Die Markt und Service gGmbH möchte das Gebäude pachten, um Menschen mit Behinderung in Arbeit zu bringen. Foto: z

Das Baurechtsamt hat für das Boardinghouse-Projekt der Caritas an der Wernerstraße grünes Licht gegeben.

Stuttgart-Feuerbach - Die Baugenehmigung für das sogenannte Boardinghouse an der Wernerstraße 10 ist erteilt. „Wir hoffen, dass wir im März endlich loslegen können“, sagt einer der beiden Geschäftsführer der Markt und Service gGmbH (MuS), Werner Neubrandt, auf Nachfrage unserer Zeitung. Das Tochterunternehmen des Caritasverbandes Stuttgart wird den Neubau pachten, um dort einen Beherbergungsbetrieb mit 124 Apartments zu eröffnen – alle sollen mit Dusche, WC und Kitchenette ausgestattet werden. Das Gästehaus soll eine Alternative zu klassischen Hotels sein. Die Zielgruppe: Langzeitgäste, die für ein paar Wochen in Stuttgart arbeiten sowie Touristen und Geschäftsreisende.

Bis zu 41 Mitarbeiter sollen an der Wernerstraße beschäftigt sein. Zehn Stellen sind für Menschen mit Behinderung angedacht, die an der Rezeption, im Service, in der Haustechnik und dem Housekeeping angesiedelt sind. „Auch bei diesem Projekt steht nicht im Vordergrund, ein Hotel zu betreiben, sondern wie immer: Menschen mit Behinderung in Arbeit zu bringen“, betonte der zweite MuS-Geschäftsführer Gerhard Sohst im März vergangenen Jahres im Feuerbacher Bezirksbeirat. Damals ging er noch davon, dass das Boardinghouse spätestens im Januar 2019 eröffnet werden kann. Doch das Baurechtsamt konnte erst vor wenigen Tagen die Baugenehmigung erteilen.

15 Monate wird die Bauzeit betragen

Warum kam es zu den Verzögerungen? Zunächst musste ein immissionsschutzrechtliches Gutachten erstellt werden. „Der Hauptgrund dafür ist die Nähe zu dem angrenzenden Störfallbetrieb“, erklärte die Leiterin des Baurechtsamtes, Kirsten Rickes, vor knapp einem Jahr auf Nachfrage unserer Zeitung. Mit Störfallbetrieb ist in diesem Fall die Firma Bosch gemeint. Beim Boardinghouse-Projekt spielte die europäische Seveso-Richtlinie eine große Rolle, die nach dem Ort eines schweren Chemieunfalls benannt ist, der sich am 10. Juli 1976 in der Chemiefabrik Icmesa ereignete. Bei der Herstellung des Desinfektionsmittels Hexachlorophen platzte ein Überdruckventil. Die Folgen für das norditalienische Städtchen Seveso und die umliegende Region waren verheerend. Das soll nicht mehr passieren, deshalb wird im direkten Umfeld von sogenannten Störfallbetrieben, die mit gefährlichen Stoffen wie zum Beispiel Chlor oder Phosphor arbeiten, noch mehr Wert auf die Sicherheit gelegt – nun auch in Stuttgart. Eine umfangreiche Prüfung des Bauantrags für das Boardinghouse war unumgänglich. Auch das Regierungspräsidium war involviert und wurde um eine Stellungnahme gebeten. „Letztendlich war es aufgrund eines Gutachtens möglich, das Bauvorhaben ohne weitergehende Auflagen zuzulassen“, sagt Kirsten Rickes auf Nachfrage unserer Zeitung.

Neubrandt ist froh, dass das Projekt doch noch realisiert werden kann – trotz der monatelangen Verspätung: „Es hat uns schon ein bisschen mürbe gemacht, dass wir so lange haben warten müssen.“ Der MuS-Geschäftsführer rechnet damit, dass, wenn nun alles nach Plan läuft, im Mai 2020 die Einweihung des Boardinghouses gefeiert werden kann.

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