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Das EU-Parlament fordert mehr Qualität und eine bessere Bezahlung von Praktikanten.

Brüssel - Das EU-Parlament fordert mehr Qualität und eine bessere Bezahlung von Praktikanten. Reduzieren die Firmen dann die Zahl der Praktikumsplätze?

Die Idee stammt von der jüngsten EU-Abgeordneten, der Dänin Emilie Turunen: In einer Resolution, die die EU-Abgeordneten in Straßburg nun abgesegnet haben, fordert die Grüne ein Grundgehalt zur Abdeckung der Lebenshaltungskosten für Praktikanten, soziale Absicherung sowie eine europäische Qualitätscharta, die Mindestanforderungen definiert. Damit solle gesichert werden, dass Praktika Teil der Ausbildung seien und "Ausbeutung vermieden" werde, heißt es. Die Politikerin beklagt, dass die Schnupper-Stellen zunehmend "reale Arbeitsplätze ersetzen". Neben einer Mindestvergütung will die EU deshalb auch eine zeitliche Begrenzung durchsetzen.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) reagierte skeptisch auf die Pläne. Einheitliche Qualitätsstandards seien zu begrüßen, hieß es, Praktikanten sollten angelernt und für ihren Aufenthalt am Einsatzort auch finanziell unterstützt werden. Vorgaben beim Gehalt lehnt der DIHK aber ab, da dies die Bereitschaft von Unternehmern, Praktika anzubieten, schmälern und letztlich Plätze kosten könnte.

Dass deutschlandweit massenhaft Studenten keine feste Anstellung finden, sondern von Praktikum zu Praktikum wechseln, hält Kevin Heidenreich, Hochschulexperte beim DIHK, für einen "Mythos". Zwar gebe es durchaus schwarze Schafe, die Praktikanten unter unfairen Bedingungen beschäftigten. Dabei handle es sich aber um einen "ganz geringen Anteil" und nicht um eine ganze Generation. Wer monatelang wie ein regulär Beschäftigter eingesetzt werde, habe in Deutschland zudem das Recht, dafür Bezahlung einzuklagen.

Nach einer Umfrage unter Berufseinsteigern im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums arbeitet rund die Hälfte der Praktikanten unentgeltlich - vier von fünf Befragten arbeiteten mindestens die Hälfte der Zeit wie eine "normale Arbeitskraft".

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