Die Milliardengeschäfte von Wirecard waren nur eine Luftblase. Foto: dpa/Peter Kneffel

Die Aufsichtsbehörde Bafin hat gegen einen Mitarbeiter Strafanzeige gestellt. Er soll Insidergeschäfte mit Aktien des Zahlungsdienstleisters Wirecard gemacht haben – und die Aufsicht hat es nicht gemerkt.

Frankfurt - Der Chef der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), Felix Hufeld, gerät immer mehr unter Druck. Seine Behörde erstattete im Zuge des Wirecard-Skandals Anzeige gegen einen Mitarbeiter wegen des Verdachts des Insiderhandels. „Die Strafanzeige der Bafin straft Herrn Hufeld (...) selbst Lügen“, schrieb der Linken-Politiker Fabio De Masi auf Twitter. „Warum der Finanzminister immer noch glaubt, dass Herr Hufeld für den notwendigen Kulturwandel der Richtige sei, bleibt Scholz’ Geheimnis“, kritisierte der Grünen-Abgeordnete Danyal Bayaz.

Schick hält Wechsel an der Behördenspitze für unausweichlich

Auch der ehemalige Grünen-Abgeordnete und heutige Vorsitzende des Vereins Finanzwende, Gerhard Schick, hält einen Wechsel an der Behördenspitze für unausweichlich. „Wenn eine Behördenleitung immer erst massiven öffentlichen Druck braucht, um das Richtige zu tun, dann taugt sie nichts“, erklärt Schick. Bundesfinanzminister Olaf Scholz hat sich bisher hinter die Bafin gestellt und auch Hufeld hatte sich mehrfach für seine Mitarbeiter eingesetzt und betont, dass sie nichts Unrechtes getan hätten. Erst im Oktober 2020 hat die Aufsicht die Vorschriften für Aktiengeschäfte ihrer Mitarbeiter verschärft.

Einer der größten Betrugsskandale der deutschen Wirtschaftsgeschichte

Bei der Aufarbeitung der Vorgänge um Wirecard ist die Bafin zumindest bei einem Mitarbeiter auf eine Transaktion gestoßen, die darauf hindeutet, dass möglicherweise Insiderwissen genutzt wurde. Der betreffende Mitarbeiter hatte am 17. Juni 2020 an der Börse Stuttgart Derivate im Zusammenhang mit der Wirecard-Aktie verkauft. Einen Tag später wurde öffentlich bekannt, dass der Zahlungsdienstleister die Existenz von 1,9 Milliarden Euro, die auf Treuhandkonten auf den Philippinen liegen sollten, nicht nachweisen konnte. Seitdem ging es mit dem damals noch im deutschen Leitindex Dax notierten Unternehmen steil bergab. Inzwischen ist klar, dass es sich bei Wirecard um einen der größten Betrugsskandale der deutschen Wirtschaftsgeschichte handelt.

Vorstandschef Jan Marsalek in Russland oder Weißrussland?

Im Untersuchungsausschuss erklärte jedoch der ehemalige Finanzvorstand Alexander von Knopp, dass er von den Vorgängen nichts gewusst habe. „Zu keiner Zeit sind mir die derzeit in Rede stehenden kriminellen Machenschaften anderer Personen in der Wirecard AG mitgeteilt, angedeutet oder sonst bekanntgeworden. Ich hatte davon keine Kenntnis“, sagte er vor den Parlamentariern. Die Verantwortung für das Auslandsgeschäft habe der stellvertretende Vorstandschef Jan Marsalek gehabt, der derzeit flüchtig ist und sich in Russland oder Weißrussland aufhalten soll.

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