Seit Jahren schon hat die Küferstraße in der östlichen Altstadt mit der Dominanz der Bahnhofstraße im Westen zu kämpfen. Foto: Rudel/Archiv

Die Stadt will für innovative Jungunternehmer besonders attraktiv sein – und damit an ihre große Vergangenheit als Schrittmacher der Industrialisierung anknüpfen. Allerdings müssen dazu noch viele Hürden genommen werden.

Esslingen - Um sein Ziel zu erreichen, bemüht der Esslinger Wirtschaftsförderer Marc Grün große vergangene Zeiten. Egal, ob nun als Wegbereiter des Württembergischen Weinbaus, als Schrittmacher der Industrialisierung zur Zeit der industriellen Revolution oder als moderne Ingenieursstadt in der Gegenwart: In ihrer mehr als 1000-jährigen Geschichte sei es der ehemals Freien Reichsstadt „stets gelungen, innovativen Köpfen die richtigen Rahmenbedingungen für die Verwirklichung neuer Ideen zu bieten“.

Daran wollen Grün und die Stadtverwaltung anknüpfen und haben nun ein Konzeptionspapier „Gründungsfreundliche Stadt Esslingen“ vorgestellt. Schon heute liege die Zahl der Existenzgründungen pro Einwohner in Esslingen deutlich über dem Landesdurchschnitt. Ziel müsse es aber sein, „auch in Zukunft ein Biotop für Tüftler und Denker“ bieten zu können.

Frische Ideen für die in die Jahre gekommene Fußgängerzone

Marc Grün hat nach der idealen Lage für ein solches Gründer- und Innovationsquartier gesucht – und ist in der östlichen Altstadt fündig geworden. Die Fußgängerzone Küferstraße, die in den vergangenen Jahren erheblich unter der Verlagerung des Einzelhandelsschwerpunkts in Richtung Bahnhof gelitten hat, könnte zur Gründermeile werden. Die Idee von Grün ist es, dass die Stadt bereits existierende und durch Geschäftsaufgaben zusätzlich entstehende Ladenfreiflächen anmietet und sie Gründern als Büroräume oder Werkstätten zur Verfügung stellt.

Die Gründer, argumentiert Grün, kämen zum einen in den „Genuss eines malerischen Altstadtambientes in gut angebundener Lage mit einem breiten gastronomischen Angebot und einer offenen Atmosphäre“. Zudem böten ihnen die Schaufenster die Möglichkeit, Ideen und Projekte einem breiteren Publikum zu präsentieren und diese bekannt zu machen. Idealerweise könne sich so ein Quartier mit einer ganz neuen Sogkraft entwickeln.

Damit es ein solches wird, hat auch die Esslinger Hochschule ihre Mitarbeit angeboten. Gründer, die sich einer sogenannten Start-Up-Zunft anschließen, sollen Zugang zu den Räumen und Laboren der Hochschule und des dort geplanten Innovationszentrums erhalten. Zudem sollen sie von den existierenden Netzwerken der Hochschule profitieren. So können sie unter anderem an Workshops und Seminarreihen der hochschuleigenen Entrepreneurship School Esslingen teilnehmen. Darüber hinaus soll auf dem Hochschulgelände ein so genannter Innovationsmanager der Stadt angesiedelt werden, der die jungen Unternehmer beim bürokratisch nicht einfachen Schritt in die Selbstständigkeit unterstützt.

Vieles ist noch Zukunftsmusik, manches schon real

Das alles ist noch Zukunftsmusik. Ein anderer Baustein für die gründerfreundliche Stadt Esslingen ist hingegen schon fest geplant. Die Firma Metzer + Co stellt der Stadt an der Heilbronner Straße im Bereich des Schillerparks, also ebenfalls in Hochschulnähe, kostengünstig rund 1000 Quadratmeter für einen so genannten „Coworking und Start-Up-Space Esslingen“ zur Verfügung. Dort sollen sich die verschiedenen Gründer treffen, Ideen austauschen und gemeinsam weiterentwickeln. Gedacht ist an Gründer-Frühstücke, Speed-Datings für Mitgründer und Workshops.

Ein erster, noch konkreterer Schritt ist bereits für die kommenden Tage geplant. Dann nimmt Jessica Meyer als zusätzliche Kraft in der Esslinger Wirtschaftsförderung ihre Arbeit auf. Die spezielle Aufgabe der Gewerbegebietsmanagerin ist es, sich vorrangig um Gründer und den studentischen Nachwuchs zu kümmern, der Ambitionen hat, von Esslingen aus mit innovativen Ideen die Welt zu erobern.

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