Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) tritt für eine Mehrgefahrenversicherung ein. Foto: dpa

Wegen des Klimawandels will Agrarminister Hauk (CDU) den Bauern zur Seite stehen. In einem Pilotprojekt soll von 2020 an den Obst- und Weinbauern mit einer geförderten Versicherung geholfen werden.

Stuttgart - Mit seinem Eintreten für eine staatlich geförderte Versicherung zur Absicherung der Folgen extremer Wetterlagen sei er vor zwei Jahren „ein einsamer Rufer in der Wüste“ gewesen, hat Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) am Mittwoch im Landtag süffisant bemerkt. Heute sehe er, „dass sich viele meiner Kollegen der Forderung angeschlossen haben“.

Vor wenigen Tagen hat die bayerische Landesregierung eine Bundesratsinitative zugunsten der sogenannten Mehrgefahrenversicherung nach österreichischem Vorbild angekündigt, mit der Ernteausfälle ausgeglichen werden können. Baden-Württemberg strebt an, sich der Initiative anzuschließen. „18 Länder in der EU haben bereits eine solche Versicherung, ich bin zuversichtlich, Deutschland wird bald das 19. Land sein“, sagte Hauk. Es gelte nun, den Bund „ins Boot“ zu holen.

Dem Vernehmen nach geht es um vier bis fünf Millionen Euro

„Die Landwirte müssen selbst ihr Risiko einschätzen können“, sagt Hauk. Da der Klimawandel von Menschen gemacht sei, habe die Gesellschaft aber die Aufgabe, die Landwirte bei der Absicherung der Risiken zu unterstützen. Gleichzeitig kündigte Hauk einen eigenen Stuttgarter Weg an: „Das Land wird mit der Unterstützung von Versicherungsprämien ab 2020 ein Pilotprojekt durchführen.“ Dem Vernehmen nach sollen dafür vier bis fünf Millionen Euro bereit gestellt werden. Es geht um eine Mehrgefahrenversicherung im Wein- und Obstbau, die gegen Frost, Sturm und Starkregen absichert.

In den Fraktionen gab es einhellig Zustimmung für eine bessere Förderung der Bauern. „Wir lassen unsere Betriebe nicht allein“, sagte der Abgeordnete Martin Hahn (Grüne). Denn die Wetterextreme – von Hagel bis Spätfrost – zeigten sich immer häufiger: 2011 habe es allein im Weinbau Schäden von 30 Millionen Euro im Südwesten gegeben, 2017 waren es 120 Millionen Euro durch Spätfröste und 2018 durch die Dürre 50 Millionen Euro – und jedes Mal sprang das Land mit Nothilfen ein. Hahn verwies auf einen Nebenaspekt der Versicherungslösung: „Damit kommt der Staat aus den Ad-Hoc-Hilfen raus.“

Liberale sind für steuerbefreite Risikorücklage

Die FDP-Fraktion befürwortete eher eine steuerbefreite Risikorücklage, die schon lange auf dem Wunschkatalog der Bauernverbände steht. Die SPD wies darauf hin, dass eine steuerfreie Risikorücklage bisher von jedem Bundesfinanzminister – egal welcher Partei – abgelehnt worden sei. Bei der AfD hieß es, man begrüße eine freiwillige Versicherung. Im übrigen werde es wegen der Erderwärmung mit Frostschäden bald vorbei sein.

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