Weihnachtsstimmung beim Konzert von Within Temptation in der MHP-Arena Foto: Jenkner

Mehr symphonisch als metallisch: Die Symphonic-Metal-Band Within Temptation hat in der ausverkauften MHP-Arena eher auf Melodien als auf Härte gesetzt.

Ludwigsburg - Was hören Freunde härterer Klänge in der besinnlichen Zeit des Jahres besonders gerne? Natürlich ist auch der Symphonic Metal eine Ganzjahresware, aber in den Wochen vor Weihnachten ist dieses gehaltvolle und mit tüchtig musikalischem Süßstoff bestäubte Subgenre des Metal ein Tick präsenter als sonst. Kürzlich erst rockte das finnische Ensemble Nightwish in einer quasi ausverkauften Schleyerhalle, am Sonntagabend sorgten die niederländischen Kollegen von Within Temptation für eine ebenso rappelvolle MHP-Arena in Ludwigsburg.

Auch „Resist“, das neue, inzwischen siebte Studioalbum der Band um die Sängerin Sharon den Adel, soll in diesen Tagen erscheinen, und es nimmt während des knapp zweistündigen Auftritts reichlich Raum ein. Gleich zwei Songs daraus bilden den Auftakt eines Programms, das mit einem heldenhaften Einmarsch unter dem Motto „Raise the Banner“ etwas übertrieben thea­tralisch eröffnet wird. Als wär’s eine kostbare Trophäe, präsentiert die in eine weiße Kutte gehüllte Frontfrau den Fans eine Flagge mit dem Bandlogo. Anschließend prägt Martijn Spierenburg mit weitläufigem Keyboardspiel die weitere Gangart, bisweilen holt er gar fast schon popnahe Motive aus den Tasten –„The Reckoning“ etwa, die erste Single aus „Resist“, könnte auch zur Primetime im Mainstreamradio laufen. Auch das folgende „Endless War“ klingt eher nach opulentem Keyboard-Rock als nach Metal und läutet ein Konzert ein, das seinem Genre alle Ehre macht, aber eher das Symphonische als das Metallische betont.

Sharon den Adel überzeugt als resolute Vokalistin mit Charisma

Natürlich entfesseln die drei Saitenmänner der Band, die Gitarristen Robert Westerholt und Stefan Helleblad sowie der Bassist Jeroen van Veen, noch eine durchaus eindrucksvolle Wand aus Riffs und Licks. Der Schlagzeuger Mike Coolen trommelt hingegen zwar wuchtig, agiert aber trotz doppelter Bassdrum meist im mittleren Drehzahlbereich, und Sharon den Adel verkörpert dazu mit ihrem Zweieinhalb-Oktaven-Sopran eine dem Schönklang verpflichtete Frontfrau – und eine selbstbewusste, überaus resolute Vokalistin, die ihren Begleitern viel eigenes Charisma entgegenzusetzen weiß.

Zu synthetischen Streichern, aus dem Off eingespielten Chören und schweren Gitarren geht es so durch weitere Songs von „Resist“ sowie durch bewährte Bandklassiker wie „Stand My Ground, „Shot in the Dark“ und „What have you done“. Die „Ice Queen“ vom 2000er-Erfolgsalbum „Mother Earth“ wirkt in einer etwas ereignislosen Akustikversion allerdings fast verschenkt, und auch einige weitere der eleganten Gitarrensoli hätte dieses Konzert noch gut vertragen können. Eine Headbanger-freie Zone bleibt die MHP-Arena also, und doch erfüllt der konventionelle Auftritt die Erwartungen der Fans vollauf. Mit einem Smartphone-Feuerwerk begleiten sie die Balladen, feiern mit geballten Fäusten die flotteren Songs und eine Show ohne Extravaganzen – ehe im Zugabenblock doch noch ein Hauch großes Kino aufkommt. Ihr schwarzes Kleid hat Sharon den Adel nun gegen ein mintgrünes ­Wallegewand getauscht, zwei Seilzüge liften sie hoch über die Köpfe der 3800 Fans und lassen sie wie einen Weihnachtsengel unterm Hallendach schweben.

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