Wer wegen Stress schlecht schläft und sich deshalb morgens nur mühsam aus dem Bett quält, wird sich anschließend kaum für die Arbeit motivieren können. Foto: dpa-tmn

Häufig ersticken Vorgesetzte die Motivation ihrer Mitarbeiter. Das National Business Research Institute in Texas hat dem Thema Demotivation jüngst eine ganze Studie gewidmet – und ein Experte gibt Tipps, wie man sie vermeidet.

Stuttgart - Firmenwagen, Diensthandy, Wellness-Gutscheine: In Zeiten des Fachkräftemangels lassen sich viele Unternehmen immer mehr und immer teurere Benefits einfallen, um Mitarbeiter zu werben und zu halten. Dabei sind teure Anreize zur Mitarbeitermotivation in vielen Fällen gar nicht notwendig, denn meistens bringen die Mitarbeiter eine gesunde Portion Eigenmotivation mit. Doch allzu oft nehmen Vorgesetzte ihren Mitarbeitern die Freude an der Arbeit und ersticken ihre Motivation im Keim, indem sie vermeidbare Fehler machen. Nicht umsonst hat das National Business Research Institute in Texas dem Thema Demotivation jüngst eine ganze Studie gewidmet. Über die sieben häufigsten Motivationskiller – und wie man sie vermeidet.

Killer Nummer 1: Zu viel Druck

Druck kann kurzfristig die Motivation der Mitarbeiter steigern. Mittel- bis langfristig killt das Antreiben vonseiten der Chefetage dagegen die Arbeitslust und ist obendrein noch gesundheitsgefährdend. Wer wegen Stress schlecht schläft und sich deshalb morgens nur mühsam aus dem Bett quält, wird sich anschließend kaum für die Arbeit motivieren können. Auch wer um seinen Arbeitsplatz fürchtet, weil ständig Berater und Optimierer durch die Firma ­geistern, wird nicht die beste Arbeit abliefern. Denn wenn man um seine Existenz fürchtet, hat man den Kopf nicht frei für das, was zu tun ist.

Killer Nummer 2: Unterforderung

Nicht nur permanenter Druck, sondern auch Langeweile kann Mitarbeiter demotivieren. Ein Aufgabenprofil, das nicht fordert und keine Anreize setzt, sorgt für Unzufriedenheit. „Dauerhafte Langeweile kann genauso schädlich sein wie dauerhafter Stress“, erklärt Thomas Hoffmann von der Personalberatung Robert Half. „Mitarbeiter, die sich langweilen, empfinden Druck, den sie sich selbst auferlegen. Außerdem stellen sich Resignation und Lethargie ein, wenn Anerkennung und Wertschätzung ausbleiben. Im schlimmsten Fall sind das Bore-out-Syndrom und Depressionen die Folge.“ Abhilfe ist gar nicht so schwer: Routinearbeiten etwa können im Team regelmäßig neu verteilt werden – und man sollte Mitarbeitern schrittweise mehr Verantwortung übertragen.

Killer Nummer 3: Zu wenig Geld

Geld ist nicht alles – aber ohne Geld ist bekanntlich alles nichts. „Leistung muss sich lohnen“, wusste schon der einstige Bundeskanzler Helmut Kohl. Im Umkehrschluss heißt das: Wer seine Mitarbeiter schlecht bezahlt, demotiviert sie und sorgt dafür, dass ihre Leistung schlechter wird. Wer viel und Gutes leistet, sollte das auch vergütet bekommen. Denn das Gehalt ist auch immer ein Zeichen von Wertschätzung. Dabei muss es auch innerhalb der Belegschaft fair zugehen. Denn ein schlecht austariertes Gehaltsgefüge sorgt dafür, dass sich Neid und Missgunst in der Belegschaft ausbreiten – und das sind ebenfalls Motivationskiller.

Killer Nummer 4: Schlechter Umgangston

Zynismus, Nörgelei, ständiges Schlechtreden – das tötet auf Dauer jede Motivation der betroffenen Mitarbeiter. Denn wozu sollte man sich noch anstrengen, wenn sowieso alles schlecht ist? Auch ständiges Rumbrüllen ist zum einen unprofessionell – weil es von mangelnder Beherrschung zeugt. Zudem ist es auch demotivierend, denn niemand möchte seine Zeit und Energie für jemanden geben, der bei jeder Gelegenheit einen Wutanfall bekommt. Auch wenn es hektisch wird: Ein sachlicher, professioneller Ton ist das A und O.

Killer Nummer 5: Zu wenig Lob

Nicht geschimpft ist genug gelobt – immer noch halten viele Führungskräfte dieses Prinzip für ein gutes Instrument der Mitarbeiterführung. Herausragende Arbeit wird ignoriert, erst bei einem Fehler wird reagiert. Wer als Chef so agiert, braucht sich über demotivierte Mitarbeiter nicht zu wundern. Denn wer gute Arbeit leistet, ist auch stolz darauf – und möchte dafür auch gelobt werden. Ein einfaches „Danke“ kann schon Wunder wirken. Dabei sollte auch die persönliche Sympathie kein Maßstab sein. Denn wenn der Vorgesetzte Mitarbeiter, mit denen er nicht so gut kann, öffentlich vorführt und andere, die er mag, mit Lob überschüttet, ist das Gift für die Moral des Teams.

Killer Nummer 6: Verschwendung von Zeit

Ein Teammeeting wird angesetzt, obwohl das Problem auch bilateral gelöst werden könnte. Oder nicht enden wollende Diskussionen über die neue Urlaubsregelung, ohne dass ein greifbares Ergebnis dabei herauskommt. Oder aber ein andauerndes Mail-Bombardement, das von der eigentlichen Arbeit ablenkt. Zeitfresser im Job sind demotivierend, denn sie sorgen dafür, dass man mit seinen eigentlichen Aufgaben nicht fertig wird. Zumal der Arbeitsalltag meist sowieso schon eng getaktet ist. Wer mit dem Gefühl nach Hause geht, seine Zeit nur verschwendet zu haben, ist unzufrieden mit sich und seinem Arbeitsplatz. Denn eine sinnvolle Tätigkeit und das Gefühl, im Beruf etwas zu leisten, sind laut einer Studie der Personalberatung Robert Half zwei der wichtigsten Faktoren für Glück und Motivation am Arbeitsplatz

Killer Nummer 7: Mangelnde Kommunikation

Kaum etwas ist demotivierender als eine Führungsriege, die sich abschottet, unter sich bleibt und den Mitarbeitern nicht zuhört. Das gilt vor allem dann, wenn der Eindruck entsteht, die Mitarbeiter würden vor Entscheidungen, die sie betreffen, nicht einmal informiert. Außerdem ist der persönliche Kontakt besser als unternehmensinterne Mails. „Der Verzicht auf unnötige E-Mails gehört zum einfachsten Ansatz für mehr soziale Kontakte“, heißt es beim britischen Thinktank „New Economics Foundation“. „Selbst wenn das persönliche Gespräch nur wenige Momente dauert.“ Andernfalls ist schnell ist die Rede von „denen da oben“, die „in ihrem Elfenbeinturm“ sitzen – und das ist Ausdruck des Gefühls, den Vorgesetzten eigentlich ziemlich egal zu sein. Ein offenes Ohr für die Mitarbeiter und ihre Anliegen zu haben kostet wenig Zeit, wirkt aber sehr motivierend. Und sympathisch macht es nebenbei auch.

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