Jan Böhmermann wirft Thomas Strobl unter anderem ein altes Affärchen vor. Foto: ZDF/Screenshot

Jan Böhmermann hat sich Deutschlands Innenminister vorgeknöpft, auch Thomas Strobl aus Baden-Württemberg. Eine Sternstunde der TV-Satire war das nicht.

Stuttgart - Zunächst ein Sammelsurium an Witzchen unterschiedlicher Schlagkraft, dann Konzentration auf ein Thema, das mit dem Doppelwerkzeugsatz von Satire und Journalismus angegangen wird: das erwartet man mittlerweile von Jan Böhmermanns „ZDF Magazin Royale“. Die Kruschteltüte Witze gab es auch an diesem Freitag, ein großes Thema wurde zumindest angekündigt: „Wir machen heute eine spektakuläre Großrazzia in allen siebzehn Innenministerien in ganz Deutschland“. Aber hoppla! Und ja, auch Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl wurde Zielscheibe.

Strobl bloß im Mittelfeld

So richtig überzeugend wurde das Ganze aber nicht: die Razzia entpuppte sich als bloßes Ranking. Und es war arg beliebig, was den Ministern dabei um die Ohren gehauen wurde. Dass Altersfalten hie, schlecht gewählte Freizeitklamotten da und fast schon komplizenhaftes Wegschauen bei rechtsradikalen Umtrieben dort auf eine Stufe des Untauglichkeitsalarms gestellt wurden, war sogar kontraproduktiv. Es war genau die Art des Witzelns um des Witzelns willen, die Oliver Welkes „heute show“ in letzter Zeit so viel mauer als Böhmermanns „ZDF Magazin Royale“ wirken lässt.

Thomas Strobl hat es in Böhmermanns Ranking nur ins flaue Mittelfeld geschafft. Dabei hätte gerade Strobl, bei dessen Reden und Interviews übertriebene Mimik und schwerfällige Überbetonungen oft völlig asynchron nebeneinander her laufen, Böhmermann viel Stoff für Parodien zu bieten, von inhaltlichen Angriffsflächen ganz zu schweigen. Aber Böhmermann lästerte lieber im Ton der herben Enthüllung, das aus Nazitagen stammende „Panzerlied“ sei ein Lieblingslied von Strobl.

Ein eingestampftes Lied

Das bezieht sich auf ein ganz altes Affärchen. 2009 erschien, nominell herausgegeben von Günther Oettinger, damals Ministerpräsident im Ländle, und Thomas Strobl, damals Generalsekretär der Landespartei, ein Liederbuch der baden-württembergischen CDU. Das enthielt auch das 1935 von Kurt Wiehle gedichtete „Panzerlied“ – das 2009 allerdings auch noch ganz offiziell bei der Bundeswehr gesungen wurde.

Wer je mitbekommen hat, wie in Unterreferentenkämmerchen Vor- und Grußworte von Politikern entstehen und wo überall Granden aus Gründen der politischen Landschaftspflege ein Winken und Lächeln hinterlassen müssen, der ahnt, dass Strobl und Oettinger damals keinerlei Ahnung hatten, welche Lieder sich eigentlich in dem Buch befanden. Nach öffentlichen Protesten wegen des arg unsensiblen Missgriffs in der Liedauswahl wurde das ganze Werk denn auch eingestampft.

Verlosung per Fax

Mancher mag es für ein Versäumnis halten, dass Strobl sich damals nicht deutlicher distanzierte, so wie Oettinger es tat, und sich des Themas auch nicht forciert annahm. Vielleicht hätte es dann nicht bis 2017 gedauert, bis das „Panzerlied“ bei der Bundeswehr von der Liste des Singbaren gestrichen wurde. Dieses leider übliche geschäftsmäßige Forteilen von der Stolperfalle ist aber etwas anderes als aktive Sympathie für das „Panzerlied“, das heute wie eine Blitzkrieg-Verklärung klingt.

Immerhin, für diejenigen, denen diese Sendung trotzdem gut gefallen hat, gibt es noch ein Schmankerl. Böhmermann verlost das erste „ZDF Magazin Royale“-Merchandise, ein Poster mit allen Innenministern. Um an der Verlosung der 99 Exemplare teilzunehmen, erklärt der Satiriker, müsse man nur zwei Fragen beantworten: „Welcher Innenminister tritt als nächster zurück? Und warum?“ Die Antwort „am liebsten per Fax“.

Verfügbarkeit: Die ganze Sendung kann man hier in der ZDF-Mediathek abrufen – bis 20. Mai 2021.

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