Nicht nur in Berlin, sondern auch in Leinfelden-Echterdingen ist die Wohnungssuche für Familien zu einem zeitraubendem Hobby geworden. Foto: dpa/Jens Kalaene

Wenn Paare Kinder bekommen, wollen sie spätestens, bevor die Kleinen in die Schule kommen, ein ausreichend großes, aber bezahlbares Heim beziehen. Dieses Netz liegt bisher oft außerhalb von Leinfelden-Echterdingen. Wir erklären wieso.

Leinfelden-Echterdingen - Eigentlich ist die Lebenssituation für junge Familien in Leinfelden-Echterdingen nicht übel. Wer die Natur liebt, findet sie im Schönbuch und im Siebenmühlental. Wen es regelmäßig in die Stadt zieht, ist dank der guten Anbindung an den ÖPNV und das Straßennetz schnell in Stuttgart oder in Tübingen. Die Stadt biete eine hohe Lebensqualität, gute Freizeitmöglichkeiten, die Arbeitssituation in der Stadt sei sehr gut, lautet die Einschätzung junger Leute, die dort leben.

Der Stadt ist auch die Qualität in ihren Kindergärten wichtig. Um das Gute-Kita-Gesetz des Bundes umzusetzen, ist man bereit, noch in diesem Jahr das bestehende Personal in den städtischen Einrichtungen um 5,25 Stellen aufzustocken. Leinfelden-Echterdingen hat sich vorgenommen, Schulen zu erweitern und zu sanieren. Dennoch hat die Verwaltung nun Zahlen präsentiert, die zumindest nahe legen, dass offenbar viele Familien, deren Kinder kurz vor der Einschulung stehen, der Kommune den Rücken kehren. Unterm Strich haben städtische Mitarbeiter festgestellt, dass im Jahr 2019 insgesamt 60 Kinder mehr aus L.-E. weggezogen sind, als hergezogen.

Was sind die Gründe für den Wegzug?

Baubürgermeisterin Eva Noller sagt: „Viele junge Leute ziehen beispielsweise in die Neubauten des Echterdinger Nordens. Weil dort die Verkehrsanbindungen so günstig sind.“ Dann gründen sie eine Familie, bekommen ein, zwei Kinder. In diesem Gebiet wächst die Anzahl der Kleinkinder beständig, die Kommune baut einen Kindergarten nach dem anderen. „Spätestens aber, wenn diese Familien dann ein Eigenheim suchen, ziehen sie weg aus Leinfelden-Echterdingen.“

Die Familien finden ihr neues Domizil in der näheren Umgebung von L.-E. Sie bevorzugen ein Leben in Filderstadt, Ostfildern, Nürtingen, Sindelfingen oder auch Waldenbuch, rücken etwas weg vom Stuttgarter Speckgürtel. „Sie mieten oder bauen ihr Nest dort, wo der Wohnraum etwas günstiger ist“, sagt Manfred Kern, Leiter des Amtes für Schulen, Jugend und Vereine. „Man kann zumindest spekulieren, dass es einen Großteil raus aus dem Stuttgarter Ballungsraum zieht, weil es sich dort günstiger wohnen lässt“, sagt Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell. Denn befragt hat die Stadt diese Familien nicht.

Mitarbeiter des Amtes haben vielmehr unter Mithilfe des Einwohnermeldeamtes verglichen, wie viele Familien mit Kindern, die zwischen Januar 2012 und Ende 2019 geboren wurden, im Jahr 2019 nach Leinfelden-Echterdingen gezogen sind und wie viele weggezogen sind. Der Anlass: Ihnen war beim Erstellen der jährlichen Schülerzahlen-Prognose im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang der Kinder an sämtlichen Schulen der Stadt aufgefallen. Was aber nicht heißt, dass die beiden Echterdinger Grundschulen nicht mehr erweitert werden. Die Verwaltung treibt laut Bürgermeisterin Noller den Umbau der Zeppelinschule voran, bei der Goldwiesenschule hat man etwas Zeit gewonnen, um ordentlich zu prüfen, welche Lösung am besten für eine Erweiterung der Schule geeignet ist.

Ein paar Details aus dem Zahlenwerk: 239 Kinder sind im Jahr 2019 aus L.-E. weggezogen. Davon leben 31 mit ihrer Familie nun in Filderstadt, 20 in Stuttgart, zehn sind nach Ostfildern gezogen, sieben leben nun in Nürtingen, sechs in Sindelfingen, ebenfalls sechs in Waldenbuch und vier in Aichtal. 179 Mädchen und Jungen sind im gleichem Jahr Neubürger von Leinfelden-Echterdingen geworden, 65 davon haben zuvor in Stuttgart gewohnt, 13 in Filderstadt. 40 sind derweil aus unterschiedlichsten Ländern gekommen.

Was macht L.-E., um wohnungssuchende Familien zu halten?

Die Stadt Leinfelden-Echterdingen hat sich ein Handlungsprogramm Wohnen auferlegt. Bis 2030 sollen demnach 3000 Wohnungen errichtet werden – 2000 Neubauten, und 1000 als Ersatz für vorhandene, marode Wohnungen. Der Anteil von öffentlich geförderten Wohnungen in L.-E. soll bis dahin auf vier Prozent steigen. Für den Bau von Wohnungen sollen künftig Vergabekriterien gelten: „In Neubaugebieten wie den Schelmenäckern wird es 30 Prozent sozialen Wohnungsbau geben“, sagt Noller. Dort liegt die Miete dann 33 Prozent unter dem sonst üblichem Niveau. Es werden in dem Gebiet aber auch andere preisgünstigere Mietwohnungen angeboten. Die Stadt fördert Eigentumswohnungen, indem sie schaut, dass der Grundstückpreis nicht durch die Decke geht. Der Jugendgemeinderat fordert die Stadt derweil auf, eine städtische Wohnungsbaugesellschaft zu gründen.

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