Der Liedermacher und Autor Wolf Biermann wurde 1976 aus der DDR ausgebürgert. Er sieht nun die Demokratie in Gefahr. Foto: dpa

Die große Unzufriedenheit vieler Menschen derzeit kann Wolf Biermann verstehen. Aber die aktuelle Form der Kritik am Staat findet der ehemalige DDR-Abweichler „hysterisch“.

Berlin - Demokratie ist für den deutsch-deutschen Liedermacher Wolf Biermann auch 30 Jahre nach dem Mauerfall „eine anstrengende und zugleich wunderbare Lebensform der Gesellschaft“. Deswegen sei sie seit der Antike immer wieder gefährdet, sagte Biermann der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vor Veröffentlichung seines Novellenbandes „Barbara“. Populismus etwa von Pegida oder Linken kotze ihn an. „Sie schlagen Kapital daraus, dass viele Menschen enttäuscht sind in dem falschen Hoffen, die Demokratie sei eine Idylle.“

Der 1976 aus der DDR ausgebürgerte Biermann verwies auf seine deutsch-deutsche Geschichte. „Ich habe in beiden Systemen gelebt und bin nicht nur als Tourist mal vorbeigekommen, um ein bisschen am Sozialismus zu lecken oder am Kapitalismus.“

Demokratie wird schlecht geredet

Die Unzufriedenheit in Teilen der ostdeutschen Bevölkerung kann Biermann verstehen. „Es wäre ein Wunder, wenn es nicht so wäre“, sagte der in Hamburg lebende 82-Jährige, „große gesellschaftliche Umbrüche gehen nicht so flott und nicht so flach.“ Doch: „Die allermeisten DDR-Menschen sind heilfroh, dass sie in der Freiheit endlich mal neue Probleme haben und nicht mehr die alten.“

Deutschland sei es noch niemals so gut wie jetzt gegangen. Doch Wohlstand und Demokratie würden schlecht geredet. „Was im Moment vor sich geht, empfinde ich als politische Hysterie. Ja, es gibt Probleme, wie immer im lebendigen Leben, aber deshalb darf man nicht unsere Lage und unser Land schlecht reden“, sagte Biermann.

  
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