Wird bald der Vergangenheit angehören: Ein Bima-Wohnblock in Grünbühl. Foto: factum//Simon Granville

Aus alt macht neu: Die Bima-Wohnblöcke im Ludwigsburger Stadtteil Grünbühl werden abgerissen und an ihrer Stelle moderne Apartmenthäuser gebaut. Die Ludwigsburger Wohnungsbau gibt dabei zwei Versprechen ab.

Ludwigsburg - Aus 321 maroden sollen 420 moderne Wohnungen werden: Nach fast 20 Jahren der Planung wurde jetzt mit einer Grundsteinlegung die Neuordnung der Siedlung Grünbühl-Westgestartet. Läuft alles nach Plan, sind die letzten Neubauten in acht Jahren bezugsfertig. Und zwei Versprechen gab es von Andreas Veit, dem Geschäftsführer der Wohnungsbau Ludwigsburg (WBL), obendrauf: Wer jetzt schon im Quartier wohnt, darf dort bleiben, und die meisten Apartments werden auch in Zukunft erschwinglich sein.

Die meisten Bewohner hängen an ihrem Quartier. Viele sind in der Not nach dem Zweiten Weltkrieg dort gelandet, für eine vermeintlich kurze Zeit. Doch oft sind daraus Jahrzehnte geworden. Die Bewohner seien stark im Quartier verwurzelt, meinte denn auch Andreas Veit, „und Ihnen wird viel abverlangt“. Aber der Abriss der alten Blocks sei „alternativlos“.

Bewohner sind stark verwurzelt

Die Anwohner sind in diversen Informationsveranstaltungen und in Einzelgesprächen darauf vorbereitet worden. Jeder durfte Wünsche äußern und jeder weiß in etwa, was auf ihn zukommt. Immer wieder war zu hören: „Man lebt hier wie auf einem Dorf.“ „Ich möchte nicht zweimal umziehen müssen.“ Verbunden mit der trotzigen Hoffnung, es könne nur besser werden.

Tatsächlich handelt es sich um Nachkriegs-Wohnblocks, die schon wenig Komfort boten als sie noch neu waren. Die Gebäude waren im Besitz der Bima (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben). Um das Quartier in Angriff nehmen zu können, musste sie die WBL kaufen, was 2013 nach langen Verhandlungen gelang. Mit der Aufwertung des Quartiers soll auch eine Namensänderung einhergehen: Statt Bima-Areal soll es, so der Wunsch der WBL-Geschäftsführung, künftig Grünbühl.living heißen.

„Stadtteile machen Ludwigsburg aus“

Mit der Grundsteinlegung startet der Bau von 107 Wohnungen in neun Mehrfamilienhäusern – darunter auch zwei Doppelhäuser aus den von der WBL entwickelten Holzmodulen Cube 11. Außerdem ist in diesem ersten Abschnitt auch der Bau einer Kita für sechs Gruppen vorgesehen. Eine erste wichtige Etappe, für die der Hochbau schon Anfang 2020 beginnen soll. Zwei Jahre später soll man schon einziehen können.

Ursprünglich wollte die Stadt dieses offizielle Startsignal schon im Mai geben, doch dann musste die Veranstaltung wegen eines Unwetters abgesagt werden. Dank dieser Verschiebung durfte nun der neue Oberbürgermeister Matthias Knecht das Vorzeigeprojekt auf den Weg bringen.

Trotz seiner momentanen Unfertigkeit dürfe man nicht übersehen, dass es ein sehr wichtiger Siedlungsbau für Ludwigsburg sei, sagte Matthias Knecht. Auch wenn Ludwigsburg für Touristen in der Regel aus dem Schloss und der barocken Zentralstadt bestehe, so komme doch den Stadtteilen eine entscheidende Rolle zu: „Sie machen Ludwigsburg aus.“ Das Thema Wohnen bewege die Stadt ganz besonders, sagte Knecht. Er wünscht sich „eine lebendige Diskussion“ darüber, was Wohnen kosten darf und wie der Verkehr dorthin gelenkt werden soll.

Energetisch autark

Das gesamte Revitalisierungsprojekt soll in vier Etappen ablaufen werden. Die Varianten reichen vom Anderthalb-Zimmer-Apartment bis zum Reihenhaus. 280 der dann 420 Wohnungen sollen Mietwohnungen sein. „Ein hoher Anteil davon wird von der WBL als preisreduzierter Wohnraum angeboten“, sagt Veit. Möglich macht es das Fair-Wohnen-Modell, das auf einer Mischkalkulation beruht: Die Erlöse aus dem Verkauf von Eigentumswohnungen gestatten die Subventionierung von Mietwohnungen.

Energetisch soll das Quartier fast autark sein. Dafür setzt die WBL unter anderem auf Fotovoltaik auf den Dächern. Damit dieses neue Grünbühl auch lebendig sein kann, werden am Ende auch ein Bäcker und ein Ärztehaus dazu gehören.

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