Julian Assange (rechts) bei seiner Pressekonferenz Foto: Getty

Keine Sonne, kaum Bewegung: Auf engem Raum sitzt Wikileaks-Gründer Julian Assange seit zwei Jahren in London fest. Um das zu ändern, sucht er die Öffentlichkeit – und löst reichlich Verwirrung aus.

London - Julian Assange hat offenbar genug. Der Internetaktivist kündigte am Montag auf einer Pressekonferenz an, dass er die ecuadorianische Botschaft in London „bald verlassen“ werde. In diesem Zufluchtsort sitzt der Wikileaks-Gründer seit mehr als zwei Jahren fest.

Zwar nannte er keinen konkreten Zeitpunkt oder genaue Pläne, zudem sei er auch nicht bereit, sich zu stellen, sagte ein Wiki­leaks-Sprecher. Der 43-Jährige wies aber die Gründe zurück, die zuvor von Medien ins Spiel gebracht wurden. Unter anderem der britische Sender Sky News hatte berichtet, dass Assange wegen massiver Herz- und Lungenprobleme in einem Krankenhaus behandelt werden müsse. Ihm droht die umgehende Verhaftung, sollte er aus dem Botschaftsgelände spazieren, da Schweden wegen Sexualdelikten seine Auslieferung beantragt hat. Assange bestreitet die Vorwürfe.

Für den gebürtigen Australier ist es lediglich der Zugang zu Büchern und Internet, der das rote Backsteingebäude im viktorianischen Stil von einem grauen Gefängnisbunker unterscheidet. Auch wenn die Botschaft im schicken Londoner Stadtteil Knightsbridge steht, bekommt Assange kein natürliches Sonnenlicht, da es weder einen Balkon noch einen Garten gibt. Stattdessen muss er sich mit einer Lampe begnügen, die das Sonnenlicht imitiert. Der Aktivist gab zu, dass der Aufenthalt in der Botschaft seiner Gesundheit nicht gutgetan habe. Die Botschaft sei mangels Bewegungsmöglichkeiten ein Umfeld, „in dem jede gesunde Person mit der Zeit einige Schwierigkeiten bekäme“.

Ein Wikileaks-Sprecher relativierte Assanges Ankündigung mit den Worten, dieser werde die Botschaft verlassen, sobald die britische Regierung ihre „Verpflichtungen“ erfüllt habe. Was damit gemeint ist, blieb unklar. Großbritannien lehnt es ab, dem Aktivisten freies Geleit außer Landes zu gewähren. Ecuadors Außenminister Ricardo Patino rief zu einer internationalen Kampagne zur „Befreiung“ Assanges auf: „Diese Situation muss beendet werden.“ Gleichzeitig versicherte er, der Informant genieße weiterhin den Schutz des lateinamerikanischen Landes.

Assange und Mitarbeiter wurden durch die Veröffentlichung Hunderttausender sensibler Dokumente auf der Internetplattform Wikileaks weltweit bekannt. Sie haben unter anderem Folterungen in irakischen Gefängnissen und die hohen Opferzahlen belegt. Andere geheime Militärpapiere beschäftigten sich mit der Lage in Afghanistan und im US-Gefangenenlager Guantánamo. Spätestens ab diesem Zeitpunkt sahen ihn die USA als Bedrohung ihrer nationalen Sicherheit, er wurde als „Verräter“ und „Cyber-Terrorist“ bezeichnet. Einige Politiker und Journalisten forderten gar seine Hinrichtung.

Von seinen Fans wurde er als ein von Geheimdiensten und Regierungen verfolgter Held gefeiert. Dann folgte sein persönlicher Absturz. Zwei Schwedinnen warfen ihm ­sexuelle Belästigung vor. Der Wikileaks-Gründer war am 19. Juni 2012 in die ecuadorianische Botschaft in London geflüchtet, um einer Auslieferung an Schweden zu entgehen. Dort wollen Behörden ihn zu Vorwürfen sexueller Vergehen befragen. Assange befürchtet, an die USA ausgeliefert zu werden, wenn er die Botschaft verlässt

Der Haftbefehl wurde von einem Gericht in Stockholm erst im Juli bestätigt, nachdem Assanges Anwälte die Aufhebung des internationalen Haftbefehls beantragt hatten. Sie halten diesen und die jahrelange Isolation des Wikileaks-Gründers für unverhältnismäßig. Seit mehr als zwei Jahren stehen Tag und Nacht bis zu sechs Polizisten vor dem Gebäude, um den Mann mit den weißblonden Haaren sofort festzunehmen, sollte er britischen Boden betreten.

Dass Assange in naher Zukunft die ecuadorianische Botschaft verlässt, schien lange ausgeschlossen. „Er ist der festen Überzeugung, dass die Anschuldigungen politisch motiviert sind“, sagte sein Freund, der Journalist Vaughan Smith, im Juni.

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