Dackelmix Lucy wurde nur vier Monate alt. Foto: Carolin Domian

Im Stuttgarter Stadtbezirk Zuffenhausen ist ein vier Monate alter Welpe zu Tode gekommen. Ein Radler soll das Hündchen umgefahren haben. Bei Facebook wird die Geschichte hundertfach geteilt.

Stuttgart - Carolin Domian sind nur Handybilder geblieben. Und ein kleines Grab im Garten ihrer Eltern. Darin liegt Lucy, ein vier Monate alter Welpe. Der Dackelmix war der Nachwuchs von Carolin Domians eigenen Hunden. Der Vater der 25-Jährigen hatte das Tierbaby adoptiert. Der Mann aus Zuffenhausen habe Lucy behandelt wie sein Kind. Am vergangenen Freitag sei der Lebensgefährte der Halbschwester mit dem Hündchen Gassi gegangen. Und im Bereich Neuwirtshaus- und Ludwigsburger Straße, nahe dem Pferdehof, sei es dann gegen 16.30 Uhr passiert.

Ein Radfahrer sei, ohne zu klingeln, von hinten gekommen, habe das angeleinte Tier erwischt und tödlich verletzt. Carolin Domian spricht von einem Genickbruch, der Radler sei weitergefahren. „Ein kleiner Hund kennt die Gefahren nicht“, sagt sie unter Tränen. Wie genau das Unglück passiert sei, habe sie bis heute nicht erfahren. „Unser Bekannter, dem das passiert ist, steht unter Schock.“ Auch eine Beschreibung des männlichen Radlers gebe es nicht, es sei alles so schnell gegangen. Möglicherweise habe er den Zusammenstoß mit dem Winzling gar nicht bemerkt. Befragungen vor Ort, die die Familie nach dem Vorfall unternommen habe, hätten nichts gebracht.

Keine Anzeige erstattet

Bei der Polizei angezeigt wurde das Ganze nicht. „Meine Eltern wollten das nicht, sie glauben, das bringt nichts.“ Carolin Domian sagt, sie selbst könne das nicht in die Hand nehmen, da sie nicht dabei gewesen sei. Stattdessen hat die junge Frau die Geschichte bei Facebook geteilt. Um so möglicherweise Zeugen zu finden und andere zu warnen. „Es hätte ein kleines Kind sein können“, sagt sie und appelliert an Fahrradfahrer, Rücksicht zu nehmen. Grundsätzlich verteufeln möchte sie Radler nicht. Sie selbst habe drei Hunde und bisher keine schlechten Erfahrungen gemacht. „Die meisten machen sich bemerkbar und warten, bis ich die Hunde angeleint habe“, stellt sie klar.

Der Beitrag ist rasch hundertfach kommentiert und geteilt worden. „Ich hätte nie damit gerechnet, dass das so eine Reichweite erreicht. Ich habe so was noch nie gemacht“, sagt sie. Die allermeisten sind entsetzt und bekunden ihr Beileid. Andere Hundehalter berichten von ihrer Angst, selbst einmal in einen Unfall verwickelt zu werden. „Ich habe unsere Lilo immer an der Leine, und es ist mir schon ein paarmal passiert, dass Radfahrer in einem Riesentempo vorbeirauschen und ich sie erst in dem Moment bemerke und furchtbar erschrecke“, schreibt eine Frau. „Habe oft Angst wegen meinem Yorkie“, schreibt eine andere. Manche wiederum verweisen auf die Pflichten von Hundehaltern. Einige wenige ziehen in Zweifel, ob sich der Fall tatsächlich so zugetragen hat.

Immer wieder Konflikte im Wald

Konflikte zwischen Mensch und Tier gibt es indes immer wieder. Im Oktober 2019 war ein Radler auf einem abschüssigen Waldweg in Stuttgart-Vaihingen mit einem Dobermann kollidiert und schwer gestürzt. Nur drei Monate zuvor war ein angeleinter Hund nahe Nürtingen einem Pedelec-Fahrer vors Rad gehüpft. Aufsehenerregend war 2015 ein Fall in Ludwigsburg. Ein Jogger hatte einen bellenden Chihuahua-Mix-Welpen totgetreten. Gleichwohl gibt es auch aggressive Vierbeiner. „Das Amt für öffentliche Ordnung erreichen täglich Meldungen über Vorfälle mit Hunden“, erklärte Martin Thronberens, ein Sprecher der Stadtverwaltung, im März 2019 gegenüber unserer ­Zeitung. Jährlich würden rund 1000 Fälle gemeldet – vom Anbellen bis zu Bissen.

Carolin Domian hilft das alles nichts. Ihr Schmerz sitzt tief. „In 20 Jahren Hundehaltung ist mir so etwas noch nicht passiert “, schreibt die Waiblingerin bei Facebook. Mit ihren drei Hunden geht sie dieser Tage mit einem unguten Gefühl Gassi. „Natürlich passt man jetzt mehr auf.“

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