So war es im Vorjahr: Markus Schwarz fotografiert Ex-Nationalspieler Timo Hildebrand. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Versuch eins klappte nicht, nun wagt Fotograf Markus Schwarz einen neuen Anlauf. Er möchte mit einem Weltrekord Geld für das Stuttgarter Kinder- und Jugendhospizhospiz sammeln.

Stuttgart - Eine Niederlage schmerzt. Und manchmal tut sie so weh, dass man keine Lust mehr hat, weiterzumachen. Dem Fotografen Markus Schwarz ging es voriges Jahr so. Tausendundeinen Menschen wollte er auf dem Pariser Platz in zwei Stunden fotografieren, so einen neuen Weltrekord aufstellen. Es wurden 804 Menschen. Dass er und sein Team 4500 Euro für die Hilfsorganisation Stelp gesammelt hatten, dass 804 Porträts ja auch eine ganze Menge ist, alles egal in dem Moment. „Ich war frustriert“, erinnert er sich, „und habe gesagt: Nie mehr wieder!“

Ein Jahr später hat er sich eines besseren besonnen, er startet noch einmal einen Versuch. Zugunsten des Stuttgarter Kinder- und Jugendhospizes – am Samstag, 20. Juli, von 12 bis 14 Uhr im Sportzentrum Leinfelden. Ein Heimspiel für den Fotografen, der in Oberaichen wohnt, sein Büro in Echterdingen hat. Etliche Organisationen, Fußballvereine und Städte hatten gefragt, ob er nicht bei ihnen einen neuen Anlauf wagen wolle. Allen sagte er ab.

neuer versuch beim Hand-in-Hand-Lauf

Bis er mit seinem Freund Fabian Schulz zusammensaß. Schulz hat mit Kevin Goldberg den Verein Hand in Hand gegründet. Sie unterstützen das Stuttgarter Kinder- und Jugendhospiz. Und richten seit 2013 den Hand-in-Hand-Spendenlauf in Leinfelden aus, im vergangenen Jahr haben sie dabei 50 000 Euro gesammelt. Schwarz war dort ohnehin stets mit seiner Frau Cornelia dabei, dann dachte er: Da kann ich ja auch meine Kamera mitbringen.

Es gibt für alles einen Weltrekord. Der Ire Ryan Luney machte in einer Minute 14 Rückwärtssaltos, und spuckte dabei Feuer. Mohammad Rashid Naseem knackte 243 Walnüsse per Kopf. Mike Smith züchtete die schärfste Chili-Schote der Welt namens „Drachenatem“. Klar, dass es da auch einen Rekord für die meisten Porträts gibt.

der bisherige Weltrekord sind 888 Porträts

Aber wie kommt man darauf? Schwarz hat nicht im „Guinnessbuch der Weltrekorde“ geblättert, er wollte eigentlich nur Ausrüstung bestellen. Er fotografiert viel draußen, die Firma Sunbounce stellt dafür spezielle Geräte her. Und auf deren Webseite fand er einen Eintrag, dass die Fotografin Linda Köhler-Sandring in Zingst an der Ostsee einen Weltrekordversuch im Speed-Shooting geschafft hatte: 888 Bilder in einer Stunde und 58 Minuten. „Das könnte ich auch“, dachte sich Schwarz. Und bat seine Frau Cornelia um Hilfe. Die sagte: „Ich helfe dir, aber nur, wenn du damit Geld sammelst und spendest.“ Also tat Markus Schwarz, was jeder gute Ehemann tut: Er hörte auf seine Frau.

Nun heißt es auf ein Neues für die Aktion „Tausendundein Gesichter für die Menschlichkeit“. Der Versuch vor einem Jahr scheiterte vor allem am Ort, dem öden Pariser Platz in Stuttgart. „Technik, Team, Markus, alles super und schneller, aber es fehlte leider an Menschen“, sagt Cornelia Schwarz. Nun hätte man die Porträtierten mehrmals fotografieren können, aber das wollten sie nicht. „Erlaubt wäre das gewesen“, sagt Markus Schwarz“, aber es hätte sich trotzdem wie Betrug angefühlt.“ Wenn schon, dann will er es richtig machen. „Ich will nicht drauflosknipsen“, sagt Schwarz, „ich weiß, das hört sich komisch an, wenn man nur sieben Sekunden Zeit hat für ein Porträt: Ich brauche einen Bezug zu den Menschen.“ So ist es ihm wichtig, dass er die Namen jedes Porträtierten erfährt. Also bekommt jeder ein Namensschild.

Für sein Porträt zahlt man zwei Euro

Wer sein Porträt mitnehmen möchte, kann es ausdrucken lassen, und spendet dafür zwei Euro. Es darf natürlich auch mehr sein. Gleichgültig, ob es nun Tausendundein Gesichter werden, jeder Euro fürs Hospiz ist ein Erfolg für die Menschlichkeit.

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