Interessierter Zuhörer, profunder Kenner: Hubert Lampeitl beim Imkertag in Flacht. Foto: Hans Jörg Ernst

Franz Lampeitl hat den Imkertag ins Leben gerufen. Nach seinem Tod kümmert sich jetzt Sohn Hubert um das Bienenerbe: das sind etwa 15 bis 20 Völker. Fachleute aus ganz Süddeutschland tauschen sich in der Strudelbachhalle aus.

Weissach - Es ist der erste Imkertag ohne Franz Lampeitl. Am Mittwoch fand die Fachtagung zum 43. Mal statt. Der Grandseigneur unter den Imkern, Bienenkenner und Vater des Bienentags war im vergangenen Juni im Alter von 82 Jahren gestorben. Gleich zu Beginn würdigten Kurt Mezger, der Abteilungspräsident beim veranstaltenden Regierungspräsidium, und der Weissacher Bürgermeister Daniel Töpfer seine Verdienste.

Die Bienenvölker auf der Weissacher Bienenwiese bewirtschaftet schon im fünften Jahr Hubert Lampeitl, der das summende Erbe des Vaters jetzt komplett übernommen hat. Beim Imkertag war der Sohn als Zuhörer von der ersten Minute an dabei.

Franz Lampeitl war sein Berufsleben lang Bienenzuchtberater im Regierungsbezirk Stuttgart beim Landwirtschaftsamt gewesen und hatte den Imkertag 1974 als Fortbildungsveranstaltung ins Leben gerufen. Jedes Jahr zieht die Fachtagung hunderte Imker und eine steigende Zahl an Imkerinnen (immerhin 14 Prozent sind Frauen) nach Weissach. 1996 hatte der frühere Flachter Ortsvorsteher die Fachtagung noch selbst geleitet.

Die große Leidenschaft für die kleinen Insekten begann bereits in Kindertagen, als die Mutter den kleinen Franz losschickte, um nach den Bienen zu schauen. Die Aufgabe hatte ihn gepackt und zeitlebens nicht mehr losgelassen. Mittlerweile hat die Begeisterung für die so nützlichen und fleißigen Insekten auch seinen Sohn Hubert Lampeitl gepackt.

Sogar aus München kommen sie angereist

Der saß, begleitet von seiner Mutter, am Mittwoch in der ersten Reihe. Die Strudelbachhalle platzte förmlich aus allen Nähten. Hunderte Imker waren aus den Regionen Heilbronn, Ludwigsburg, Waiblingen, Esslingen, Pforzheim, Tübingen, Heidenheim und noch weit entfernteren Orten gekommen, wie auch Bürgermeister Töpfer, als gebürtiger Münchner feststellte: „Um München kenne ich den ein oder anderen Landkreis und auch von dort sehe ich das eine oder andere Autokennzeichen“, hob er anerkennend hervor.

Die Imker, die in Baden-Württemberg bei den Mitgliedern um fast zehn Prozent zugelegt haben, kamen an den Strudelbach, um den Themen der Fachreferenten zu lauschen und sich mit Gleichgesinnten über das abgelaufene Bienenjahr und den Start ins neue Jahr auszutauschen.

Erfreulicherweise hat auch die Zahl der Bienenvölker, die in den vergangenen 50 Jahren durch schlechte Umweltbedingungen mehr als halbiert wurden, wieder im einstelligen Prozentbereich zugelegt. Wenngleich die Zahl der Völker, die die einzelnen Imker halten, nicht unbedingt groß sei, so sei der Gedanke selbst in der Stadt inzwischen angekommen, dass Bienen einen wichtigen Beitrag zum Ökosystem lieferten, sagte Kurt Mezger.

Bienenprodukte in der Medizin

Am Vormittag berichteten Fachreferenten über die Insektengiftallergie und über Bienenprodukte in der Medizin. Den gelernten Astrophysiker Hubert Lampeitl interessierten vor allem die Themen aus der Praxis, die am Nachmittag behandelt wurden. So berichtete der Imkermeister Klaus Hampel aus Niefern-Öschelbronn über unterschiedliche Verfahren der Königinnennachzucht.

„Mit etwa 14 bis 15 Bienenvölkern starte ich ins neue Bienenjahr. Im Laufe des Jahres werden es an die 20 Völker“, erzählte Hubert Lampeitl. Einige Königinnen gingen im Laufe des Bienenjahres verloren. Deshalb sei die Nachzucht für den Imker wichtig. Der 49-Jährige führt die Imkerei im Nebenerwerb.

Auch der Pflanzenschutz im Raps interessierte den Weissacher. Über neue Verfahren, bei denen es weniger Rückstände im Bienenvolk gebe, referierte Klaus Wallner von der Universität Hohenheim. „Einen Teil der Bienen möchte ich in den Raps auslagern“, erklärte Lampeitl. Wie sich das aktuelle Bienenjahr, nach dem trockenen und durchschnittlichen Ertragsjahr 2015 entwickle, darüber könne er noch nichts Konkretes sagen, so Lampeitl.

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