Der Steinbruch soll als Naturkulisse für Veranstaltungen dienen. Foto: Gottfried Stoppel

Der lang gehegte Traum einer Grünen Mitte zwischen den Teilorten wird für Weinstadt wahr, wenn auch erst einmal nur im Kleinen. Zudem geht es bei drei weiteren Gartenschauprojekten voran.

Weinstadt - Gleich vier Gartenschauprojekte hat der Weinstädter Gemeinderat in seiner Sitzung am Donnerstag angeschoben: die Umgestaltung der Mühlwiesen und der Heppachmündung in Großheppach, die Entwicklung des dortigen Steinbruchs zur Veranstaltungsfläche, die Beteiligung an der interkommunalen Kanuroute und den Bürgerpark Grüne Mitte.

Am weitesten ist bisher das erstgenannte Projekt gediehen. Dabei verfolgt man mit der Umgestaltung der Mühlwiesen und der Heppachmündung drei Ziele: Der Hochwasserschutz für Großheppach soll verbessert werden und das Gelände sowohl ökologisch als auch in seiner Attraktivität und Erlebbarkeit hinsichtlich einer touristischen Nutzung aufgewertet werden. Dazu plant die Stadt den Bau eines Radweges zwischen der Brückenstraße und dem Heuweg und rechnet mit einem Zuschuss des Verbands Region Stuttgart in Höhe von 290 000 Euro. Eine weitere Finanzspritze erhofft man sich vom Regierungspräsidium Stuttgart. Des Weiteren will man sich auch die Verbesserung der Gewässerökologie bezuschussen lassen. Hierfür wäre eine Förderung von maximal 85 Prozent der Kkosten drin. Im Haushaltsplan sind 600 000 Euro für die Umgestaltung eingeplant.

Die Genehmigung steht noch aus

Jedoch wartet man in Weinstadt nicht nur auf Zuschussbescheide, sondern auch darauf, dass das Landratsamt das Vorhaben genehmigt. Der Tiefbauamtsleiter Michael Sonn hofft, dass eine Genehmigung bis in drei Monaten vorliegt, um „schnellstmöglich beginnen zu können, spätestens im Führsommer, damit die Umgestaltung bis zur Gartenschau fertig wird“. Eineinhalb Jahre werden die Arbeiten dauern, schätzt er. Bereits jetzt sprach sich der Gemeinderat einstimmig dafür aus, die ersten Planungsleistungen in Höhe von knapp 85 000 Euro an das Stuttgarter Büro Luz zu vergeben, sobald die Genehmigung vorliegt.

Große Erwartungen knüpft die Verwaltung an die Umgestaltung des Steinbruchs am Remsufer nahe des Birkelwehrs. Er soll für die Gartenschau zur zentralen Veranstaltungsfläche werden und Besucher anlocken. „Solch eine Naturkulisse hat nicht jede Stadt“, meinte die Leiterin des Stadtbauamtes, Amrit Schliesing. So plane man die Fläche mit einem Weg zu erschließen, eine Spiel- und Liegewiese anzulegen, die Felskante des Steinbruchs von Bewuchs freizuschneiden, das alte Waghäusle als Infopunkt herzurichten sowie optional für eine spätere Anlage eines Wohnmobilstellplatzes eine Fläche zu reservieren.

Zudem war ein Lehrpfad über die Geologie, Natur und Kultur des Steinbruchs angedacht. 180 000 Euro wollte die Verwaltung dazu in die Etatpläne der kommenden drei Jahre einstellen. Der erste Gestaltungsentwurf, den der Gemeinderat bereits in einer Klausursitzung deutlich abgespeckt hatte, hätte 580 000 Euro gekostet.

„Wir sollten uns auf das konzentrieren, was erforderlich ist, und auf andere Maßnahmen verzichten“, sagte Manfred Siglinger, der Vorsitzende der Grünen Offenen Liste (GOL) und drängte mit einem Gegenantrag darauf, sich an eine entsprechende Beschlussempfehlung des Technischen Ausschusses und den gesteckten Kostenrahmen von 100 000 Euro zu halten. Er plädierte dafür, lediglich eine ebene Wiesenfläche herzustellen, die Felskante freizuschneiden, das Waghäusle so weit herzurichten, „dass es vernünftig aussieht“ und für die notwendige Infrastruktur für Veranstaltungen zu sorgen. Zumal die Anlage eines Weges und einer Grünfläche Folgekosten verursachten. „Wir sollten uns im Sinne der Nachhaltigkeit nicht nur auf 2019 fokussieren, sondern auch überlegen, durch was wir einen Mehrwert haben“, argumentierte der Oberbürgermeister Jürgen Oswald für den Verwaltungsvorschlag. Die Gemeinderatsmehrheit schloss sich dennoch Siglinger an. Mit 13 zu neun Stimmen wurde sein Antrag angenommen.

Gemeinderat stimmt geschlossen für die Kanuroute

Einigkeit bestand indes darin, den Steinbruch an die interkommunale Kanuroute anzubinden und den bestehenden Bootsrastplatz und die Umtragungsstelle am Birkelwehr entsprechend zu ertüchtigen. Zudem soll neben der Häckermühle ein zweiter Ein- und Ausstiegsplatz an der Birkelspitze geschaffen werden.

In Sachen Bürgerpark Grüne Mitte, der die fünf Teilorte verbinden soll, geht es nun ebenfalls voran. Weil das Millionenprojekt die finanziellen Möglichkeiten der Stadt bei Weitem übersteigt, hatte man versucht, in das Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ aufgenommen zu werden und einen Kostenzuschuss von 75 Prozent zu ergattern – jedoch vergeblich (wir berichteten). Nun wagt man zum einen mit einer reduzierten Variante, die mit 4,9 statt 5,8 Millionen Euro zu Buche schlagen würde, im nächsten Jahr einen zweiten Anlauf. Zum anderen hat sich für die Stadt eine Möglichkeit eröffnet, wie sie das Projekt im Kleinen beginnen kann.

Der Bürgerpark ist für das Forschungsprogramm „Green urban Labs“ des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung ausgewählt worden. Amrit Schliesing verspricht sich davon eine „Initialzündung“ für das Projekt. Mit dem Zuschuss von 150 000 Euro ließe sich eine umfangreiche Bürgerbeteiligung umsetzen, sodass in einer ersten Ausbaustufe mit 500 000 Euro „Pionierflächen“ geschaffen werden könnten. Zudem bekomme der Bürgerpark bundesweit Aufmerksamkeit und damit stiegen wiederum die Chancen, auch in das Bundesprogramm aufgenommen zu werden. Dem Enthusiasmus der jungen Stadtbauamtsleiterin konnte sich das Gremium nicht verschließen und stimmte dafür, diese Chance beim Schopf zu packen.

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