Die Bewohner des Asemwaldes schätzen unter anderem die Lage der Wohnanlage, eingebettet in Wald, Wiesen und landwirtschaftliche Flächen Foto: Archiv/ Judith A. Sägesser

Sieglinde Stäbler, Asemwald-Bewohnerin der ersten Stunde, schätzt das Wohnen in der Hochhausanlage auch nach 50 Jahren noch. Im Interview erzählt sie aber auch, was sich aus ihrer Sicht verbessern ließe.

Stuttgart - Im kommenden Jahr feiern die Hochhäuser im Asemwald ihren 50. Geburtstag. Sieglinde Stäbler gehörte zu den Ersten, die damals eingezogen sind. Sie wohnt immer noch dort und will auch nicht mehr weg.

Frau Stäbler, wann sind Sie im Asemwald eingezogen?

Wir sind schon 1969 als erste Familie ins Musterhaus eingezogen. Mein Mann war damals der erste Hausmeister dort.

Wie war Ihr erster Eindruck vom Asemwald?

Es war eine Riesenbaustelle. Außer dem Block B im Rohbau gab es noch nichts. Die Blöcke C und A waren überhaupt noch nicht da. Jeden Abend hatten wir als Familie fünf Paar Gummistiefel vor der Tür, weil es noch keine befestigten Wege gab. Dann sind viele nette Menschen eingezogen, und es ist zusätzliches Leben auf die Baustelle gekommen. Das war eine schöne Zeit.

Und wie hat Ihnen die Anlage gefallen, als sie fertig war?

Es wurde langsam eine Stadt – zunächst ohne Einkaufsmöglichkeit, denn das Einkaufszentrum kam ja später. Später sind wir dann aus der Musterwohnung in unsere Eigentumswohnung in Block C gezogen, und mein Mann hat sich beruflich verändert.

Warum sind Sie danach im Asemwald geblieben?

Wir hatten zuvor bei Herrenberg gewohnt, und als wir damals die Werbung für den Asemwald im Fernsehen gesehen haben, habe ich zu meinem Mann gesagt: „Oh, da könnten wir doch wieder hinziehen.“ Denn ich bin geborene Stuttgarterin. Dann hat er sich als Hausmeister beworben, ist genommen worden, und so sind wir im Asemwald gelandet. Ich habe es keine Stunde bereut – bis heute nicht. Ich wohne nach wie vor gerne hier.

Was schätzen Sie an der Anlage?

Man kann, wenn man will, Freundschaften oder Bekanntschaften knüpfen. Man kann aber auch anonym bleiben. Und wenn man nicht gerade in der Wohnung sitzt, und das Ohr an die Wand hält, kann man hier sehr ruhig leben. Die Aussicht vom 19. Stock ist natürlich sowieso toll. Auch das Einkaufen ist ideal, wir haben ja alles hier: Edeka, Bäcker, Gemüseladen, Schwimmbad. Wenn man alt wird, ist das sehr gut: Sie können Ihre Getränke mit dem Einkaufswagen holen und damit bis zur Wohnung fahren. Und in ein paar Minuten ist man mit dem Bus in Degerloch, Birkach oder Plieningen.

Und was vermissen Sie?

Das Einzige, was ich vermisse, ist mein Garten. Aber alles kann man ja nicht haben. Und ein Problem ist: Wir haben zu viele Hunde hier.

Sind deren Häufchen ein Problem?

Nein, da wird sehr aufeinander aufgepasst. Inzwischen sieht man nicht mehr viele. Die Leute achten sehr darauf, dass es sauber bleibt.

Was hat sich sonst in den letzten 50 Jahren im Asemwald verändert?

Die Bevölkerung hier ist im Durchschnitt viel älter. Früher wohnten im Asemwald vorrangig junge Familien, und jetzt sind viele Bewohner mit Rollatoren oder Rollstühlen unterwegs. Ich selbst bin ja auch alt – und ich werde den Asemwald nur mit den Füßen voraus verlassen.

Was wünschen Sie sich vorher?

Dass das Birkacher Feld nicht bebaut wird. Es wäre mein größter Wunsch, dass die paar Quadratmeter grün bleiben. Ich sehe gerade vom Balkon aus zwei Pferde auf der Weide. Morgens kräht der Hahn, und man hört die Hühner und die Gänse. Wir leben im Asemwald praktisch auf dem Land, eingebettet vom Wald und von der Landwirtschaft, und das ist wunder-, wunderschön.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: