Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) im Landtag. Foto: dpa/Marijan Murat

Eigentlich pflegt Winfried Kretschmann den schwäbischen Gleichmut. Bei Markus Lanz wurde der baden-württembergische Ministerpräsident für seine Verhältnisse aber sehr energisch.

Stuttgart - Geht Baden-Württemberg einen Sonderweg mit seinem Plan, ab Montag schrittweise die Grundschulen und Kitas im Land wieder zu öffnen? Mitnichten, betonte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Dienstagabend bei der Talkrunde von Markus Lanz im ZDF – und wurde richtig energisch.

Sonst ist der gemütvolle Schwabe nicht eben für emotionsgeladene verbale Ausbrüche bekannt. Doch Moderator Lanz erwischte bei Kretschmann offenbar einen Nerv mit seinen wiederholten Nachfragen, ob sich der Ministerpräsident mit seiner Entscheidung gegen die Corona-Strategie von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den anderen Länderchefs stellt.

In den meisten und wichtigsten Fragen seien die Ministerpräsidentenkonferenz und Kanzlerin Merkel stets zusammengeblieben, sagte Kretschmann weiter – jetzt sichtlich genervt von Lanz’ wiederholtem Nachfragen. „Es waren immer ganz kleine Abweichungen - ich weiß nicht, warum man das so aufbauscht.“ Der Ton des Ministerpräsidenten wurde dann auch gereizter: „Jetzt wird schon wieder über die Schulen geredet – es geht nur um die Grundschulen!“, rief der Ministerpräsident beinahe in die Kamera. „Alle anderen bleiben geschlossen, da sind sich alle einig.“ Kitas und Grundschulen seien nicht „das Problem dieser Pandemie“. Man müsse nicht bei jeder „kleinen Abweichung“ so tun, „als seien da Schurken am Werk, das ist nicht der Fall“, beklagte Kretschmann.

Auf Twitter wurde Kretschmanns Auftritt dann auch mit zumindest virtuell hochgezogenen Augenbrauen quittiert: „Ich habe gelernt: Wer brüllt hat meist unrecht“, schrieb ein User.

Die endgültige Entscheidung über die schrittweise Öffnung von Grundschulen und Kitas hat Kretschmann für diesen Mittwoch angekündigt. Viele andere Länder sind bislang deutlich zurückhaltender. Auch in Baden-Württemberg gibt es kritische Stimmen: Nach Ansicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zum Beispiel ist eine Öffnung fahrlässig und derzeit nicht zu verantworten.

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