Die alte Schwarzwaldbahn. Foto: nh

Der Calwer Kreischef Helmut Riegger ist optimistisch, dass die Verkehrsministerien in Stuttgart und Berlin bald Geld locker machen für die Hermann-Hesse-Bahn. Im Böblinger Kreistag wünschen sich die Entscheider derweil mehr Informationen.

Helmut Riegger spricht zurzeit gerne in Bahn-Metaphern. „Wir fahren zweigleisig“, sagt der Calwer Landrat. Und: „In den Gesprächen ist Bewegung.“ Riegger bezieht sich mit seinen Wortspielen auf die Finanzierung seines Leib-und-Magen-Projektes: Er will die alte Schwarzwaldbahn-Trasse zwischen Calw und Weil der Stadt in Betrieb nehmen.

Spätestens im kommenden Jahrzehnt sollen dort wieder Züge fahren. Bei Renningen würden sie an die S 60 und die S 6 anschließen; den Pendlern aus dem Landkreis Calw würde sich so der ganze Großraum Stuttgart erschließen. Einen Namen hat das Projekt schon längst, auch entsprechende Flyer hat der Landkreis bereits drucken lassen: „Die Hermann-Hesse-Bahn bewegt uns“, verkünden sie. Die neue Verbindung soll den Namen des wohl berühmtesten Sohnes der Stadt Calw tragen.

Zweigleisig also. Das bedeutet für Riegger, dass er sowohl mit dem Bund als auch mit dem Land bereits wegen der nötigen Geldmittel verhandelt. 80 Millionen Euro wird die Hermann-Hesse-Bahn nach derzeitigem Stand kosten – eine so genannte „standardisierte Bewertung, ein Gutachten also, hatte das Vorhaben im Juni nach dem Finanzierungsgesetz „GvfG“ grundsätzlich als förderfähig eingestuft.

Eine weitere Einschätzung des baden-württembergischen Verkehrsministeriums liegt seit Dienstag vor. 340 Millionen Euro will das Land in nächster Zeit in Schienenprojekte stecken. Die Hermann-Hesse-Bahn ist nicht dabei, dennoch gibt sich Riegger optimistisch. „Das Land hält auch die Hermann-Hesse-Bahn verkehrspolitisch für sinnvoll“, habe er erfahren. Und wirklich: in einer Pressemitteilung des Ministeriums für Verkehr und Infrastruktur heißt es unter anderem zur dem Schienenprojekt: „Sofern der Bund dieses Vorhaben in die Förderung aufnimmt und eine Finanzierungsperspektive herstellt, wird sich das Land um eine Kofinanzierung bemühen.“ Der Finanzminister Nils Schmid (SPD) und der Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) haben die Pläne aus Calw also bereits wahrgenommen, so Riegger. „Das ist ein gutes Zeichen“, betont er.

Der Landrat kritisiert dennoch mit deutlichen Worten, dass die Vorrang-Projekte meist in grünen und roten Hochburgern lägen. Es sind Stadtbahnen und Straßenbahnen in Mannheim, Heilbronn, Ulm, Freiburg. „Der ländliche Raum wird vernachlässigt“, meint Riegger.

Aber trotzdem: „Für uns ist der Weg jetzt klar“, ergänzt der Landrat. Er habe bereits in der kommenden Woche einen Gesprächstermin mit Vertretern des Bundesverkehrsministeriums. „Wenn wir von dort die Zusage für die Mittel erhalten, wird sich das Land auch beteiligen.“ Davon sei er überzeugt, so der Calwer Landrat.

In den kommenden zwei Jahren gehe es dann massiv in die Planung. In Details wird sich die Strecke der Hermann-Hesse-Bahn von der alten Schwarzwaldbahntrasse unterscheiden. Beispielsweise wird die Schleife bei Dätzingen nicht „zum Zug“ kommen; stattdessen soll ein Tunnel den Hacksberg bei Schafhausen durchstoßen und eine direkte Verbindung weiter nach Weil der Stadt schaffen. Auch der Böblinger Kreistag beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung mit der Hermann-Hesse-Bahn. Immerhin führt ein Teil der Schienen bei Weil der Stadt über das Böblinger Kreisgebiet – und soll dann bis Renningen die Schienen des S-Bahn-Netzes der Region Stuttgart nutzen.

Die Entscheider im Kreistag sehen das Projekt grundsätzlich positiv. „Das ist der Tenor der Sitzung gewesen“, bestätigt auch der Kreis-Pressesprecher Dusan Minic. Während der Sitzung des Gremiums machten aber auch mehrere Ratsmitglieder deutlich, sie wünschten sich mehr Informationen über die Pläne aus Calw. Beispielsweise kam die Frage auf, warum die Hermann-Hesse-Bahn als „S-Bahn“ verkauft werden, obwohl sie doch nicht zum Netz der Region Stuttgart gehöre. „Wir tragen und betreiben die Bahn selbst“, bestätigte Riegger auf Nachfrage noch einmal. Aber man sehe sie als kommunale S-Bahn, werbe damit auch bei den Bürgern.

Über den Eigenanteil der kommunalen Finanzierung will Riegger erst sprechen, wenn Zusagen von Land und Bund da sind. Die Calwer hoffen, dass der Kreis Böblingen einen Teil der Kosten übernimmt. „Wir wissen aber, dass das unser Projekt ist, nicht das der Böblinger“, beruhigt Riegger. „Wir Calwer brauchen starke Partner“, sagt er, in Böblingen und in der Region, „auch beim Takt der Züge müssen wir uns an bestehende Verbindungen anpassen.“

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