Unten durch: Foto: Holger Leicht, Illustration: Krause

Der Technische Ausschuss hat sich ein Bild von der Machbarkeit einer Unterführung unter der Porsche-Teststrecke in Weissach gemacht. Es ist eine der vielen Varianten, die in Zukunft auch zur Entlastung der Flachter Ortsmitte dienen könnten.

Weissach - Dass eine Sitzung des Technischen Ausschusses ein derartig großes Publikum anzieht, dürfte auch für die Weissacher Kommunalpolitiker neu gewesen sein. Knapp 30 Besucher verfolgten das erste Treffen der Fraktionsvertreter nach der Sommerpause. Und fast alle waren sie wegen des letzten Punktes auf einer langen Tagesordnung gekommen: die Machbarkeitsstudie eines Tunnels unter der Porsche-Teststrecke hindurch. Dieser könnte irgendwann einmal ein Teil des neuen Straßennetzes sein, das die Ortsdurchfahrten von Weissach und Flacht entlasten soll (wir berichteten).

Der Plan wäre dann, die Unterführung im Nordosten an die Landsstraße 1177 zwischen Weissach und Mönsheim anzubinden. Im Südwesten würde der Tunnel zur Kreisstraße 1077 führen, die zwischen Flacht und Mönsheim verläuft.

Der Bauingenieur Marin Wagner von der Karlsruher Niederlassung des Büros Müller und Hereth war gekommen, um seine Gedanken vorzustellen. Das Büro hat sich auf den Tunnelbau spezialisiert. Rund 320 Meter Länge würde eine solche Röhre messen. „Das ist gut, denn bei Tunnels, die länger sind als 400 Meter, gäbe es eine Menge an Auflagen zu beachten“, so Wagner. Was einem solchen Projekt ebenfalls entgegenkomme: die mittlere Muschelkalkschicht beginne erst in 35 Meter Tiefe unter der Teststrecke. „Wir würden aber darüber bauen.“ Auch der Hauptgrundwasserspiegel liege deutlich darunter. Dort, wo man dem Asphalt der Teststrecke am nächsten komme, betrage der Abstand noch immer rund 5,25 Meter.

Insgesamt würden um die 280 Meter „bergmännisch“ gebaut. Mit Sprengungen zur Lockerung des Gesteins, mit Baggern und Fräsen. Bei einigen Abschnitten könne man jedoch auch den Boden aufgraben und von oben arbeiten. Offene Bauweise nennt sich das. Wagner könnte sich dies im Bereich des jetzigen provisorischen Porsche-Parkplatzes vorstellen.

Doch ohne Eingriff in die Natur geht es auch beim Tunnelbau nicht. „Auf der Nordseite wäre der wahrscheinlich nicht so groß wie im Süden“, so der Planer. Das liege an der Topografie. Und seiner Pflicht als Werber für den Tunnelbau kam Wagner weiter nach: „Das Projekt wäre eine gute Sache.“

Aber was kostet diese „gute Sache“? Allein für den Bau veranschlagt der Ingenieur rund 13,8 Millionen Euro. Hinzu kommt die betriebstechnische Ausstattung sowie ein Betriebsgebäude nebst Löschwasserbecken für knapp 1,5 Millionen Euro. Summa summarum also 15,3 Millionen Euro. Darin enthalten sind aber weder Grunderwerb noch Planung, ebenso wenig die Gebühr für die Behörden und – ganz wichtig – die Kosten für die Anbindung ans bestehende Straßennetz. „Der laufende Betrieb würde außerdem mit rund 90 000 Euro zu Buche schlagen“, rechnete Martin Wagner vor.

Die Meinungen der Gemeinderäte drifteten anschließend weit auseinander – von „Lasst die Finger davon“ (Gerhard Mann, Unabhängige Liste) bis „Ich würde es begrüßen, das Thema voranzutreiben“ (Wolfgang Gohl, Freie Wähler) war alles dabei. Der Bürgermeisterin Ursula Kreutel blieb nur zu sagen: „Bisher haben wir in Weissach noch keine große Erfahrung mit dem Tunnelbau.“ Derweil versicherte der Planer: „Es ist sinnvoll, es ist machbar und es ist kein Vabanque-Spiel.“

Martin Jäckle von der Bürgerliste hielt die Präsentation des Ingenieurs zwar für eine gute Idee, mahnte aber auch: „Es ist nur ein Teilstück, das eine Variante im kritischen Bereich darstellt.“ Der Tunnel müsse in ein Gesamtkonzept münden. Und wie das aussehen soll, darüber existieren in und um Weissach zurzeit bekanntermaßen unterschiedliche Vorstellungen.

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