500 Meter Platz hat der Wochenmarkt an seinem neuen Ort. Die Marktbeschicker sind mit der Situation eher unzufrieden, die Kunden noch unentschlossen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Der Stuttgarter Wochenmarkt ist jetzt vollständig auf die Königstraße gezogen, da der Marktplatz für 12,6 Millionen Euro saniert wird. Das sorgt für Unmut bei manchen Händlern.

Stuttgart - An diesem Dienstagmorgen ist die Königstraße nicht von Menschen überlaufen. Ganz im Gegenteil: Die Corona-Mindestabstände können zwischen den Marktständen gut eingehalten werden. Der Baulärm von Renovierungsarbeiten in den Geschäften der Einkaufsstraße übertönt die Gespräche zwischen Marktbeschickern und Kundschaft an den Ständen mit regionalem Obst, Gemüse und Blumen.

Hier wird der Stuttgarter Wochenmarkt Mitte bis mindestens Anfang 2022 stattfinden. Der Grund: Der alte Marktplatz wird saniert. Schon zu Beginn der Corona-Pandemie ist ein Teil des Wochenmarktes auf die Königstraße umgezogen, um größere Abstände und mehr Platz zu ermöglichen. Seit Dienstag ist der Wochenmarkt nun komplett in der Fußgängerzone.

„Wir haben Corona-Auflagen von der Stadt Stuttgart, dass wir zwei Meter Abstände zwischen den Marktständen einhalten müssen“, sagt Dieter Ulmer, Marktaufsicht der Stuttgarter Wochenmärkte. Und zumindest platztechnisch scheint es zu funktionieren. Auf rund 500 Metern Länge sind fast alle der 35 Marktbeschicker mitgezogen. Einige von ihnen sind noch im Urlaub. Geweigert habe sich aber niemand, so Ulmer.

„Manche kommen auch gar nicht mehr“

„Man kann ja nichts dagegen machen“, sagt Dietmar Kurrle. „Es ist ungemütlich. Das macht doch das Flair aus, dass man schlendert“, beklagt der Obst- und Spirituosenhändler die neue Situation auf der Königstraße: „Und bis viertel nach neun war noch nicht mal ein Drittel der gewohnten Kundschaft da.“

Er ist auch skeptisch, ob die Sanierung des Marktplatzes sinnvoll ist. Seine Befürchtung: Die verbesserte Infrastruktur und die technischen Veränderungen würden den Platz attraktiver für andere Nutzungsformen machen. In der Folge müsste der Markt deutlich häufiger umziehen. „Für Stammkunden ist es schwierig, uns hier zu finden“, beschwert sich auch Gabriele Zimmerle. Die Wein- und Obsthändlerin sagt, auf dem gewohnten Marktplatz sei alles kompakter gewesen. Jetzt könne man nur vom Anfang bis zum Ende durchlaufen. Gemütlich Schlendern würden die Besucher nun nicht mehr.

„Manche kommen auch gar nicht mehr“, sagt Ruth Kleinmann. Die Blumenhändlerin denkt, dass vor allem die älteren Marktbesucher es nun schwer haben. „Zwei Haltestellen sind zum Laufen zu weit. Ich denke, dass es schlechter wird“, sagt die Marktbeschickerin, die schon seit fast 50 Jahren auf den Stuttgarter Wochenmärkten arbeitet.

„Ich finde meine Stände nicht mehr“

Die Kunden hingegen sind sich uneinig, wie sie den umgezogenen Markt wahrnehmen. Eine Stuttgarterin sagt: „Man kann sich hier entzerren.“ Vor dem Hintergrund der Pandemie sei dies gut. Sie müsse nun aber viel laufen, um einzukaufen.

„Auf dem Marktplatz wussten wir wo alles ist“, sagt Johanna Hurter. „Hier ist alles weg. Ich finde meine Stände nicht mehr“, klagt die Stammkundin nach dem Einkauf einer großen Kiste Pflaumen. Positiv sei aber, dass der Markt an sich bestehen bleibe: „Er ist einer der besten Märkte Deutschlands.“ Vor allem die Regionalität der Lebensmittel sei ihr wichtig. „Die Händler müssen bestehen bleiben“, findet die Marktbesucherin.

„Klagen gibt es immer“, sagt Dieter Ulmer. Mit einem Lageplan auf Broschüren und im Internet wird versucht, möglichst viele Informationen zur Verfügung zu stellen, wo nun welcher Stand auf dem Markt zu finden ist. Und mit Blick auf die Sanierung findet der Aufseher der Wochenmärkte: „Wir kriegen einen schönen Marktplatz mit Strom.“

Insgesamt 12,6 Millionen Euro soll der Umbau kosten. Granitsteinpflaster wird den Platz zwischen Hirsch-, Schul- und Kirchstraße füllen. Geplant sind außerdem ein neues Fontänenfeld und ein Trinkwasserbrunnen. Der historische Marktbrunnen wird abgebaut, restauriert und ebenerdig wieder aufgestellt.

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