Eine S-Bahn bis Calw? Vielleicht durchaus denkbar . . . Foto: factum/Montage: StZ

Neu ist die Idee nicht. Nur war sie eigentlich schon mausetot. Begraben von den erdrückenden Fakten, der fehlenden Wirtschaftlichkeit, zerrieben zwischen Zuständigkeitsgerangel. Nun taucht die S-6-Verlängerung nach Calw mitten in den Scharmützeln um die Hesse-Bahn wieder auf.

Weil der Stadt - Neu ist die Idee nicht. Nur war sie eigentlich schon mausetot. Begraben von den erdrückenden Fakten, der fehlenden Wirtschaftlichkeit, zerrieben zwischen Zuständigkeitsgerangel. Nun taucht die S-6-Verlängerung nach Calw mitten in den Scharmützeln um die Hesse-Bahn wieder auf. Zuerst hat sie der in diesen Tagen besonders aktive Renninger Bürgermeister Wolfgang Faißt aufgebracht. „Wir sollten uns auf die beste Lösung konzentrieren, nämlich die S 6 bis Calw fahren zu lassen“, erklärte er.

Das würde aus seiner Sicht viele Probleme lösen – den Streit um die Hesse-Bahn, die Frage, ob sie bis Renningen fahren soll, die beengten Verhältnisse im Weiler Bahnhof, das Umsteigeproblem. Nun hat sich auch der Landrat geäußert, wenn auch vorsichtig. „Auf die Idee kann man kommen“, sagte er zu Journalisten am Mittwochabend. Allerdings müssten sich dazu erst noch alle Akteure eine Meinung bilden.

Wenn eine erweiterte S-Bahn über die Region hinaus jetzt Rückenwind bekäme, könnte sich etwas entwickeln. Allerdings sieht er noch viele offene Fragen. Erstens müsste das Verkehrsministerium bereit sein, die 26 Millionen Euro für die Hesse-Bahn auch für eine S-Bahn zur Verfügung zu stellen. Dann müsste der Kreistag mitziehen, und natürlich der Regionalverband. Dort hat der für den Verkehr zuständige Direktor Jürgen Wurmthaler noch vor einem Jahr erklärt: keine Chance.

Möglicherweise könnte aber auch hier neu gedacht werden. Hinweise darauf gibt es. Beim Regionalverband weist die Sprecherin Dorothee Lang darauf hin, dass sich die Lage beim S-6-Ausbau im Vergleich zum ersten Anlauf vor einigen Jahren verändert hat. „Inzwischen sind die Zuständigkeiten durch den ÖPNV-Pakt geklärt“, sagt sie. Im Klartext: daran dürfte es diesmal nicht mehr scheitern. Mehr gibt es von der Verbandsverwaltung nicht. Wie zu hören ist, gibt es aber in den Fraktionen der Regionalversammlung schon durchaus konkrete Überlegungen und Gespräche.

Landrat warnt vor Zeitverzögerung

Es könnte sich also etwas bewegen. Allerdings warnt der Böblinger Landrat Roland Bernhard davor, sich zu sehr auf diese Möglichkeit zu konzentrieren. „Es darf dadurch keine Zeitverzögerung geben“, betont er. Was er nicht ausspricht, aber vermutlich meint, ist klar: Wenn die schwer durchzusetzende S-Bahn-Verlängerung nach Calw nur eine Nebelkerze wäre, um Zeit zu gewinnen und damit die Hesse-Bahn zu torpedieren, will er nicht mitmachen.

Auf Begeisterung stößt die Idee einer S-Bahnverlängerung interessanterweise bei den Bürgerinitiativen. Und zwar bei beiden. Norman Polensky von der Malmsheimer BI sagt: „Mittlerweile hat sich die Diskussion schon auf die Alternative Verlängerung der S-Bahn bis Calw verlagert.“

Begeisterung bei Bürgerinitiativen

Roland Esken von der BI zur Reaktivierung der Schwarzwaldbahn erklärt in einer Mail an Polensky ebenfalls: „Das wäre die verkehrstechnisch sinnvollste Lösung.“ Allerdings hat Esken Zweifel, ob man von der Hesse-Bahn einfach auf die S-Bahn „umplanen“ könne. Und das alles noch rechtzeitig – denn in diesem Jahr muss gebaut werden, sonst gibt es keine Zuschüsse.

Und wie sieht es bei der Hesse-Bahn aus? Zum „Gegengutachten“ des Stuttgarter Verkehrsbüros VWI, das Renningen und Weil der Stadt am Donnerstag präsentiert haben, erklärt der Landrat: „Wir müssen die fachlichen Annahmen darin überprüfen.“ Schließlich sei auch die Untersuchung der Calwer für die Hesse-Bahn von dem renommierten Büro TTKK angestellt worden. Aber das sei eine Frage für die Fachleute. „Der Kreis Calw braucht eine faire Chance, angebunden zu werden“, so das Fazit des Landrats.

Der Regionalverband teilt zur Hesse-Bahn mit, dass es nun einen neuen Stresstest geben soll. „Dabei soll auch der Nachmittagsverkehr untersucht werden“, erklärt Dorothee Lang. Es bleiben also viele Fragezeichen. Der Schlüssel für beide Projekte liegt beim Regionalverband. Am Mittwoch tagt der Verkehrsausschuss in Stuttgart.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: