Spielen in der Natur macht Spaß – bis die „Naturkinder“ ihren Waldkindergarten haben, dauert es noch ein Weilchen. Foto: factum/Granville

Der Verein stellt sein Konzept im Finanz- und Verwaltungsausschuss des Gemeinderates vor. Es gibt eine Reihe von skeptischen Fragen und Bedenken. Erst im Sommer soll über den Antrag der Organisatoren auf Zuschuss entschieden werden.

Weissach - Der Verein Naturkinder Flacht will wie berichtet einen Waldkindergarten gründen. Am Mittwochabend stellten die Macher des Vereins ihr Konzept erstmals im Finanz- und Verwaltungsausschuss vor. Die Vorsitzende Evelyn Quass erklärte die pädagogischen Schwerpunkte und die Organisation des Projekts. Außerdem gab Tanja Koose einen ersten Einblick in die Finanzplanung.

Bei den Gemeinderäten warf das allerdings viele Fragen auf. Etwa beim Fraktionschef der Bürgerliste, Andreas Pröllochs. Er ist skeptisch, was die Finanzierung angeht. „Das ist eine sehr sportliche Planung, bei der nur das Nötigste eingerechnet ist. Der Teufel steckt aber im Detail“, erklärte er. Dem vom Verein selbst aufgestellten Finanzierungskonzept zufolge kostet der Waldkindergarten im Jahr rund 140 000 Euro. Das Konzept sieht einen Gemeindezuschuss von 63 Prozent vor. Davon übernimmt das Land knapp 40 000 Euro. Demzufolge müsste die Gemeinde jährlich etwa 48 000 Euro aufbringen.

Vorgelegte Kalkulation wird hinterfragt

Doch auch der Bürgermeister Daniel Töpfer erklärte, dass die Naturkinder falsch kalkuliert hätten. Evelyn Quass und Tanja Koose rechtfertigten ihre Berechnungen: „Wir haben insgesamt eher großzügig gerechnet und die Zahlen aufgerundet. Die Annahmen kommen von anderen Waldkindergärten. Die Eltern übernehmen für den Flachter Waldkindergarten mehr Kosten, als sie müssten.“

Das allerdings gab dem Freien Wähler Antonio La Mela zu denken. Er befürchtet, dass der Waldkindergarten durch die hohen Kosten für Gebühren und auch Kleidung der Kinder eine elitäre Einrichtung wird. „Für mich klingt es so, als ob nicht alle Kinder die Chance bekommen, den Kindergarten zu besuchen“, so La Mela. 22 Prozent der Gesamtkosten für den neuen Waldkindergarten werden laut Vereinsberechnung durch die Elternbeiträge gedeckt. Damit würden die Eltern etwas mehr als in kommunalen Kindergärten zahlen, wie auch die Weissacher Kämmerin Karin Richter auf Nachfrage bestätigte.

Der Verein griff diese Kritik auf: „Wir versuchen, Patenschaften zu gewinnen, so dass zum Beispiel einzelne Kindergartenplätze gesponsert werden können“, erklärte Evelyn Quass. Jedes Kind, das gerne draußen sei, solle die Möglichkeit bekommen, den Waldkindergarten zu besuchen.

Kühnemann um Gesundheit der Kinder besorgt

Doch es gab noch weitere Bedenken aus den Reihen des Gemeinderates. Etwa von Volker Kühnemann, dem Fraktionschef der Freien Wähler. Er fürchtet um die Gesundheit der Kinder: „Wir haben einen sehr milden Winter, im Sommer wird alles voll von Zecken sein. “ Evelyn Quass weiß um die Gefahr, möchte aber mit Präventionsmaßnahmen vorbeugen: „Ich schätze die Gefahr geringer ein als bei einem Privatausflug, bei dem die Eltern nicht informiert sind. Die Kinder werden auf die Waldbesuche vorbereitet und lernen, nichts in den Mund zu nehmen und aufzupassen.“

Ob auch Kinder mit Handicap willkommen seien, wollte Adelheid Streckfuß (Unabhängige Liste) wissen. Evelyn Quass antwortete kurz und knapp: „Ja, gerne.“ Und auch die Frage nach einer ausreichenden Vorbereitung auf die Grundschulzeit kam an diesem Abend aufs Tapet.

Wie geht es nun weiter? Bis zum Sommer soll der Kindergartenbedarfsplan der Gemeinde stehen. Dann erst kann entschieden werden, ob sich die Gemeinde an dem Waldkindergarten finanziell beteiligt. Die Organisatoren wollen unabhängig davon ihr Projekt starten – notfalls auch ohne Zuschüsse der Gemeinde.

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