Der König der Tiere im Fadenkreuz: Allein 2018 töteten Wilderer 600 Löwen. Foto: Adobe /Mikhail Semenov Montage: Pichlmaier

Erst werden sie vergiftet, dann werden ihnen Kopf und Krallen abgeschnitten. Immer mehr Löwen fallen Wilderern zum Opfer, schuld ist vor allem die Nachfrage in China.

Johannesburg/Maputo - Wilderer im südlichen Afrika schrecken inzwischen auch vor den „Königen der Tiere“, den Löwen, nicht mehr zurück: Sie vergiften sie, hacken ihnen den Kopf und die Klauen ab oder ziehen ihnen die Zähne und Krallen aus dem Körper. Dieser grausame Trend habe „verheerende Auswirkungen“ auf die ohnehin schon schwindende Population der Raubtiere in Afrika, schlagen Forscher in einem Beitrag für die Zeitschrift „Biodiversity and Conservation“ Alarm – und fordern Regierungen, Umweltbehörden und Tierschutzverbände auf, der „ernsthaften Bedrohung schnell und entschieden“ entgegen zu wirken.

In ihrer Studie haben sich die drei Autoren Kristoffer Everatt, Rae Kokeš und Carlos Lopez Pereira vor allem auf den mosambikanischen Teil des südafrikanischen Krügerparks konzentriert, wo sie in den vergangenen Jahren fast 50 getötete Löwen registrierten. In den meisten Fällen seien die majestätischen Tiere durch vergiftete Köder oder Drahtfallen umgebracht worden. Danach hätten die Wilderer den toten Raubkatzen den Kopf und die Pfoten abgehackt, in manchen Fällen wurden ihnen sogar nur einzelne Zähne und Krallen gezogen.

Vor 70 Jahren gab es noch 400 000 Löwen, heute sind es 25 000

Diese Körperteile der Löwen sind vor allem in China und angrenzenden südostasiatischen Staaten wie Vietnam begehrt. Mindestens zwei Pakete mit Löwenzähnen und -krallen seien in jüngster Zeit auf dem Flughafen der mosambikanischen Hauptstadt Maputo sichergestellt worden, heißt es in der Studie. Anfang des Jahres wurden auch in einem privaten Wildgehege in Südafrika acht Löwen vergiftet, ihre Schnauzen wegen der Zähne abgehackt und ihre Pfoten abgetrennt. „Es ist ein schrecklicher Anblick, wenn man diese prächtigen Raubtiere auf diese Weise geschlachtet sieht“, klagte Gert Blom, der Wildhüter des Tierreservats.

Während in den 1950er Jahren noch rund 400 000 Löwen in Afrika gezählt wurden, soll ihre Zahl inzwischen auf 25 000 zurückgegangen sein. Die meisten Raubkatzen leben außer in Kenia und Tansania im südlichen Afrika, in Südafrika soll es noch rund 3000 wilde Löwen geben. Jährlich werden auf dem Kontinent 600 der Tiere gewildert, drei Viertel der afrikanischen Löwen-Populationen sind rückläufig.

In Asien sind Löwenknochen sehr gefragt – weil es kaum noch Tiger gibt

Experten bringen die wachsende Zahl gewilderter Löwen auch mit dem Export von Löwenknochen von Südafrika nach China und Vietnam in Verbindung. Südafrikas Regierung hat es erlaubt, jährlich bis zu 800 Skelette der Raubkatzen zu exportieren. 2018 wurde die Quote auf 1500 erhöht. In Südostasien werden ihre Knochen dann zerrieben und als traditionelle Medizin verkauft. Bisher wurden in der südostasiatischen Medizin Tigerknochen verwendet. Doch weil Tiger immer rarer werden, weichen die Asiaten zunehmend auf Löwenknochen aus.

In Südafrika gibt es mittlerweile mehr als 200 Löwenfarmen, auf denen dieser Trend zum Geschäft gemacht wird. Dort werden derzeit insgesamt rund 6000 Raubtiere aufgezogen, die als Kinder von Besuchern gestreichelt und als Erwachsene von Jägern geschossen werden können. Die Jagd auf zahme Löwen wird hierzulande „canned hunting“, Jagen aus der Dose, genannt. Während die Jäger den Kopf und das Fell der Raubkatzen als Trophäen behalten können, wird der Rest ihres Körpers ausgekocht, um die Knochen besser ablösen zu können, die dann nach Asien exportiert werden.

Tierschützer fordern ein totales Exportverbot

Tierschützer beklagen, dass die kommerzielle Verwertung der Löwenteile deren Nachfrage aufrechterhält oder sogar noch vergrößert: Sie fordern deshalb ein totales Exportverbot. „Löwen sind eine der universellen Ikonen dieser Welt“, klagt Paul Thomson, Direktor des Wildlife Conservation Networks: „Es ist höchste Zeit, dass dieser Trend gestoppt wird, und die Könige der Tiere wieder Teil der Landschaften des afrikanischen Kontinents werden.“

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