Trümmer zeigen die Folgen der heftigen Explosion. Foto: Andreas Rometsch

Ein Mehrfamilienhaus in der Ludwigsburger Abelstraße wurde in der Nacht auf Donnerstag evakuiert. Die Brandursache ist noch ungeklärt.

Der Schrecken steckt den Anwohnern auch am Donnerstagmorgen noch in den Gliedern. Ein Großaufgebot von Feuerwehr und Polizei war in der Nacht zum Donnerstag in der Abelstraße im Einsatz. 70  Feuerwehrleute verhinderten eine Katastrophe. Unterstützt wurden die Einsatzkräfte der Feuerwehr Ludwigsburg von der Führungsgruppe der Kollegen in Freiberg und Kreisbrandmeister Andy Dorroch.

Ein Rauchmelder in einer Dachgeschosswohnung im Gebäude Nummer 38 hatte den Einsatz gegen 2.45 Uhr ausgelöst. Als die Einsatzkräfte vor Ort eintrafen, standen die Wohnung und der gesamte Dachstuhl bereits in Brand. Glück im Unglück hatte der 53 Jahre alte Bewohner der Dachgeschosswohnung. Er konnte sich zunächst auf das Dach und von dort aus auf das direkt angebaute Nachbargebäude retten. Ein bereits durch die Feuerwehr bereitgestelltes Sprungtuch wurde nicht benötigt. Der 53-Jährige wurde leicht verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Ein 57-jähriger Feuerwehrmann erlitt ebenfalls leichte Verletzungen.

Eine Gasflasche explodierte durch starke Hitzeentwicklung

Als während der Löscharbeiten durch die starke Hitzeeinwicklung eine Gasflasche im oberen Bereich des Hauses explodierte, gewann der Einsatz eine besondere Dramatik. Die Herausforderung sei die Brandbekämpfung des Dachstuhles auf der Gebäuderückseite gewesen, berichtet Kommandant Jochen Reuschle. „Es konnte keine Drehleiter eingesetzt werden. Außerdem musste die Wohnung noch nach eventuellen vermissten Personen abgesucht werden.“

Durch die Explosion der Gasflasche sei schlagartig Wärme freigesetzt worden und darüber hinaus habe das Feuer in Bruchteilen von Sekunden zugenommen. Außerdem mussten seine Leute kurz nach dem unvorhersehbaren, ohrenbetäubenden Knall mit umherfliegenden Trümmerteilen rechnen.

Die Erste Bürgermeisterin Renate Schmetz wurde, nachdem der Brand unter Kontrolle war, kurz nach 4 Uhr von der Feuerwehr alarmiert. Denn nicht nur das Gebäude Nummer 38 musste geräumt werden. Auch die Bewohner aus den beiden Nachbargebäuden wurden von den Feuerwehrleuten aufgefordert, sich schnell vom Brandort in Richtung Asperger Straße zu entfernen. „Wir wussten nicht, ob es eine weitere Explosion geben wird“, erklärt Renate Schmetz.

Die Bewohner sind unter anderem in Obdachlosenunterkünften untergebracht

77 Menschen waren von der Evakuierung betroffen. Für sie wurde ein Zelt aufgestellt. Auch Seelsorger waren vor Ort. Außerdem fanden sie in Bussen des Landkreises, die während der Coronapandemie angeschafft wurden, Zuflucht. In den Bussen wurden sie versorgt und medizinisch betreut. Die Bewohner der beiden Nachbargebäude konnten am frühen Donnerstagmorgen wieder in ihre Häuser zurück. Allerdings hatten sie zunächst weder Wasser noch Strom.

Von den 25 Personen, die im vierstöckigen Gebäude Nummer 38 gewesen waren, als der Brand ausbrach, fanden acht bei Freunden und Familie einen Unterschlupf. Die anderen 17 sind in Obdachenlosenunterkünften in der Teinacher Straße sowie im Riedle untergebracht und werden dort von einer Sozialarbeiterin betreut. Schmetz weiß: „Es ist eine ganz schwierige Situation für die Menschen, darunter auch Familien mit Kindern. Wir brauchen dringend Wohnraum für sie, aber bezahlbaren Wohnraum auf Transferleistungsniveau.“

Es dauert Monate bis die Bewohner zurück in ihre Wohnungen können

Bis die Betroffenen wieder in ihre Wohnungen zurückkönnen, wird es wohl Monate dauern, sagt Renate Schmetz. „Das Dach ist offen, die giftigen Gase müssen raus, es muss alles trocknen, eingeschlagene Türen müssen ersetzt werden und zu guter Letzt muss ja dann auch die Statik geprüft werden.“

Der Schaden am Haus wird auf etwa 500 000 Euro geschätzt. Mehrere in der Nähe geparkte Fahrzeuge wurden ebenfalls beschädigt. Genauere Angaben können momentan nicht gemacht werden, so die Polizei. Die Brandursache ist ebenfalls unklar. Die Ermittlungen dauern an.