Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Aus den Patientenzimmern des ehemaligen Bürgerhospitals will die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft 134 Wohnungen machen. Die unter Denkmalschutz stehende Fliesenfassade am Gebäude kommt weg.

S-Nord - Die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) und der Denkmalschutz sind sich einig geworden: In der Sitzung des Bezirksbeirats Nord stellte Helmuth Caesar, Technischer Geschäftsführer der SWSG, die Pläne für den Bettenbau des ehemaligen Bürgerhospitals vor: In dem Gebäude sollen 134 moderne Wohnungen entstehen. Die Fassade soll durch Balkone aufgewertet werden. Die denkmalgeschützte Fliesenfassade wird jedoch nicht erhalten.

Der Bettenbau, der als achtgeschossiges Hochhaus in den späten 50er Jahren gebaut wurde, stand bislang unter Denkmalschutz – auch und vor allem wegen seiner Fassade aus weißen Fliesen an der Nordseite. Er war das erste Krankenhaus im Südwesten mit Zwei-Bett-Zimmern. Wichtiges Kriterium für die SWSG dort zu investieren war, dass das Gebäude aus dem Denkmalschutz genommen wird. In Absprache mit den Denkmalschützern will die SWSG, eine hundertprozentige Tochter der Stadt, das attraktive Treppenhaus und das gewellte Dach erhalten. „Die Fliesenfassade soll durch einen mineralischen Verputz ersetzt werden“, stellte Caesar fest. Dem habe die Denkmalschutzbehörde auch deshalb zugestimmt, weil die Fliesen nach und nach abfallen und durch Hinterklebung nicht sicher angebracht werden könnten. Caesar: „Aus Gründen der Authentizität will die Denkmalschutzbehörde sie aber auch nicht durch neue Fliesen ersetzen.“

Ein Abriss des Gebäudes steht nicht zur Diskussion

Bis Ende des Jahres will die SWSG ihre Pläne für das Bettenhaus als Förderprojekt beim Land einreichen. Baubeginn soll Ende kommenden Jahres sein. Allerdings sollen nicht alle 134 Wohnungen Sozialwohnungen werden. „Wir wollen auf dem Areal eine soziale Durchmischung haben“, sagte Caesar und ist überzeugt, dass „uns die Wohnungen in einer so hervorragenden Lage aus den Händen gerissen werden“ – zumal durch Umbau und Sanierung Neubaustandard erreicht werden soll. Noch nicht fest steht, wie hoch der Anteil der Sozialwohnungen sein wird. Die Rede im Bezirksbeirat war von etwa 50 Prozent.

Außer Standardwohnungen für ein bis zwei Personen mit Küche, Wohn- und Schlafbereich sowie innen liegendem Bad soll im Garten- und im Erdgeschoss des Bettenbaus jeweils eine Kindertagesstätte mit drei Gruppen eingerichtet werden sowie ein Familienzentrum. Der vom Bezirksbeirat gewünschte Bürgersaal könne hingegen nicht untergebracht werden, da das Gebäude damit „überfrachtet“ wäre.

Die Diskussion im Bezirksbeirat machte sich vor allem am Wegfall der Fliesenfassade fest: Ob es nicht sinnvoller wäre, den gesamten Bau abzureißen, wenn die Fliesen nicht erhalten würden, wollte Hans-Christian Wieder (CDU) wissen und fürchtet, dass es im ehemaligen Bettenbau zwei Klassen von Mietern geben könnte: „Die auf der Sonnenseite zum Park hin und die auf der Schattenseite nach Norden raus.“ Die gleiche Frage beschäftigt auch Jürgen Klaffke (SÖS/Linke-plus), der aber feststellte, dass die Pläne im Großen und Ganzen gut seien.

Wolfgang Schneider (CDU) wies darauf hin, dass den Charme des Baus aus den 50er Jahren gerade die Fliesenfassade ausmacht. „Heute würde ja auch niemand mehr das Neue Schloss abreißen“, argumentierte er für einen Erhalt der Fassade und stellt den Erhalt des Gebäudes ohne die Fliesen ebenfalls in Frage. Sein Parteikollege Timo Haug stellte klar: „Das ist beschlossene Sache, selbst wenn wir noch 20 Stunden diskutieren.“

Ein Abriss des Gebäudes habe bei den Gesprächen mit dem Denkmalschutz zu keiner Zeit zur Diskussion gestanden, stellte Caesar fest und wies auf ein Gutachten hin, „das belegt, dass sich die Fliesen nicht halten lassen“. Außerdem ist er der Meinung, dass die Fliesen nur für Fachleute von Bedeutung sind. „Wer nicht Experte ist, erkennt nicht, dass das Gebäude ohne die Fliesen nachlässt“ , so Caesar. Nach Abschluss von Umbau und Sanierug nach Plänen des Stuttgarter Architektenbüros ARP soll der Komplex zwar an den Baustil der 50er Jahre erinnern, durch die „weiß strahlende freundliche Fassade und die weißen Balkone“ aber zeitlos schön sein. „Es wird Pilotprojekt mit Aha-Effekt, und wir werden das hin bekommen“, ist Helmuth Caesar überzeugt.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: