Der neue Mietspiegel tritt am 1. August in Kraft und ist in den Rathäusern und im Internet erhältlich. Foto: Patricia Sigerist

Der neue, qualifizierte Mietspiegel in Fellbach tritt an diesem Donnerstag in Kraft. Für die Baudezernentin Beatrice Soltys ist er „kein Instrument der Mieterhöhung“. Die Datensammlung zeigt die Marktlage: gestiegene Mieten.

Fellbach - Fellbachs Baubürgermeisterin Beatrice Soltys hat es klar ausgesprochen: „Grundsätzlich ist der Mietspiegel kein Instrument der Mieterhöhung, sondern er gibt die derzeitige Marktlage wieder.“ Mehr als Transparenz und Entscheidungshilfe kann auch vom neuen, jetzt qualifizierten Mietspiegel in Fellbach nicht erwartet werden, schon gar nicht, dass die Stadtverwaltung damit die verlangten Mieten steuern könnte. „Aber wir haben jetzt mehr Sicherheit für Mieter und Vermieter“, kommentierte Stadtrat Franz Plappert (CDU), als das Gremium der Bürgervertreter mit dem neuen Mietspiegel vertraut gemacht wurde. Das neue Zahlenwerk tritt am 1. August in Kraft und ist in den Rathäusern und im Internet erhältlich.

Das Ergebnis hat gezeigt, dass der eigene qualifizierte Mietspiegel seine Vorteile hat

Vergleichbar mit den Vorgängern, die sich allesamt am Stuttgarter Spiegel orientierten, ist das neue Zahlenwerk nicht mehr. Denn erstmals hat sich ein Gutachter mit Befragungen einen Überblick über den Wohnungsmarkt in Fellbach verschafft. Beamte in der Stadtverwaltung haben aber einige Mietobjekte der vergangenen Jahre verglichen und sind auf ein interessantes Ergebnis gekommen. Demnach sind die Mieten in Stuttgart im Schnitt um 7,2 Prozent in den vergangenen zwei Jahren gestiegen, in Fellbach sind die Mieten im gleichen Zeitraum um etwa 3,5 Prozent höher geworden.

Das Ergebnis hat gezeigt, dass der eigene qualifizierte Mietspiegel seine Vorteile hat. Vermieter und Mieter können sich beim Vertragsabschluss an einer günstigeren Marktlage orientieren, als wenn sich die Stadt wiederum an Stuttgart angehängt hätte. Die Stadtverwaltung hat 16 000 Euro nach Abzug von Landeszuschüssen für den Mietspiegel bezahlt.

Die jetzt erhobenen Daten weisen nach, dass es eine große Spannweite gibt

Schon zuvor hatten Interessengemeinschaften der Mieter und Vermieter die Stadt darauf hingewiesen, dass die tatsächlichen Abschlüsse an Mietverträgen oft gegenüber dem alten Mietspiegel nach unten abwichen. Dieser hat somit weder das Mietpreisgefüge in der Stadt noch die ortsübliche Vergleichsmiete ganz korrekt widergespiegelt. Die jetzigen Daten sind dagegen statistisch belegbar. Dass Fellbach bei den Mieten mittlerweile zu den 20 teuersten Städten in der Bundesrepublik gehört, wie sich vor kurzem herausgestellt hat, ist davon unberührt.

Da die Landesregierung für die Stadt Fellbach eine Mietpreisbremse ausgesprochen hat, dürfen bis zum 30. Juni 2020 Mieten innerhalb von drei Jahren um nicht mehr als 15 Prozent erhöht werden. Dies gilt allerdings nur, wenn der Mietspiegel dies zulässt.

Die jetzt erhobenen Daten weisen nach, dass es eine große Spannweite gibt, was auf dem Wohnungsmarkt verlangt und bezahlt wird. Sie reicht von 7,23 bis 15,82 Euro pro Quadratmeter. Das zeige, „dass die Vermieter den rechtlichen Rahmen nicht ausreizen“, schreibt die Stadtverwaltung in ihrer schriftlichen Vorlage zum Thema.

Anders als in der CDU-Fraktion überwog in den weiteren Stellungnahmen im Gemeinderat die Kritik

Der neue Fellbacher Mietspiegel erfordert, die ortsübliche Vergleichsmiete in zwei Schritten abzulesen. Zuerst wird eine Art Basismiete aus einer Tabelle je nach Wohnfläche und Baujahr abgelesen. In dieser Tabelle zeigt sich, dass in fast allen Jahrgangsklassen in kleinen Single-Wohnungen etwas höhere Quadratmeterpreise verlangt und auch bezahlt werden als in den Drei- und Vier-Zimmer-Wohnungen. Im Bereich der Wohnungen zwischen 30 und 35 Quadratmetern beginnt die Preisgestaltung bei 9,30 Euro pro Quadratmeter für die Baujahre bis 1945 und reicht bis zu 11,38 Euro für Herstellungsdaten von 2013 bis 2018. Dagegen schwanken die Mieten für Wohnungen in der Größe von 90 bis 115 Quadratmetern zwischen 7,30 Euro und 8,92 Euro pro Quadratmeter. Anschließend sind noch die Wohnmerkmale zu bestimmen, wie die Heizung, die Bodenbeläge, der Balkon, Modernisierungen und die Lage, für die jeweils Zuschläge oder Abschläge eingerechnet werden.

Anders als in der CDU-Fraktion überwog in den weiteren Stellungnahmen im Gemeinderat die Kritik. Andreas Möhlmann (SPD) sah „viele Daten, aber kaum größere Erkenntnisse“. Er fragte: „War dies den Aufwand wert?“ Peter Treiber (FW/FD) kritisierte die Darstellung im neuen Mietspiegel: „Für mich als Benutzer war das früher einfacher. Man sieht aber, dass die Mieten steigen.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: