Und wieder ein Zweikampf gewonnen. Der Kapitän Shaban Ismaili ging in einer insgesamt einsatzfreudigen Echterdinger Mannschaft als bissiger Anführer voran. Foto: Yavuz Dural

Calcio unterliegt im Pokal dem großen Favoriten VfB Stuttgart II nach zweimaliger Führung mit 2:3. Nun folgt gleich die nächste Schwergewichtsaufgabe.

Echterdingen - Am Ende waren es gequälte Lächeln. „Die Jungs haben alles rausgehauen“, lobte der Sportdirektor Angelo Vaccaro, der sich nach einer weiteren Knieoperation auf Krücken ins Stadion geschleppt hatte. „Kompliment an das ganze Team“, ergänzte der Kapitän Shaban Ismaili, „wir haben eine tollen Fight geliefert.“ Zuvorderst er. Und dennoch: zugleich stand bei den Fußballern von Calcio Leinfelden-Echterdingen allen eines ins Gesicht geschrieben – die Enttäuschung.

Ja, sie hatten auch gegen diesen Gegner gezeigt, warum sie zuletzt fünf Spiele in Serie gewonnen hatten. Ja, sie waren sogar zweimal in Führung gegangen und hatten den großen Favoriten am Rand einer Niederlage gehabt. Allerdings eben nur am Rand. Ein paar Minuten haben am Mittwochabend schließlich zum erhofften Pokalcoup gefehlt. Durch zwei späte Gegentore verloren die Echterdinger ihre Achtelfinalpartie vor rund 500 Zuschauern gegen den VfB Stuttgart II doch noch mit 2:3. Und so muss sich nun zeigen, wie die Mannschaft diesen für sie unglücklich geendeten Kraftakt verdaut. Denn Verschnaufpause gibt es keine. Am Sonntag steht bereits die nächste Schwergewichtsaufgabe an. Dann sind der Trainer Francesco Di Frisco und die Seinen in der Verbandsliga beim Tabellenzweiten SSV Ehingen-Süd zu Gast.

Die Begegnung mit dem Ex-Verein

Einstweilen ging die Calcio-Rechnung auf, auf die ohnehin schon erhöhte Motivation in diesem David-gegen-Goliath-Duell mittels Aufstellung noch ein paar zusätzliche Prozentpunkte draufzupacken. In der Startformation ließ Di Frisco alle Spieler seines Kaders ran, die einst im Trikot mit dem roten Brustring ihre fußballerischen Gehversuche gemacht hatten – und das waren nicht weniger als sieben, nachdem sich zum angekündigten Quintett auch noch die aus dem Reservistendasein beförderten Gökhan Gümüssu und Panagiotis Karastergios hinzugesellten. Sieben Mann, die denn mit dem speziellen Ehrgeiz unterwegs waren, ihrem Ex-Verein ein Schnippchen zu schlagen.

Insgesamt lässt sich sagen: Hätte es Kilometergeld gegeben, wären die Echterdinger mit prall gefüllten Taschen auf den Heimweg gegangen. Die Gastgeber, angeführt von Ismaili und Timo Bäuerle als zentral bissigem Balleroberungsgespann, rannten und rackerten bis zur sprichwörtlich aus dem Hals hängenden Zunge. Wie von Vaccaro gesagt: alles rausgehauen – was Di Frisco derweil nur von der Tribüne aus beobachtete. Der Coach, von 2000 bis 2004 selbst VfB-Jugendkicker, entschied sich zu diesem Schritt, um etwaigen Befangenheits- oder Mauscheleiverdächtigungen von vornherein den Boden zu entziehen. Der Hintergrund: in seinem Hauptberuf als Spielerberater unterhält Di Frisco geschäftlichen Kontakt zu Akteuren des Gegners. Das Coaching an der Seitenlinie übernahmen stattdessen die Assistenten Marijo Marinovic und Francesco Guerra.

Die Calcio-Tore

Viele Chancen erspielten die Echterdinger sich nicht, erwartungsgemäß. Aber es gibt ja auch noch Standardsituationen, und zwei von denen saßen. Damit düpierte der Außenseiter seinen prominenten Widersacher jeweils zu Beginn der beiden Halbzeiten. Erst die vierte Spielminute lief, als Bäuerle einen Eckball von Marcel Bahm zum 1:0 einköpfte. Und auch Durchgang zwei hatte kaum begonnen, da schlug es im VfB-Kasten ein – und das wahrhaftig. Josip Pranjic trat zu einem seiner berüchtigten Freistöße an und drosch die Kugel aus 25 Metern in den rechten oberen Torwinkel. Ein Schuss wie ein Strich, und für den Routinier bereits der dritte Freistoßtreffer in dieser Saison.

Die VfB-Antworten

Der Gästetrainer Francisco „Paco“ Vaz sah es so: „Wir sind ruhig geblieben.“ So konnte man es sehen, man konnte aber auch zu der Erkenntnis kommen: dem Regionalliga-Absteiger fiel gegen tief stehende und mit Fünferkette verteidigende Echterdinger lange nicht viel ein. Auch eine Folge dessen, dass Vaz pokalstatutengemäß auf den Einsatz seiner Lizenzspieler verzichten musste? Jedenfalls war der zwischenzeitliche 1:1-Ausgleich von Marcel Sökler (13.) bis in die Endphase hinein die einzige Ausbeute.

Erst, als Vaz auf ein Spielsystem mit zwei Spitzen umstellte und bei Calcio allmählich die Kräfte schwanden, kippte die Begegnung doch noch. Der eingewechselte Benedikt Koep und erneut Sökler bewahrten den Favoriten schließlich vor einer Schlappe (79./85.). „Die trainieren achtmal pro Woche, wir dreimal. Wäre ja auch komisch, wenn sich das nicht irgendwann bemerkbar gemacht hätte“, sagte Vaccaro.

Die nächste Aufgabe

Am Sonntag in Ehingen kommt es nun zum Kräftemessen zweier Ligarivalen in starker Form – und zumindest für Vaccaro gleich zur nächsten Begegnung mit eigener VfB-Vergangenheit. Der Trainer des Kontrahenten von der Donau, Michael Bochtler, kickte einst zur selben Zeit wie er für den Wasenclub.

Calcio Leinfelden-Echterdingen:
Bortel – Nkansah, Biljeskovic, Pranjic, Karastergios, Zweigle (89. Stepcic) – Joas (77. Quartuccio), Ismaili, Bäuerle (89. Offei), Bahm – Gümüssu (63. Häcker).

VfB Stuttgart II:
Geng – Allgaier, Aidonis, Kober (76. Preuß), Kleinhansl – Kiefer (61. Bätzner), Stein – Richter (89. Almeida Morais), Tomic, Pasalic (61. Koep) – Sökler.

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