Die ausbleibenden Urlauber haben einen wesentlichen Teil zum Absturz der Wirtschaft in Griechenland beigetragen. Foto: dpa/Lefteris Partsalis

Die Corona-Pandemie hat Griechenlands Wirtschaft um 15 Prozent schrumpfen lassen – so stark, wie nicht einmal während der Schuldenkrise. Vor allem der Tourismus könnte die Wende bringen.

Athen - Das staatliche griechische Statistikamt Elstat meldete am Donnerstag einen Negativrekord: Im zweiten Quartal schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorjahr um 15,2 Prozent. Im Vergleich zum Vorquartal brach die Wirtschaftsleistung um 14 Prozent ein. Damit haben die Corona-Pandemie und die zu ihrer Eindämmung verhängten Lockdowns dem Land den tiefsten jemals registrierten wirtschaftlichen Absturz beschert. Nicht einmal während der Schuldenkrise, die Griechenland in den Jahren ab 2008 in die tiefste und längste Rezession der Nachkriegsgeschichte stürzte, gab es einen so massiven Quartalseinbruch.

Erst eine Erholung, dann der nächste Schlag

Damit befindet sich das chronische Krisenland, das sich gerade erst von den Folgen der Schuldenkrise zu erholen begann, nun bereits im dritten Quartal in Folge in einer Rezession. Im letzten Vierteljahr 2019 schrumpfte das BIP um 0,9 Prozent und im ersten Quartal 2020 um 0,7 Prozent. Für das Gesamtjahr 2020 rechnet die EU-Kommission in ihrer jüngsten Prognose für Griechenland mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 9,7 Prozent.

Nachdem in Griechenland Ende Februar die erste Corona-Infektion gemeldet wurde, fuhr die Regierung die Wirtschaft Schritt für Schritt herunter, um die Epidemie einzudämmen. Schulen, Gaststätten, Hotels und Einzelhandelsgeschäfte mussten schließen. Wochenlang galt eine Ausgangssperre. Ab Juni wurden die Beschränkungen nach und nach aufgehoben. Im Juli öffnete Griechenland auch seine Flughäfen und Hotels wieder für ausländische Urlauber. Der Tourismus ist eine wichtige Säule der griechischen Wirtschaft. Er steuerte im vergangenen Jahr 21 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei und sicherte jeden fünften Arbeitsplatz. Mittlerweile sind die Beschränkungen in Griechenland wieder strenger geworden.

Die Hotels sind oft nur zu einem Drittel belegt

Aber die Hoffnung, der Neustart des Reiseverkehrs könnte die wirtschaftliche Talfahrt bremsen, hat sich bisher nicht im erwarteten Maß erfüllt. Die Tourismuseinnahmen gingen gegenüber dem Vorquartal um 48,3 Prozent zurück. Weil die Gäste ausbleiben, hat bisher nur rund die Hälfte aller Hotels und Pensionen geöffnet. Jene Hotels, die Gäste bewirten, sind oft nur zu einem Drittel belegt. Die ausländischen Touristen brachten im vergangenen Jahr 18,2 Milliarden Euro nach Griechenland. In diesem Jahr dürften es nach jüngsten Schätzungen höchstens drei Milliarden sein.

Anders als in der Schuldenkrise könnte sich die griechische Wirtschaft nach der Corona-Krise relativ schnell erholen. Die EU-Kommission erwartet für 2021 ein Wachstum von 7,9 Prozent. Auch wenn sich diese Prognose bewahrheitet, was angesichts der ungewissen Entwicklung der Pandemie niemand weiß, bliebe Griechenlands Wirtschaft damit immer noch deutlich unter dem Niveau von 2018.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: