Der Wengert auf der Karlshöhe bietet derzeit einen traurigen Anblick: Die Reben liegen am Boden und sind zum Abtransport bereit. Foto: Susann Quasdorf

Spaziergängern auf der Karlshöhe im Stuttgarter Süden bietet sich derzeit ein trostloses Bild. Die Rebstöcke am Fuße des Pavillons „Tschechen und Söhne“ liegen ausgerissen auf der Erde. Wir haben beim Weingut der Stadt nachgefragt.

Stuttgart - Stuttgart, die Stadt zwischen Wald und Reben – mit diesem Werbespruch tun sich Besucher der Karlshöhe im Stuttgarter Süden derzeit schwer. Denn die bei Spaziergängern beliebte Parkanlage mit kleinem Weinberg und wunderbarem Blick auf den Stuttgarter Süden bietet seit der letzten Woche unterhalb des Pavillons „Tschechen und Söhne“ einen eher trostlosen Anblick. Die Rebstöcke an der Steillage sind aus dem Boden gerissen und liegen auf der Erde.

Timo Saier, Leiter des Weinguts der Stadt Stuttgart, liefert die Erklärung: Die Stadt hat die Rebstöcke entfernen lassen. „Grundsätzlich waren die Reben nicht krank“, sagt Saier, der seit August 2016 für das Weingut zuständig ist. Doch sei die auf der Karlshöhe angebaute Rebsorte Lemberger eben nicht resistent gegen gewisse Pilzsorten gewesen. Daher musste in dem städtischen Weinberg mehrmals im Jahr gespritzt werden, um die Reben vor einem Pilzbefall zu schützen. In einem Naherholungsgebiet wie der Karlshöhe mit reichlich Publikumsverkehr und nicht wenigen Fällen von Mundraub nicht eben die glücklichste Lösung, befand Saier nach seinem Amtsantritt, sah Handlungsbedarf und regte bei der Stadt ein ökologisches Umdenken an - mit Erfolg.

Umdenken der Umwelt und der Besucher zuliebe

„Der Jahrgang 2017 wurde überhaupt nicht behandelt“, schildert Saier das Vorgehen. Wie vorherzusehen war, seien die Reben krank geworden. Die Ernte sei daher mäßig ausgefallen. Bereits Ende November sind die Drähte im Weinberg entfernt worden, nun habe man noch auf eine trockene Phase gewartet, um die Stöcke aus dem Erdreich zu ziehen. Diese Arbeiten würden maschinell von einem nicht städtischen Betrieb erledigt. Bis nächste Woche sollen die Arbeiten abgeschlossen und die traurigen Überreste der alten Reben entfernt sein. Die brachten im Schnitt einen Ertrag von etwa 2400 Liter, je nach Jahr und Mundraub, so Saier.

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Bis wieder Wein von der Lage Karlshöhe gekeltert werden kann, wird einige Zeit vergehen. „Etwa ein Jahr werden die Flächen brach liegen“, erklärt der 38-Jährige. Das sei im Weinbau nicht unüblich. Spätestens im Frühjahr 2019 sollen neue, resistente weiße Reben gesetzt werden. „Der Plan wäre, gemischt-resistente Reben anzubauen,“ sagt der Chef des städtischen Weinguts. Auch eine Sprecherin der Stadt bestätigte auf Nachfrage die Planung. Die Abstimmung zwischen den Ämtern laufe aber noch. Resistente Reben müssten – wenn überhaupt – nur einmal im Jahr gespritzt werden. Zudem seien weiße Trauben früher reif.

Um die Stuttgarter und ihre Gäste über den Wandel im Weinanbau auf der Karlshöhe zu informieren, plant der Diplom-Önologe des städtischen Weinguts ein Hinweisschild in der Parkanlage – und wird sich und der Stadt damit sicher zahlreiche Nachfragen besorgter Bürger ersparen.

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