In Ludwigsburg stehen wieder Wahlplakate. Fünf Bewerber werden zur OB-Wahl am 30. Juni antreten. Foto: privat

Nach Amtsinhaber Werner Spec und dem Rechtsprofessor Matthias Knecht werfen noch drei weitere Kandidaten ihren Hut in den Ring – darunter auch ein bekanntes Gesicht, ein Bewerber mit viel Humor und ein junger Mann mit klarer Agenda.

Ludwigsburg - Die Kommunalwahl ist gerade erst vorüber, schon stehen an den Ludwigsburger Straßen neue Wahlplakate. Am 30. Juni wird der Oberbürgermeister gewählt. Der Amtsinhaber Werner Spec bekommt mit Matthias Knecht einen Herausforderer, der von großen Teilen des Gemeinderats unterstützt wird, und kurz vor Bewerbungsschluss haben drei weitere Kandidaten ihren Hut in den Ring geworfen. Offiziell hat das Rathaus die Namen noch nicht bestätigt, weil der Wahlausschuss an diesem Mittwoch prüfen muss, ob alle Bewerber die erforderlichen Formalitäten eingehalten haben. Aber momentan läuft alles auf einen Fünfkampf hinaus.

Der Amtsinhaber

Seit 16 Jahren ist Werner Spec Oberbürgermeister in Ludwigsburg. Fast 78 Prozent der Stimmen holte er bei seiner Wiederwahl 2011, eigentlich ein gutes Ergebnis. Aber eben nur: eigentlich. Die Wahlbeteiligung lag damals bei mageren 20,2 Prozent, und ernsthafte Gegenkandidaten gab es nicht. Diesmal ist das anders, aber den 61-Jährigen ficht das nicht an. Er sieht sich als Macher und verweist auf seine Erfolge. Der Wohlstand ist hoch, die Arbeitslosigkeit gering, der Einzelhandel funktioniert, die Stadt ist lebendiger und urbaner geworden in den vergangenen Jahren. In Spec’ Amtszeit wurden die mhp-Arena gebaut und das Marstall-Einkaufszentrum revitalisiert. Spec will die Digitalisierung vorantreiben, den Klimaschutz, das Gewerbegebiet Weststadt soll zum Zentrum für kreative und junge Unternehmen werden.

Auf der anderen Seite ist Ludwigsburg immer teurer geworden, die Mieten und Immobilienpreise steigen, das Wohnungsproblem ist ebenso wenig gelöst wie das Verkehrsproblem: Die Straßen sind oft verstopft und die Luft an manchen Stellen so schlecht, dass Fahrverbote drohen. Dass Spec nicht mehr unumstritten ist, hat aber andere Gründe. Mit seinem oft ruppigen Umgangston und seiner mangelnden Kritikfähigkeit hat er sich Gegner gemacht. Unterstützt wird er nur noch von den Freien Wählern, deren Mitglied er ist. Er selbst sagt, dass die anderen Parteien lediglich versuchen würden, „den Eindruck einer Wechselstimmung“ in der Stadt zu erwecken.

Der Herausforderer

Sollte es den Wunsch nach einem Wechsel in der Bevölkerung geben, wird zuvorderst er davon profitieren: Matthias Knecht. Der Rechtsprofessor wird von CDU, SPD und Grünen unterstützt – und weiß damit die große Mehrheit des Gemeinderats hinter sich. Aber gewählt wird der OB nicht im Rat, sondern von rund 69 000 wahlberechtigten Bürgern. Knecht ist 43 Jahre alt und lehrt in Kempten Verwaltungsrecht, Sozialrecht und Europarecht. In Ludwigsburg hat er sich als Vorsitzender des Stadtverbands Sport und des MTV Ludwigsburg einen Namen gemacht.

Während Spec für Kontinuität steht, aber oft aneckt, besetzt Knecht die Stelle des jungen Herausforderers. Mit Verwaltungserfahrung in einer Kommune kann er nicht punkten, eher mit eloquentem Auftreten. Er sagt, er wolle „das Miteinander stärken“ und „allen Parteien und Bürgern die Hand reichen“. Er spricht sich unter anderem für mehr Wohnraum und Wirtschaftsförderung aus, Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Alles Themen, die auch Spec ins Zentrum stellt.

Aber es gibt Unterschiede. Spec gilt als großer Verfechter von elektrisch angetriebenen Schnellbussen, sie sind auch im Wahlkampf sein Lieblingsthema und sollen die Verkehrsprobleme lösen. Knecht spricht sich nicht gegen diese Busse aus, ist aber skeptischer und sieht darin nicht das alleinige Allheilmittel. „Wir dürfen uns aber nicht an die Spitze jeder Mode setzen“ – diese Aussage darf durchaus als Seitenhieb gegen den Amtsinhaber gewertet werden, der vor allem in seiner zweiten Amtszeit den Eindruck vermittelte, er sei nur noch an öffentlichkeitswirksamen Leuchtturmprojekten interessiert.

Die linke Alternative

Kostenlose Busse, gebührenfreie Kitas, mehr Sozialwohnungen, mehr Geld für Bildung – mit einer dezidiert linken Agenda wirbt der 26-jährige Student Jakob Novotny um Stimmen. Novotny war mal Mitglied der Partei Die Linke, ist heute aber parteilos. An der Pädagogischen Hochschule studiert er Sport und Politik. Im Zentrum seiner Kampagne, die er mit professionell produzierten Videos auf Youtube vorantreibt, steht die Wohnungsnot – unter der er als Student selbst gelitten hat.

Novotny hofft, dass er mit seiner Kandidatur junge Menschen motiviert, sich in der Kommunalpolitik zu engagieren. „Ich will eine Alternative zu etablierten Kandidaten anbieten und Menschen ansprechen, die sonst nicht wählen gehen.“

Der Spaßkandidat

Kurz vor knapp, am Montag, gab Konrad Kling seine Bewerbung ab – und es ist nicht ganz einfach, ihn politisch einzuordnen. Was daran liegt, dass der 29-jährige Architekt Mitglied der Satirepartei „Die Partei“ ist und manche seiner Sätze ebenfalls ziemlich satirisch klingen. So fordert Kling beispielsweise Fahrverbote für Menschen aus Waiblingen, „weil die ja nicht so gut Auto fahren können“. Aber Kling ist auch Mitglied der Freien Wähler, die bislang nicht unbedingt als Spaßpartei aufgefallen sind, und seine Kandidatur hat einen seriösen Hintergrund: Die geringe Wahlbeteiligung vor acht Jahren habe ihn erschreckt, sagt er. Er wolle sich für junge Menschen einsetzen und eine „Wahlalternative bieten, die nicht rechts ist“. Und ja, natürlich gehe er die Kandidatur auch mit Humor an.

Die Musikerin

Beobachter der politischen Szene in Ludwigsburg kennen Heike Baumbach – nicht nur, weil sie vor acht Jahren schon einmal gegen Spec antrat und damals 7,7 Prozent der Stimmen holte. Sondern auch, weil die 43-jährige Erzieherin fast jede Gemeinderatssitzung verfolgt. Jetzt kämpft sie erneut um den OB-Posten, wobei Baumbachs Leidenschaft ganz offenkundig mehr der Musik gehört. 2011 trat sie bei der Fernsehsendung „Das Supertalent“ an, und von der derben Kritik der Jury ließ sie sich nicht beirren. Auf Baumbachs Facebookseite jedenfalls geht es wenig um Politik und noch weniger um Kommunalpolitik. Dafür veröffentlicht sie regelmäßig Eigenkompositionen.

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