Wo 125 Jahre lang die Rose stand, klafft nun eine Baugrube in Stuttgart-Riedenberg. Foto: Holowiecki

Das ehemalige Wirtshaus Rose in Stuttgart-Riedenberg ist abgerissen worden. Das Grundstück ist verkauft und soll im kommenden Jahr neu bebaut werden. Ein Restaurant ist dort nicht vorgesehen.

Riedenberg - Im Internet kann man noch in der Speisekarte schmökern und sich Appetit auf Käsespätzle, Filderrostbraten und Cevapcici holen. „Gaststätte zurzeit geschlossen“, steht auf der Homepage des Riedenberger Wirtshauses Rose, ganz so, als sei eine Wiedereröffnung an der Eichenparkstraße 12 absehbar. Dabei klafft dort, wo vor Kurzem noch die rund 125 Jahre alte Gaststätte stand, ein großes Loch. Ein Kran hievt auf einem anderen Grundstück dahinter Teile für ein Fertighaus in eine Baugrube. Erst später soll eine Neubebauung die Lücke schließen.

Ein Restaurant wird es an dieser Stelle nicht mehr geben, sagt Rolf Schmid für die Firma Steigerwald Wohnbau aus Kemnat, die das Grundstück gekauft hat. Ob es ein zusammenhängendes Gebäude oder zwei getrennte Baukörper entstehen werden, sei noch nicht abschließend geklärt, „wir können aber bestätigen, dass wir auf dem Grundstück eine reine Wohnnutzung vorgesehen haben und mit der Bebauung des Grundstücks im Frühjahr 2018 beginnen wollen“, sagt er.

Die Rose war ein beliebtes Ausflugslokal

Mit dem Abriss des alten Gebäudes endete eine Ära in Riedenberg. Der erste Rosen-Wirt, Johann Adolf Hermann, ein amtlicher Polizeidiener und Gemeindepfleger, eröffnet die Gaststätte um 1891, ist in der Schrift zum 50-Jahr-Jubiläum des OGV Riedenberg zu lesen. 1897 kam Paul Kugel aus Sillenbuch mit einer Backstube im Untergeschoss dazu und übernahm die Wirtschaft gleich mit. Als Ort für Ausschusssitzungen und dank der Kegelbahn war die Rose stets eng mit dem Vereinsleben verquickt. Wechsel gab es, dem Ansehen des Lokals schadeten sie aber nicht.

Einer, der wehmütig zurückdenkt, ist Thomas Strohm (66), der mit seiner Familie Anfang der 50er Jahre gegenüber in den damaligen Neubau gezogen war. „Da habe ich für meinem Vater am Wochenende immer ein Krügle Most geholt. Der kam aus dem Keller neben der Bäckerei. Ich war immer erstaunt, wenn der Wagen mit den großen Fässern vorgefahren ist und ein dicker Schlauch in den Keller gezogen wurde“, weiß er noch. Von weit her seien die Leute zum Mosttrinken gekommen. „Das war das Ausflugslokal nach dem Krieg“, weiß Richard Hermann, ein Verwandter des früheren Wirts Paul Hermann, der die Rose in der Nachkriegszeit führte und für seinen Bratbirnenmost berüchtigt war. In den letzten Jahren sei die Rose für ihren Biergarten berühmt gewesen.

Eine Einkehrmöglichkeit gibt es jetzt nicht mehr

An die Bäckerei hat Thomas Strom intensive Erinnerungen – vor allem zu Ostern. „Wochen vorher lagen auf der Treppe zu Wirtschaft die Metallformen mit den Rahmhasen zum Trocknen. Wir bekamen dann immer vom Bruch, der dabei anfiel, etwas ab.“ Und auch für die Fondanteier sei die Bäckerei bekannt gewesen. Er muss daran denken, dass auch sein erstes „Telefon“ zur Rose geschaltet war. „Mein Freund Werner spannte von seinem Zimmer gegenüber eine Schnur zum Sohn des Wirtes, und an den Enden waren Blechdosen befestigt. Das hat gut funktioniert, wir verstanden jedes Wort über die Straße weg.“

Im Winter versuchten die Kinder aus dem Dorf, mit Schneebällen übers Dach zu werfen. Einmal musste eine Backstubenscheibe dran glauben. „So schnell war ich nie mehr in der Wohnung“, sagt Thomas Strohm. Er hat diese und andere Erinnerungen für sich niedergeschrieben. Auch Fotos hat er gesammelt, die prägnante Stationen seiner Kindheit in Riedenberg markieren. Eines zeigt ihn als etwa sechsjährigen Bub, der beim Festzug direkt an der Rose vorbeimarschiert. Am Hosenbund steckt ein Holzschwert, das sein Vater geschnitzt hat. „Tempus fugit“, sagt er, „die Zeit geht weiter“. Auch in Riedenberg. Eine Einkehrmöglichkeit gibt es dort nun nicht mehr. Das Waldhorn existiert schon lang nicht mehr, auch das geschlossene Rössle soll für eine Neubebauung abgerissen werden.

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