Pei Wu hat einige Standbeine. Foto: Holowiecki

Pei Wu betreibt im Sillenbucher Markt das Restaurant CQ Flavour. Dort gibt es keine frittierte Ente süß-sauer, sondern Speisen wie bei Muttern in Chongqin. Ein Konzept, mit dem der gelernte Softwareprogrammierer besonders viele Landsleute anlockt.

Sillenbuch - Schon mal gebratenen Schweinedickdarm mit Bohnenpeperoni gegessen? Oder eingelegte Hühnerfüße? Wie wäre es mit einem extra scharfen Schweineblut-Topf oder doch lieber einem Salat aus süß-sauren Lotuswurzelscheiben? Für deutsche Ohren klingen diese Speisen exotisch bis unvorstellbar, in China jedoch sind sie so normal wie hierzulande Käsespätzle und Rostbraten. Dabei muss man gar nicht ins Reich der Mitte reisen, um zu probieren. Bei dem Restaurant CQ Flavour im Sillenbucher Markt stehen diese Gerichte und noch mehr auf der Karte.

Frittierte Ente gibt es in China nicht

Pei Wu, dem Inhaber, ist das wichtig. Von vielen Chinarestaurants in Deutschland hält er nichts. „Frittierte Ente auf Gemüse, ob scharf oder süß-sauer, oder Pekingsuppe. Das gibt es in China nicht“, betont er. Europäisches Essen mit asiatischen Zutaten nennt er diese Gerichte. Stattdessen setzt er auf Aromen aus seiner Heimat. Pei Wu wurde vor 38 Jahren in Chongqing geboren, im Südwesten der Volksrepublik China. Von zu Hause kennt er die typische Szechuan-Küche: ölig, in sehr heißem Fett gebacken und besonders scharf und würzig. Und die will er auch in seiner Wahlheimat Stuttgart anbieten – wenn auch mit Zutaten, die viele Schwaben wohl zunächst zurückzucken lassen. „Ich mache keine Kompromisse wegen der Geschmäcker hier“, sagt er.

Vor drei Jahren hat Pei Wu das Lokal im kleinen Einkaufszentrum in Riedenberg übernommen – als totaler Neuling in der Gastronomie. Studiert hat er an der Uni Stuttgart Automatisierungstechnik, danach hat er als Softwareprogrammierer gearbeitet. „People change“, sagt er lapidar und lächelt. Dann erzählt er in fließendem Deutsch, dass ihm der Bürojob schlichtweg zu wenig gewesen sei. „Ich hatte keine Lust mehr“, erklärt er. Als Projektkoordinator arbeitet er heute mit vielen Firmen aus unterschiedlichen Branchen zusammen, reist durch ganz Europa, „das hält mich körperlich fit“, sagt er. Und das Restaurant in Sillenbuch, das betrachtet er als sicheres Standbein. Ob der Schritt in die Gastronomie nicht sehr außergewöhnlich gewesen sei? Er überlegt kurz. „Ich bin an große Veränderungen gewöhnt“, sagt er. Deutschland, die Kultur und die so andere Sprache, auch das Essen. Von Brezeln und Wiener Schnitzel beispielsweise ist er mittlerweile ein Fan. Ansonsten zieht er die asiatische Küche vor, bekennt er.

Pei Wu kocht nicht selbst

Seine Landsleute scheinen das ähnlich zu sehen. Auffallend viele Chinesen finden den Weg nach Sillenbuch ins Lokal, dessen zwei Anfangsbuchstaben für Pei Wus Geburtsstadt Chongqing stehen. Stuttgart, aber auch die Kreise Esslingen und Ludwigsburg gehören zum Einzugsgebiet. Der Chef zählt Automobilfirmen und Zulieferer auf. Immer wieder kommen ganze chinesische Delegationen aus den umliegenden großen Firmen zu ihm. Und auch aus dem Generalkonsulat in Frankfurt habe er schon Landsleute begrüßt. Pei Wu zückt sein Handy, gibt einen Namen bei Google ein und zeigt das Bild eines Mannes, der Ge Hu heißt. In China ist er Schauspieler und Musiker, in Deutschland nahezu unbekannt. Auch er wurde schon in Sillenbuch bekocht.

Allerdings nicht von Pei Wu selbst. Er ist im CQ Flavour der Mann im Hintergrund. „Ich kann nicht kochen“, sagt er und lacht laut auf. Aber er könne essen, fügt er an, und seine Zunge sei sehr genau. „Ich habe alle Gourmet-Restaurants in Stuttgart ausprobiert“, sagt er. Am liebsten isst er aber immer noch in seinem eigenen Lokal. Da schmeckt es nämlich wie daheim.

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