Schnell oder langsam? Zum neuen X7 gibt es unterschiedliche Aussagen. Foto: Tilman Baur

Der neue Expressbus X7 und eine Extraspur, die in Stuttgart-Degerloch für ihn eingerichtet worden ist, hätten mehr Staus zur Folge, sagen Autofahrer. Die, die den Bus nutzen, haben indessen eine andere Sicht auf die Dinge.

Degerloch - Am neuen Schnellbus X7 scheiden sich in Degerloch die Geister: Für die einen verstärkt er den chronischen Stau im Berufsverkehr, für andere ist er ein Gewinn. So etwa für Christoph Killgus. Der Filderstädter nutzt den X7 sporadisch, um nach Stuttgart-Mitte zu kommen. Die Verbesserung sei enorm, sagt er, eine Viertelstunde spare er nun.

Den Abschnitt zwischen EnBW-City und Degerloch ZOB meistert der mit etwa 15 Personen besetzte Bus an einem Mittwochmorgen gegen 8.30 Uhr ohne Verzögerungen. Auf der B 27 kurz vor Degerloch geht der Verkehr voran, wenn auch zäh.

Statt 48 Minuten dauert die Fahrt mit dem X7 36 Minuten

Das sei auch eine Stunde früher nicht anders, berichtet Sebastian Hoffmann. Der Leinfeldener nutzt den neuen Bus jeden Morgen, mal etwas früher, mal etwas später. Vorher war er mit dem 77er-Bus gefahren. „Für mich macht sich die Zeitersparnis auf jeden Fall bemerkbar“, sagt er. Eine junge Frau, die anonym bleiben will, bestätigt das. Auf die ganze Strecke bezogen soll der im Halbstundentakt verkehrende X7 im Vergleich zum 77er zwölf Minuten sparen, statt 48 dauert es von Filderstadt nach Degerloch 36 Minuten.

Doch es gibt auch Kritik. Bei Facebook beklagen sich einige, dass der Bus den Stau verstärke. Viel Kritik erntet vor allem die Busspur, die die Stadt auf Höhe des Park-and-Ride-Parkhauses Albstraße eingerichtet hat und dem Bus eine reibungslose Durchfahrt zum ZOB garantieren soll. Dadurch steht für Autos eine Spur weniger zur Verfügung. Das führe zu zunehmendem Rückstau, kritisiert ein Kommentator auf Facebook. Der Stau reiche mitunter bis zum SI-Centrum. Zudem will er beobachtet haben, dass der Schleichverkehr durch Degerloch zunimmt. Eine Frau berichtet, der Bus stehe morgens und abends ebenfalls im Stau – mit den Autos zusammen. Das bestätigt Uli Demeter, der die Freien Wähler im Bezirksbeirat vertritt und die Situation beobachtet. „Wenn Sie, wie ich, jeden Tag über die Brücke der B 27 Richtung Neuer Friedhof fahren, können sie den Stau auf der B 27 genau einschätzen, mal stehend, mal kriechend – aber nie flüssiger Verkehr“, sagt er. Die Busspur habe das alles verschärft. Den von der SSB angekündigten Zeitgewinn des Schnellbusses bezweifelt Demeter. Sein Urteil ist eindeutig: „Unnötig wie ein Kropf“ sei die neue Linie.

Zu Stoßzeiten stehe der Schnellbus im Stau

Die Stuttgarter Straßenbahnen wollen sich zu den Auswirkungen der Busspur noch nicht äußern. „Eine belastbare Aussage ist angesichts der Schulferien und der vielen Feiertage seit Inbetriebnahme noch nicht zu machen“, sagt eine Sprecherin. Die Integrierte Verkehrsleitzentrale macht hingegen eine eindeutige Aussage: „Aus Sicht der IVLZ hat sich die Busspur im Bereich P+R Albstraße gut eingespielt“, sagt eine Sprecherin der Stadt. Die Umschaltung der Signalprogramme habe man mittlerweile optimiert. „Dadurch haben die Staus am Ortseingang von Degerloch, die vom hohen Pendlerverkehr herrühren, wieder das Normalmaß erreicht.“

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