Thiago verlässt nach sieben Jahren den Rekordmeister. Foto: dpa/Tom Weller

Bayern München startet in seine Mission Triple-Verteidigung ohne Fans und ohne „Qualitätsspieler“ Thiago. Trainer Hansi Flick steht vor dem Auftakt vor einigen Problemen. 

München - Der Abschied schmerzte. Auch wenn die Trennung von Thiago längst nicht mehr überraschte, wurde es vor dem Training von Bayern München am Donnerstag „sehr emotional. Alle waren sehr traurig, als er sich verabschiedet hat“, sagte Trainer Hansi Flick sichtlich betroffen.

Nach sieben erfolgreichen Jahren verlässt der spanische Zauberfuß den Rekordmeister mit Tränen in Richtung FC Liverpool - und hinterlässt beim FC Bayern auf dessen Mission Triple-Verteidigung eine riesige Lücke. „Er ist ein außergewöhnlicher Spieler, der der Mannschaft viel gegeben hat. Ich kann Kloppo (Jürgen Klopp, d. Red.) nur gratulieren. Er bekommt einen Topspieler und einen super Menschen“, betonte Flick vor dem Bundesliga-Auftakt am Freitag (20.30 Uhr/ZDF und DAZN).

„Wir verlieren noch mal einen Qualitätsspieler“

Dass die Bayern gegen Schalke 04 nun doch ohne Fans starten müssen, war deshalb für den Erfolgscoach am Donnerstag das geringste Problem. „Wir verlieren noch mal einen Qualitätsspieler“, sagte Flick.

Entsprechend forderte er angesichts der extremen Belastungen bis Weihnachten mit 27 Pflichtspielen für die Nationalspieler in 97 Tagen weitere Verstärkungen für seinen Luxuskader: „Wichtig ist, dass wir mehrere Optionen haben, um die Belastungssteuerung so umsetzen zu können, dass die Spieler immer frisch sind.“ Er sei aber „guten Mutes“, dass Sportvorstand Hasan Salihamidzic den Kader „qualitativ aufrüstet“. Es gebe bereits „Alternativen“.

Klopps Wunschspieler Thiago, für den Liverpool 30 Millionen Euro zahlt, könnte aber nicht der einzige sehr schmerzhafte Abgang der Münchner bleiben. Noch immer gibt es bei Abwehrchef David Alaba keine Einigung. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sprach in der Schlammschlacht nun immerhin ein Machtwort. „Jeder sollte jetzt einmal ruhig sein, solange die Verhandlungen noch laufen“, sagte er in Richtung Uli Hoeneß und Alabas Berater-Seite bei Bild live.

Zuvor hatte noch einmal Salihamidzic den Österreicher im kicker in die Schranken gewiesen: „Beim FC Bayern gibt es eine sportliche und finanzielle Obergrenze: Robert Lewandowski und Manuel Neuer.“ Und eben nicht Alaba, auch wenn Flick seinen Innenverteidiger am Donnerstag als „eines der Herzstücke dieser Mannschaft“ würdigte.

Coman in häuslicher Quarantäne

Längst ist bei den Bayern die Triple-Euphorie dem ganz normalen Wahnsinn gewichen. Die ungeklärten Personalfragen - auch Javi Martinez will weg - überschatteten die nur einwöchige Vorbereitung ebenso wie der Fall Kingsley Coman. Der Franzose hatte Kontakt zu einer mit dem Coronavirus infizierten Person aus seinem Umfeld und befindet sich weiter in häuslicher Quarantäne.

Gegen Schalke „ist er nicht dabei“, sagte Flick. Dabei sei auch der letzte Test negativ gewesen. „Er hat jetzt schon den dritten oder vierten negativen Test. Ich weiß nicht, ob es da eine 14-tägige Quarantäne braucht. Ich entscheide das nicht, aber so ganz nachvollziehbar ist das nicht.“

Bei all den Baustellen war bei den Bayern selbst das Pflichtspieldebüt von Leroy Sane, ausgerechnet gegen seinen Ex-Klub Schalke, nur eine Randerscheinung. Der Topeinkauf der Münchner dürfte angesichts des Coman-Ausfalls sofort in der Startelf stehen. Sane sei zwar „noch nicht bei 100 Prozent, aber warum sollte er nicht anfangen? In der Nationalmannschaft hat er auch schon gespielt. Er ist auf einem guten Weg“, sagte Flick.

Und sonst? „Wir dürfen nicht jammern, wir müssen positiv nach vorne gehen“, betonte der 55-Jährige tapfer: „Wir werden auch am Freitag einen sehr guten Kader zur Verfügung haben.“

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