Peter Hauk prüft per Refraktometer das aktuelle Mostgewicht der Trauben in den Großheppacher Weinbergen. Foto: Gottfried Stoppel

Der Weinbaupräsident Hermann Hohl rechnet mit hervorragender Qualität bei durchschnittlicher Erntemenge. Angesichts wachsender Risiken durch Wetterextreme kündigt der Landwirtschaftsminister Peter Hauk hingegen ein Pilotprojekt an.

Weinbau - Er nimmt sich Zeit beim prüfenden Blick ins Refraktometer, jenem Instrument, das die Oechslegrade misst, das Mostgewicht der Beeren und damit den in Alkohol umwandelbare Zuckeranteil. „Etwa 85 Grad Oechsle“, verkündet schließlich der Landwirtschaftsminister Peter Hauk für den Spätburgunder in der Großheppacher Weinbergen. Ein gut zwei Wochen vor dem geschätzten Lesetermin sehr ordentlicher Wert, auch wenn die Württemberger Weinkönigin bei der fachlichen Kontrolle ihrerseits auf „eher 83 Grad“ korrigiert.

„Das passt“, sagt der Jungwengerter Christoph Klopfer, in dessen Weingut der Württembergische Weinbauverband diesmal zu seiner Herbstpressekonferenz eingeladen hatte. Der Weinbaukollege, auf dessen Wengert nahe der neuen Touristik-Attraktion Luitenbächer Höhe die ministerielle Oechsle-Messung stattgefunden hat, wolle bei 90 Grad lesen – „der kann seine Lesemannschaft einladen.“

Empfehlung an die Wengerter: zügig lesen

Guter Dinge für die am vergangenen Wochenende mit den frühen Sorten wie Acolon, Dornfelder oder Portugieser bereits gestartete Lese ist insgesamt auch der Präsident des Weinbauverbandes, Hermann Hohl. Das verkündet dieser wenig später bei der Pressekonferenz im neuen Panoramasaal des Weinguts Klopfer. „Auch wenn angesichts der in der vergangenen Woche steil angestiegenen Werte fast befürchtet werden muss, dass die Oechslegrade durch die Decke gehen.“ Was wiederum die Gefahr mit sich brächte, am Ende womöglich mit alkohollastigen Weinen dazustehen. Die Empfehlung an die Wengerter laute deshalb, zügig zu lesen. Infolge der zuletzt teils feucht-warmen Witterung gehe die Reifeentwicklung schnell voran. Abhängig von der Witterung der nächsten Tage und Wochen erwartet man beim Weinbauverband, dass die Lese in diesem Jahr wohl Mitte Oktober weitgehend abgeschlossen sein wird. Hohls Prognose: „Das wird wieder einmal ein Lesesprint.“

Am Optimismus für den Weinjahrgang 2019 ändert dies nichts. Schließlich lägen, so Hohl, die Oechslewerte bei den frühen Sorten bereits im Prädikatsweinbereich. Und alles, was noch in den Weinbergen hänge, sei sehr gesund. „Im Moment befinden sich die Weinberge in einem auffällig guten, gepflegten Zustand.“ Auch wenn die zu erwartende Weinmenge hinter derjenigen des Vorjahres zurückbleiben werde, verspricht der Präsident des Weinbauverbands Württemberg jetzt schon: „Dafür dürfen sich die Verbraucher auf beste Weinqualitäten freuen.“

Gute Qualität trotz Frost, Hagel und Hitze

Schon im Frühjahr habe das Weinjahr andererseits alles zu bieten gehabt, was sich auf die Vegetation auswirke. Letztlich mit Glück noch glimpflich verlaufene Frostschäden, regionsweise Hagelschlag und im Sommer dann Hitze bis über 40 Grad, die vor allem beim Trollinger zu Sonnenbrand an den Beeren und zu erheblichen Ertragsausfällen geführt habe.

Auch die Kirschessigfliege mache sich in diesem Jahr wieder bemerkbar, so Hohl. Seit deren erstem Auftauchen vor wenigen Jahren legten die Wengerter aber viel Wert auf Bestandshygiene als bester Prophylaxe gegen „das Vieh“, das es gerne feuchtwarm und schattig hat. Hohl: „Wir beobachten die Kirschessigfliege genau und haben gelernt mit ihr umzugehen.“

Frost, Hagel und Hitze seien Zeichen der auch in Zukunft zunehmenden Schadensrisiken durch extreme Wetterereignisse, konstatierte der Landwirtschaftsminister Hauk in seinem Zwischenfazit für das aktuelle Weinjahr. Dies erfordere seiner Ansicht nach auch neue Wege in der Risikovorsorge: „Ich beabsichtige, in Baden-Württemberg ab 2020 ein Pilotprojekt zu starten und will Mehrgefahrenversicherungen gegen Frost, Sturm und Starkregen im Obst- und Weinbau mit Haushaltsmitteln bezuschussen.“

Die Aussichten für die Weinlese

Menge:
Er erwarte einen Durchschnittsertrag von etwa 95 Hektolitern je Hektar Rebfläche, sagt Hermann Hohl, der Präsident des Weinbauverbandes Württemberg. Damit werde der letztjährige Gesamtertrag in Württemberg von 115 Millionen Litern Wein nicht erreicht.

Qualität:
Angesichts hoher Oechslezahlen und gesunder Trauben wird allseits eine hohe Weinqualität erwartet. Er rechne mit aromaintensiven, fruchtigen und angesichts etwas höherer Säure als im Vorjahr auch mit spritzigen Weinen, sagt Weinbau-Vizepräsident Bernhard Idler.

Verlauf:
Mit der Hauptlese von frühen Sorte wie zum Beispiel Acolon, Dornfelder oder Müller-Thurgau ist vielerorts bereits in der vergangenen Woche begonnen worden. Gerechnet wird mit einer vergleichsweise kurzen Lesedauer von etwa vier Wochen bis Mitte Oktober.

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