Glückliche Direktorin: Cornelia Ewigleben vor dem Württembergischen Landesmuseum in Stuttgart Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Seit Jahren wird über den freien Eintritt in Museen diskutiert. Das Landesmuseum Württemberg macht nun vor, wie das gehen kann: Ein Jahr lang, von Januar bis Dezember 2018, ist der Besuch kostenlos.

Stuttgart - Seit einigen Jahren wird das Thema immer wieder diskutiert, nun schafft das Landesmuseum Württemberg Fakten: Im kommenden Jahr erhalten die Besucherinnen und Besucher freien Eintritt in die Schausammlungen im Alten Schloss, im Haus der Musik im Fruchtkasten und dem Römischen Lapidarium in Stuttgart sowie in das Museum der Alltagskultur in Waldenbuch. Möglich wird das durch das Engagement der Fördergesellschaft des Landesmuseums. Sie hat einstimmig beschlossen, die Eintrittsgelder gegenzufinanzieren, die dem Landesmuseum deshalb 2018 verloren gehen. Die Fördergesellschaft stellt 120 000 Euro zur Verfügung, ihr Erster Vorsitzender, der Unternehmer Reinhold Würth, steuert die restlichen 40 000 Euro bei.

„Das ist ein Meilenstein und ein großes Glück für unser Haus“, sagt die Direktorin Cornelia Ewigleben. Sie hält den freien Eintritt für ein wichtiges Signal, denn „99 Prozent der ausgestellten Exponate sind Eigentum des Landes“ und gehörten damit den Bürgerinnen und Bürgern, die die Museen über ihre Steuern finanzierten. „Deshalb ist es nicht nachvollziehbar, dass sie zusätzlich Eintritt zahlen müssen.“

Der kostenlose Eintritt in die Sammlung ist aber auch ein wichtiger Schritt bei den Bemühungen des Landesmuseums, sich zu öffnen. Kunst und Kultur seien „der Kitt, der uns zusammenhält“, so Ewigleben, deshalb solle jeder an Kultur teilhaben können – ohne Barrieren. Die Direktorin hält die Arbeit der Museen für ein wichtiges Instrument innerhalb der Bildungs- und Sozialpolitik. Das Landesmuseum werde nun „noch stärker ein Ort des städtischen Lebens“ werden. Auch Reinhold Würth ist überzeugt, dass der Schritt „zur Stadtkultur beitragen wird und sich die Zahlen verdoppeln werden“.

Bis 1995 war der Eintritt in die Museen in Baden-Württemberg frei

Statt wie bisher 5,50 Euro Eintritt zahlen zu müssen, so Ewigleben, könnten Besucher im nächsten Jahr auch spontan oder auch nur kurz auf einen Besuch vorbeischauen oder sich auch nur ein einzelnes Ausstellungsstück anschauen – wie früher schon. Denn neu ist der freie Eintritt im Landesmuseum Württemberg nicht. 1957, als viele Museen noch im Wiederaufbau steckten, setzte die Landesregierung das Gratisangebot bereits um. Vierzig Jahre lang waren die Sammlungen in Baden-Württemberg für die Bürgerinnen und Bürger kostenlos, erst 1995 „wurde der freie Eintritt zu Grabe getragen“, so Cornelia Ewigleben. Die Besucherzahlen seien danach um fast fünfzig Prozent zurückgegangen.

In den vergangenen Jahren ist das Thema wieder stärker in den Fokus gerückt, bisher hat sich die Landesregierung aber nicht dazu durchgerungen, die nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen. Wäre der Eintritt in alle Sammlungen der elf Landesmuseen frei, würde das zwischen zwei und zweieinhalb Millionen Euro kosten, schätzt die Kulturstaatssekretärin Petra Olschowski. Ihr ist es „ein Herzensanliegen“, die Museen stärker in die Gesellschaft zu öffnen. Der freie Eintritt sei dabei aber nur eine Möglichkeit, daneben brauche es noch Vermittlungsangebote, digitale Strategien oder Zusatzangebote. Auch seien die verschiedenen Museen nicht vergleichbar und hätten nicht alle Häuser Interesse an freiem Eintritt.

Dennoch will das Land genau beobachten, wie sich der freie Eintritt im Württembergischen Landesmuseum nun auswirkt „und wer davon profitiert“, so Olschowski. Für Cornelia Ewigleben geht es aber „nicht nur um mehr Besucher, sondern vor allem um kulturelle Teilhabe“. Es genüge nicht, die Türen zu öffnen, sondern man müsse die Menschen auch „in einen Dialog“ mit den Ausstellungen und Objekten bringen. Die Besucher dürften dabei nicht nur passive Konsumenten sein, sondern müssten sich aktiv einbringen können.

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