Peter Altmaier fordert BMW und Daimler zur intensiven Zusammenarbeit auf. Foto: dpa

Vor dem „Spitzengespräch zur Zukunft des Automobilstandorts Deutschland“ kündigt Wirtschaftsminister Altmaier im Interview eine umfangreiche Batterieproduktion, mögliche Hilfe für Zulieferer und eine Wasserstoffstrategie an. Von den Fahrzeugherstellern fordert er ebenfalls Taten.

Berlin - Die Bundesregierung will Weichen für den Erhalt der Arbeitsplätze in der Autoindustrie stellen. Kanzlerin Angela Merkel hat deshalb zu einem „Autogipfel“ an diesem Montagabend eingeladen. Deutschlands wichtigste Industriebranche steht angesichts von Klimaschutzmaßnahmen und der Digitalisierung vor einem doppelten Wandel.

„Wir wollen beim Autogipfel mit Herstellern und Zulieferern über unsere Erwartungen aneinander sprechen – und daraus einen gemeinsam getragenen Zukunftsplan entwickeln, der auch tatsächlich umgesetzt wird“, sagt Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) im Interview mit unserer Zeitung. „Unser primäres Ziel muss sein, den größten Teil der Arbeitsplätze zu erhalten.“ Der Wegfall von Jobs in bestimmten Bereichen könne durch Batteriehersteller oder Mobilitätsdienstleisterder Zukunft ausgeglichen werden.

Die großen Player schließen sich zusammen

Der Minister kündigte vor dem Treffens an, dass insgesamt drei Verbünde seiner deutsch-französischen Initiative zum Aufbau einer Batterieproduktion für Elektroautos folgen: „Ein Konsortium um Opel, Peugeot und die Total-Tochter Saft hat sich bereits gebildet, zwei weitere stehen kurz davor, sich für den Aufbau von Batterieproduktionsstätten zu entscheiden.“ 2022 solle es losgehen – doch muss die EU-Kommission die Subvention von einer Milliarde Euro genehmigen. Das soll laut Altmaier bis Jahresende der Fall sein. Die Ansiedlung sei für den Autostandort „von überlebenswichtiger Bedeutung“.

Zu den Zukunftsplänen gehört dem Minister zufolge auch, überschüssigen Strom aus Windkraft- und Solaranlagen in Gas umzuwandeln, dass in Fahrzeugen zum Einsatz kommen kann. „Wir entwickeln gerade auch eine Wasserstoffstrategie, damit wir erneuerbare Energien besser speichern und zum Beispiel auch im Verkehrssektor stärker nutzen können.“

Die EU muss mitspielen

Angesichts des Strukturwandels berät die Regierung über finanzielle Hilfen für Zulieferer. „Wenn Verbrennungs- durch Elektromotoren oder Brennstoffzellen ersetzt werden und Batterien ein Drittel der Wertschöpfung ausmachen, verändert das die Zulieferketten ganz grundlegend“, so Altmaier: „Ich sehe den Handlungsbedarf in der Zulieferindustrie und bin bereit, tätig zu werden, wenn sich das aus der Diskussion beim Autogipfel ergeben sollte“.

Die Hersteller sieht der Minister in der Pflicht, ihren Kunden „attraktive Angebote auf dem Markt der Elektroautos und der Vernetzung von Verkehrsträgern“ zu machen. Er fordert zudem eine engere Kooperation der Autobauer: „Wenn BMW und Daimler ihre Carsharing-Aktivitäten zusammenführen, kann das nur ein erster Schritt sein.“ Beim autonomen Fahren etwa gebe es „ermutigende Fortschritte – allerdings jeder für sich“, so Altmaier. Stärkere Kooperationen würden die Chancen deutscher Unternehmen erhöhen.

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