Auch im botanischen Bereich der Wilhelma gibt es einiges zu bestaunen. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Am Wilhelma-Tag haben die Besucher die Möglichkeit, mal hinter die Kulissen des zoologisch-botanischen Gartens zu blicken. Es gibt vieles zu entdecken, zu bestaunen und auszuprobieren.

Stuttgart - Behutsam häuft ein Junge Blumenerde in einen kleinen Topf. „Reicht das so?“, fragt er Jonathan, der am Stand der Azubis in der Wilhelma ein Auge auf die Pflanzenvergabe hat. Wer wollte, durfte sich hier am Sonntag im Zuge des Wilhelma-Tages eine Buntnessel, eine Dreimasterblume oder ein Brutblatt mit nach Hause nehmen. „Wir haben pflegeleichte Gewächse ausgesucht, damit auch Kinder lange Spaß an ihnen haben können“, so der Fachmann. Im Betriebshof gegenüber, der ausnahmsweise für Besucher zugänglich ist, tummeln sich derweil Erwachsene beim Pflanzenverkauf. Die meterhohe Hanfpalme für 400 Euro ist noch zu haben. „Ganz ehrlich, wenn man einen zweistöckigen Wintergarten hat, ist das ein Schnäppchen“, witzelt ein Wilhelma-Mitarbeiter.

Ein Publikumsmagnet ist die Krankenstation. Dekorativ liegt ein Löwe auf dem Operationstisch. Das Präparat ist eine Leihgabe des Rosensteinmuseums. Echt ist hingegen der beeindruckende Elefantenzehennagel, den Nora Weger den Anwesenden zeigt. Man könne die Fußpflege bei den Dickhäutern sowohl mit einer Raspel als auch mit einer Flex vornehmen, erklärt die Studentin der Tiermedizin, die gerade ihr abschließendes Praktikum in der Wilhelma absolviert. Über die Zahnpflege bei Menschenaffen weiß sie ebenso aufschlussreich zu berichten wie über den Umgang mit Medizin- und Narkosepfeilen. Flugs demonstriert sie an einer Zielscheibe ihre Fertigkeiten am Blasrohr. Der Schuss sitzt. Die Kinder staunen.

Faszination Venusfliegenfalle

Finns Interesse gilt einer Venusfliegenfalle. Aufgeregt zupft er seinen Vater am Ärmel. „Guck mal, da ist eine Fliege drin.“ Die finden sich zahlreich in der Wilhelmaschule, wo Kastanienameisen und andere Kerbtiere gebastelt werden. Zoopädagogin Nicola Hoffmann hat Fauchschaben, Tausendfüßler, Stabheuschrecken und eine Vogelspinne parat. Wer mag, darf die Vielbeiner vorsichtig anfassen oder auf die Handfläche nehmen.

Während es im Bastelraum voll wird, ist draußen reichlich Platz. Der Nieselregen hat offenbar viele Besucher abgeschreckt. Der achtjährigen Lina ist der Regen egal. Versonnen sitzt sie auf einem Schemel und melkt eine Kunststoffkuh. Das erste Herantasten ans Rindereuter ist ein Erlebnis. Wenige ­Meter weiter hat sich eine Menschentraube gebildet. Die Akademie für Natur und Umweltschutz informiert über alte Apfelsorten: Boskoop, Goldparmäne oder Brettacher. Es darf probiert werden. Was übrig bleibt, bekommen die Zebras.

Es dreht sich vieles ums Futter

Auch sonst dreht sich am Wilhelma-Tag viel ums Füttern. Ob hinter den Kulissen des Aquariums oder im Südamerikahaus bei den Faultieren: Es besteht Gelegenheit, der Verköstigung etlicher Tiere beizuwohnen. Besonderen Eindruck macht die ausgestellte Tagesration an Obst und Ei, die der Brillenbär verputzt. „Es hat sich gelohnt herzukommen“, findet eine Mutter und lobt die zusätzlichen Informationen. „Ich habe heute so viel erfahren. Das macht Lust auf mehr.“ Ihr Sohn ist ebenfalls zufrieden. Er hat beim Losverkauf zugunsten eines Bonobo-Artenschutzprojekts den Gipsabguss eines Gorillakinderfußes ergattert.

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