Gute Stimmung bei der TSV-Abrissparty in Weissach. Foto: factum/Bach

Bei der Abschiedsparty breitet sich am Samstagabend Melancholie aus. Und Angst um die traditionelle Kirbe.

Weissach - Ausgelassene Stimmung, fetzige Partymusik und rund 500 Besucher in Feierlaune – von Trauer ist bei der Abrissparty in der Alten Weissacher Festhalle am Samstag zunächst wenig zu spüren gewesen. Auch einige Flüchtlinge, die derzeit in der Heckengäuhalle leben, mischen sich unters Partyvolk. Der TSV Weissach hat das allerletzte Fest an traditioneller Stätte auf die Beine gestellt.

Es wird gefeiert, die Gäste haben Spaß. Doch der eine oder andere wird melancholisch: „Es ist wirklich traurig, dass dieser Ort voller Erinnerungen bald abgerissen wird. Er sollte unter Denkmalschutz stehen.“ Schließlich diente die im Jahr 1935 gebaute Festhalle in den Kriegsjahren schon als Flüchtlingsunterkunft und war Ort für viele Hochzeiten, Sportveranstaltungen, Versammlungen und Feste.

Schlussendlich ist es aber die Weissacher Kirbe, die die Festhalle zum Traditionsgebäude macht. Seit mehr als 60 Jahren wird hier gefeiert, wenn der jeweilige Kirbe-Jahrgang einlädt. Damit ist jetzt Schluss. Ob und wo in diesem Jahr eine Kirbe stattfindet, ist noch unklar.

Der Jahrgang steht vor der nahezu unlösbaren Aufgabe, eine neue Location zu finden. Denn einige der infrage kommenden Hallen der Gemeinde sind für diese Veranstaltungsart nicht ausgelegt. „Auch wenn die Alte Festhalle geht, die Kirbe muss bleiben und weiterhin in einer ehrwürdigen Location stattfinden“, erklärt der Gemeinderat Andreas Pröllochs (Bürgerliste) und bietet dem Jahrgang bei der Suche seine Unterstützung an.

Partylocation – dringend gesucht

Für die Abrissparty haben sich einige Jahrgangsmitlieder „Kirbe-T-Shirts“ gemacht. „Kirbe 2016 – bloß wo?“, steht da drauf. Diese Frage bewegt viele der tra­ditionsbewussten Weissacher Partygäste dazu, ihre Ideen auf die Rückseite der T-Shirts zu schreiben. „Es kamen viele Vorschläge zusammen. Mal schauen, wie wir jetzt damit weiterarbeiten“, sagt Jahrgangsmitglied Dominik Pohle.

Die Kirbe hat so viel Tradition wie sonst keine andere Veranstaltung der Gemeinde. Viele Weissacher schwelgen in Erinnerungen an „ihren“ Jahrgang. So auch Heide Schweizer, die vor fast 43 Jahren ihren heutigen Ehemann auf der Kirbe kennenlernte. „Das war 1973. Ich war im Jahrgang, der das Fest organisierte, und habe als Bedienung gearbeitet. Damals standen während der Kirbe noch Tische und Stühle in der Halle.“ Ihr Mann Herbert kam als Gast zur Party, und weil die beiden sich so gut verstanden, am nächsten Tag wieder. „Was soll ich sagen, es hält bis heute“, erzählt Heide Schweizer.

Ob und wo die Kirbe dieses Jahr stattfindet, ist noch offen

Die originale Bar aus dem Keller war einst der Höhepunkt des Abends. An dieser spielte sich damals ein großer Teil der Kirbe ab. Seit einigen Jahren darf dort aus Brandschutzgründen nicht mehr gefeiert werden. Für die Abrissparty hat der TSV die Bar in den Katakomben aus- und oben in der Halle wieder aufgebaut. Was bei den Partygästen für eine Extraportion Melancholie sorgt.

Die Bar bleibt im Besitz des TSV Weissach und somit der ganzen Gemeinde als Erinnerungsstück erhalten. Im nächsten Jahr könnte sie möglicherweise wieder zum Einsatz kommen. „In unseren Köpfen entwickelt sich schon die Idee einer Gedächtnisfeier für die Alte Festhalle“, erzählt der TSV-Vorstand Michael Heck. Man darf also gespannt sein. So schnell wird dieser traditionelle Veranstaltungsort wohl nicht in Vergessenheit geraten.

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