Das ist der Böblinger Weg, der Wohnungsnot zu begegnen. Mit atemberaubendem Tempo baut die Stadtverwaltung neue Quartiere in der Innenstadt. Foto: factum/Simon Granville

ohnraum ist teuer, Wohnraum ist knapp. Um so allergischer reagieren Bürger, wenn sie mitbekommen, dass Wohnungen leer stehen. Aber wie hoch ist die Leerstandsquote im Kreis Böblingen wirklich?

Böblingen - An Zahlen zu leer stehenden Wohnungen ist schwer zu kommen. Die Stadt Herrenberg beispielsweise kann weder eine konkrete Zahl an Leerständen noch eine Leerstandsquote nennen. „Die bisher erhobenen Daten wurden noch nicht aufbereitet und plausibilisiert, so dass sie sich für eine Herausgabe und Veröffentlichung leider nicht eignen“, sagt Birgit Hamm von der Pressestelle.

Allerdings ist der Herrenberger Gemeinderat daran, dem Übel abzuhelfen. Er hat sich mit dem Thema schon 2017 im Zuge einer „Grundstücks- und wohnungsbaupolitischen Strategie“ beschäftigt, deren Evaluation und Fortschreibung aktuell vorbereitet wird. Dort ist vorgesehen, langfristig eine detaillierte Leerstands­erfassung sowie eine Leerstandspotenzialanalyse zu erstellen. Sie sind auch Gegenstand von Anträgen aus der Mitte des Gemeinderats.

Fehlanzeige in Sindelfingen und Böblingen

Fehlanzeige auch in Sindelfingen und Böblingen. Böblingen hat nur Zahlen aus dem Mikrozensus des Jahres 2011, da lag der Leerstand nach Auskunft der Pressestelle bei 3,3 Prozent. Sindelfingen lag damals bei 3,1 Prozent Leerstand und war damit unter dem Kreisdurchschnitt von 3,9 Prozent. Geht man von einer normalen Leerstandsquote von 2,5 bis drei Prozent aus, dann sieht man, dass im Landkreis praktisch kaum noch Potenzial vorhanden ist, leer stehende Wohnungen zu aktivieren.

Im Handlungskonzept „Wohnen 2025“ habe die Stadt Sindelfingen beschlossen, Umbauten zu erleichtern durch Änderungen im Bau- und Planungsrecht, Baulücken zu schließen und neue Quartiere zu planen, berichtet Silke Musleh von der Sindelfinger Pressestelle. Gerade bei der Planung hoffen die Kreiskommunen auf aktuelle Zahlen im neuen Mikrozensus, der im kommenden Jahr erhoben wird. Die Stadt Böblingen hat die Planungsphase hinter sich und baut gerade in rasantem Tempo und großem Stil Wohnungen in der Innenstadt, gemäß dem Motto des Oberbürgermeisters Stefan Belz, Menschen in die Stadt zu holen statt Autos.

Das Landratsamt unterstützt die Kommunen

Unterstützt werden die Gemeinden dabei vom Landratsamt Böblingen. Hier ist seit dem 1. Juli Thomas Schuler als „Wohnungs-Kümmerer“ tätig. Zurzeit baut er Arbeitsstrukturen und Kontakte zu Ministerien, Verbänden und Kooperationspartnern auf, spricht mit Experten und definiert Maßnahmen zur Qualitätssicherung und Nachhaltigkeit. Mitte September wolle Thomas Schuler dann in Wohnungsakquise gehen, teilt Rebecca Kottmann von der Pressestelle mit.

Für die Städte ist es ohnehin schwierig, Leerstände zu ermitteln. Die Standesämter hätten zwar Meldedaten, doch sei es schwierig, daraus Erkenntnisse über leer stehende Wohnungen zu gewinnen, berichtet etwa der Böblinger Oberbürgermeister Stefan Belz.

In anderen Kommunen ist das jedoch gelungen. Mit behördlicher Hilfe hat Albstadt-Ebingen im Zollernalbkreis einen pfiffigen Weg gefunden. Dort werden die Daten von Stromzählern ausgewertet, und zwar schon seit dem Jahr 2004, als die Stadt zusammen mit 16 anderen Kommunen Teil eines Modellprojektes des Bundesverkehrsministeriums zum Stadtumbau war. Die Erfahrungen in Albstadt-Ebingen und den anderen Pilotstädten zeigen, dass die örtlichen Versorgungsunternehmen mit verhältnismäßig geringem Aufwand kleinräumige Daten über Verbrauchswerte oder Abmeldungen von Stromzählern liefern können.

Stromzähler zeigen den Leerstand an

Nimmt man Abmeldungen von Stromzählern als Indikator für den Leerstand, gibt es allerdings dann Unschärfen, wenn Wohngebäude und Gewerbegebäude nicht getrennt sind und wenn die Wohnungsunternehmen die Stromzähler bei einem Leerstand nicht abgemeldet haben.

Dennoch verlässt sich Albstadt-Ebingen auf diese Analysen. Nach Auskunft der Pressesprecherin Sarah Braun werde die Leerstandsquote seit 2004 turnusgemäß erfasst und als Kennziffer für den Stadtumbau genutzt. Zuletzt geschah die Analyse im Jahr 2014.

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