Teilnehmer der Pegida-Demonstration am 16. August in Dresden Foto: ZB

Dass das ZDF-Team in Dresden von der Polizei eine Dreiviertelstunde von seiner Arbeit abgehalten wurde, ist nicht in Ordnung. Und im Lichte der letzten Enthüllung wirkt die Reaktion des sächsischen Ministerpräsidenten Kretschmer noch skandalöser, meint Norbert Wallet.

Berlin - Tatsächlich tragen die Begleitumstände rund um die Polizeimaßnahmen gegen ein ZDF-Team am Rande einer Dresdner Pegida-Demonstration in der vergangenen Woche skandalöse Züge. Der spannende Punkt ist allerdings, was die Sache zum eigentlichen Skandal macht. Die Journalisten haben sich nichts zuschulden kommen lassen. Dass sie von der Polizei eine Dreiviertelstunde von ihrer Arbeit abgehalten wurden, weil sich ein Demonstrant zu Unrecht durch Aufnahmen in seiner Privatsphäre beeinträchtigt fühlte, ist nicht in Ordnung. Immerhin aber kann man sagen, dass die Zeitspanne angesichts mehrerer vorliegender Anzeigen, aufgeregten Gemütern, Unterbrechungen durch Telefonate und Personalienfeststellungen noch leidlich erklärlich ist.

Wirklich skandalöse Züge trägt aber das Verhalten des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer, der sich in Windeseile und offenbar ohne nähere Prüfung des Sachverhalts nicht nur hinter seine Polizisten stellte, sondern den Journalisten via Twitter die Seriosität absprach. Nur, um einen Tag später zur Kenntnis nehmen zu müssen, dass der Demonstrant, der das TV-Team fälschlich beschuldigte, Mitarbeiter des sächsischen Landeskriminalamtes ist. Es ist nicht der erste Hinweis, dass die sächsische Polizei die gänzlich vorbehaltlose Rückendeckung nicht verdient.

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