränden vom Boden gesammelt wird. In manchen Großstädten machen Zigarettenstummel sogar bis zu 60 Prozent des weggeworfenen Mülls aus.

Giftcocktail in den Stummeln

Zigarettenstummel bestehen größtenteils aus einem Filter aus Kunststoff. Das Material aus Cellulose-Acetat ist mit Chemikalien angereichert und zersetzt sich nach zehn bis 15 Jahren. In den Stummeln sammeln sich allerdings bis zu 7000 verschiedene Giftstoffe, mehr als 50 davon sind krebserregend.

Neben Nikotin sind dies Arsen und Schwermetalle wie Blei, Kupfer, Chrom und Cadmium wie Thomas Novotny, Professor der Division of Epidemiology and Biostatistics an der San Diego State University, in einer Studie nachgewiesen hat. Die Filter können außerdem bis zu 50 Prozents des im Zigarettenrauch enthaltenen Teers zurückhalten.

Eine Kippe verseucht 40 Liter Grundwasser

Belastet werden vor allem Gewässer und das Grundwasser. Aus einem Stummel können knapp zwei Milligramm Nikotin in Böden und Gewässer gespült werden.

Laut Novotny verseucht ein Zigarettenstummel ungefähr 40 Liter Grundwasser. Bereits ein Zigarettenstummel pro Liter Wasser reicht aus, um die Hälfte der darin schwimmenden Fische zu töten.

Kippen in Stuttgart wegwerfen: mindestens 75 Euro Strafe

In Stuttgart kostet das achtlose Wegwerfen von Zigarettenstummeln jetzt 103,50 Euro. Davon sind 75 Euro Bußgeld und 28,50 Euro Verwaltungsgebühr. Anderswo, etwa in Mannheim, werden sogar 100 Euro plus Verwaltungsgebühr fällig.

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